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Gold aus dem Kaukasus

Flinte oder Büchse können technisch noch so perfekt sein – „schön“ werden sie erst durch den Schaft. Dass dieser aus Walnussholz, am besten aus dem Kaukasus, sein sollte und worauf man dabei achten muss, erfuhr HALALI-Autor Wolfgang von Brauchitsch beim Besuch eines der weltweit renommiertesten Schaftholzhändler.

SCHAFTHOLZ


Walnussholz wird für Schäfte verwendet, seit es Gewehre gibt. In der Summe seiner Eigenschaften ist es nämlich perfekt dafür geeignet. Es ist leicht, stabil und gut zu bearbeiten. Dieses edle Holz sieht einfach fantastisch aus!


„Holz benötigt man nur, um die mit Schlossen versehenen Läufe anschlagen zu können“, antwortete Tom Purdey, Mitglied der berühmten Edelflinten-Dynastie, einmal etwas provokativ auf die Frage, welchen Stellenwert das Schaftholz für ihn habe.


Betrachtet man die Schäfte älterer Purdey-Flinten, bestätigt sich dieser puristische Ansatz. Man nahm sehr gutes, aber nicht übertrieben gemasertes Nussbaumholz. Neben perfekter Funktion setzt Purdey seit jeher auf eher schlichte Eleganz, was nicht zuletzt den besonderen Reiz dieser Waffen ausmacht. Natürlich ist auch bei Purdey der Kunde König und bekommt auf Wunsch Schaftholz bis zur höchsten Klasse. Am wichtigsten ist dabei, dass auch beim schönsten Wurzelholz der Maserungsverlauf im Griffbereich geradlinig verläuft und damit die nötige Stabilität und Zuverlässigkeit aufweist. Dies gilt besonders für Gebrauchswaffen und Großwildbüchsen, die besonderen Belastungen standhalten müssen – aber auch für alle Seitenschlosswaffen, da der Schaft durch die größeren Aussparungen für die Schlosse geschwächt wird.


ALTERNATIVEN


Natürlich gab es schon immer Alternativen zum Nussbaum. Kanadischer Vogelaugenahorn zum Beispiel erfreute sich einst großer Beliebtheit wegen seines dekorativen Aussehens. Weniger beliebt war er allerdings bei den Zuschneidern und Schaftmachern, denen seine zähe, sehnige Struktur schwer zu schaffen machte. Englische Edelbüchsenmacher wie Manton und Purdey nahmen das Holz aber wegen seiner spektakulären „Wirbel“ und „Augen“ trotzdem gerne, insbesondere für Ausstellungsstücke, die sogenannten „Exhibition Guns“. Für die Herstellung dieser „Schauwaffen“ scheute man weder Mühe noch Kosten. So verwendete Greener für das sogenannte St. George Gun eine Nussbaumkantel, die derartig viele Einschlüsse, Hohlräume und andere Fehler aufwies, dass es sich eigentlich nicht rechnete, sie zu verarbeiten. Erst nach mühevoller, zeitraubender Arbeit waren schließlich an die 100 Stellen ausgebessert, und ein atemberaubender Schaft war das Ergebnis.

 

| Fotos: Wolfgang von Brauchitsch | iStockphoto.com |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2018.

 

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