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Alle müssen gewappnet sein

Seuchenprävention und -bekämpfung stellt das Selbstverständnis der Jägerschaft auf eine harte Probe. Die Wildbiologen Johanna Maria Arnold und Dr. Janosch Arnold haben den Stand der Dinge zur Afrikanischen Schweinepest zusammengetragen.

Landwirte, Jäger und Behörden sind beunruhigt: Die Afrikanische Schweinepest steht vor den Türen Deutschlands. Sie trifft Wildschweine, aber auch Hausschweine und kann leicht übertragen werden; ein weggeworfenes Wurstbrot genügt. Ein möglicher Ausbruch könnte verheerende Folgen haben, besonders für die Landwirte. Abgestimmte Maßnahmen zur Prävention sowie im Seuchenfall sind unbedingt notwendig, um die Situation zu meistern.


ANZEIGEPFLICHTIGE TIERSEUCHEN


Durch die Übertragung von Krankheiten von Wildbeständen auf Viehbestände können große wirtschaftliche Schäden entstehen. Das Freisein von Tierseuchen ist Vorbedingung für die Freizügigkeit des Handels im innerstaatlichen und internationalen Handelsverkehr. Die Tierseuchenbekämpfung ist eine Gemeinschaftsaufgabe des Staates und der Tierbesitzer. Dies dient sowohl zum eigenen Schutz als auch zur Durchführbarkeit und Entwicklung des internationalen Tierverkehrs. Ohne weitsichtige Maßnahmen für die Gesundheit der Viehbestände ist ferner keine Leistungszucht möglich. Das Tiergesundheitsgesetz ermächtigt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) – soweit es zum Schutz gegen die Gefährdung von Tieren durch Tierseuchen im Hinblick auf deren Vorkommen, Ausmaß oder Gefährlichkeit erforderlich ist –, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die anzeigepflichtigen Tierseuchen zu benennen (BMEL 2017). Darunter fällt auch die Afrikanische Schweinepest (ASP).


Weitere anzeigepflichtige Tierseuchen sind beispielsweise die Tollwut, die Aujeszkysche Krankheit bei Hausrindern und Hausschweinen oder die Blauzungenkrankheit. Im ASP-Seuchenfall ist der gesamte Tierbestand des betroffenen Betriebs zu töten und unschädlich zu beseitigen. Die somit auftretenden wirtschaftlichen Schäden werden durch großflächige Schutzzonen mit strikten Handels- und Transportverboten verschärft. Gegebenenfalls werden jahrelange Einschränkungen für den Handel mit Schweinen und aus deren Fleisch, Knochen, Innereien etc. hergestellten Produkten in Kraft treten, die enorme wirtschaftliche Schäden mit sich brächten, da Deutschland bis dato einer der führenden EU-Exportstaaten von Schweinefleisch ist.

 

TIERSEUCHE SCHWEINEPEST


Unter dem Begriff „Schweinepest“ versteht man zwei unterschiedliche virusbedingte Tierseuchen, zum einen die Klassische Schweinepest (KSP, auch Europäische Schweinepest [ESP] genannt) und zum anderen die Afrikanische Schweinepest (ASP), im Englischen African Swine Fever (ASF). Trotz ähnlicher Symptomatik sind die beiden Erreger nicht verwandt. Beide Viruserkrankungen können sowohl Haus- als auch Wildschweine befallen. Sie sind ansteckend und verlaufen fieberhaft. Haus- und Wildschwein können sich gegenseitig anstecken. Beide Erkrankungen sind auf den Menschen nicht übertragbar. In Deutschland trat die KSP zuletzt im Jahr 2006 bei Hausschweinen und im Jahr 2009 bei Wildschweinen auf (Friedrich-Loeffler-Institut, FLI 2017). Die in Deutschland bisher noch nicht aufgetretene ASP mit dem Erregervirus aus der Familie der  Asfarviridae (African swine fever and related viruses) wird in den afrikanischen Ursprungsländern von Lederzecken (Ornithodoros spp.) übertragen.

Diese spielen hingegen in Mitteleuropa keine Rolle. Hier erfolgt die Übertragung entweder über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren (über Körpersekrete, Blut und Sperma) oder über die Aufnahme von infizierten Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen sowie andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände wie z. B. Jagdausrüstung, aber auch landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen sowie Kleidung). Der Kontakt mit Blut hat dabei die höchste Ansteckungseffizienz; die Inkubationszeit beträgt etwa fünf bis 15 Tage (maximal jedoch 40 Tage). Nach der Infektion mit der ASP entwickeln die Tiere schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome wie hohes Fieber, Apathie oder Durchfall, aber auch ein plötzliches Verenden ohne vorangegangene Symptomatik ist möglich.

Die Gesamtmortalität liegt dabei bei fast 100 Prozent. In endemischen Gebieten ist die Verlaufsform eher subakut mit weniger schweren Symptomen. Nur eine Labordiagnostik kann sichere Erkenntnis bringen, auch um  die ASP von der KSP sicher abzugrenzen (LAVES 2014, FLI 2017). Das Virus ist sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen, so liegt beispielsweise seine Überlebenszeit im Schlachtkörper (bei 4 bis 8 °C) bei sieben Monaten, im Parmaschinken bei 399 Tagen und im mit Blut kontaminierten Boden bei 205 Tagen, daher spricht man auch von einer „Habitatseuche“.

 

| Fotos: K. H. Volkmar | Ilka Dorn | Julia Kauer | iStockphoto.com | Claas Nowak |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2018.

 

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