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Aus Fremdem Terrain

HALALI-Autor Ferdinand Graf zu Waldburg jagt mit drei Freunden Kahlwild im Argyll and Bute District in den schottischen Highlands. Und das ohne Begleitung eines ortskundigen Gamekeepers, dafür aber mit viel Eigeninitiative und Ausdauer.

Die erste Etappe unserer Reise führt uns im Kombi zum Frankfurter Flughafen. Das Auto ist ziemlich voll beladen, wir transportieren Gepäck und Ausrüstung für vier Männer inklusive Gewehren und Rucksäcken. Schließlich soll nichts fehlen, wenn es ohne Gamekeeper in Schottland auf Kahlwild geht.

Am Flughafen entdecken wir eben noch rechtzeitig Munition von der Drückjagd des Vortages in der Jacke, die wir nun rasch sicher verpacken.

In Edinburgh wartet ein Miet-SUV der Mittelklasse auf uns. Vor Ort stellt sich allerdings heraus, dass dieses Fahrzeug für unseren Zweck zu klein ist, allein schon wegen der langen Gewehrkoffer. So entscheiden wir uns doch für ein Vehikel mit großzügigerem Stauraum.

Auf der zweistündigen Fahrt zum Cottage versorgen wir uns für die nächsten Tage mit Lebensmitteln und Getränken. Der Vorrat muss den Hunger und Durst von vier Männern stillen, die sich zum größten Teil selbst versorgen wollen.

Abends erhalten wir von Chris, dem Gamekeeper, eine Einweisung ins Gelände. Anhand einer Karte können wir uns eine ungefähre Vorstellung davon machen, was die nächsten vier Tage auf uns zukommt. Aber wie es immer so ist: Gelände – und Gelände in Schottland erst recht – sieht in Wirklichkeit doch deutlich anders aus, als eine Landkarte es zeigt.

Unseren ersten Tag verbringen wir mit Geländeerkundung und Kontrollschießen. Das morgendliche Einschießen geht bei allen Beteiligten ohne Probleme vonstatten. Die einheimischen Schotten betrachten interessiert und neugierig unsere Ausrüstung, sei es die Blaser K95 in 7 x 65 R oder den praktischen Deferegger-Vierlingsstock für das liegende Schießen.

Wer schon einmal im Gebirge war, kennt vielleicht diesen Trugschluss: Steigt man einen Hang hinauf, hofft man stets, von oben weit in die Ferne blicken zu können. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass auf jeden Hügel direkt der nächste folgt. Bis der Jäger sich tatsächlich einen Überblick verschaffen kann, dauert es eine Weile.

Daher muss er auch immer darauf gefasst sein, in jeder Senke oder Schlucht Wild zu entdecken. In unserem Fall kommt allerdings zunächst gar nichts in Anblick. Und als bald darauf auch noch Nebel aufzieht und der typische schottische Dauerregen einsetzt, beschließen wir gegen Mittag, unverrichteter Dinge wieder abzusteigen.

Felix, Max, Frank und ich hatten schon im Voraus lange über die Frage gegrübelt, welche Kleidung für Schottland wohl am besten geeignet wäre, da hier ja bekanntermaßen vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag stattfinden können. Wir haben uns also für alle Eventualitäten gerüstet.

Die größte Schwachstelle ist meist das Schuhwerk. Der Regen und das ständige Marschieren bringen selbst den besten Schuh früher oder später an seine Grenzen.

Am zweiten Tag machen wir gleich zu Beginn ein Rudel von sechs Stück Kahlwild auf 800 Meter Entfernung unmittelbar am Berg vor uns aus. Da wir zu viert unterwegs sind, teilen wir uns auf. Max und Felix gehen am Berg rechts die Flanke hinauf, Frank und ich folgen ihnen im Schutz des felsigen Tobels nach oben.

Kurz bevor Frank und ich die Kluft verlassen, springt das Kahlwild über uns ab. Per Funk erfahren unsere beiden Kameraden von unserem Missgeschick. Wir sind schlicht zu weit in dem schluchtartigen Einschnitt aufgestiegen und dabei zu nah ans Rotwild geraten.

Felix und Max hingegen bekommen eine Schussmöglichkeit. Sie legen sich sofort flach hin, keinen Moment zu spät. Schon kommt ihnen das Kahlwild auf 150 Meter entgegen, bleibt aber nicht stehen. Das letzte Stück flüchtet langsamer, kurz angepfiffen, verhofft es für einen Moment. Und schon liegt das Schmaltier auf 180 Meter Entfernung im Schuss der .308 aus der Heym SR 21 Keiler.

Große Freude bei uns allen! Und auch ein kleiner Triumph: Immerhin konnten wir mit unserer sorgfältigen deutschen Planung ohne einheimische Hilfestellung das schottische Rotwild überlisten.

Anschließend steigen Felix und ich noch höher den Bergrücken hinauf. Die beiden anderen versorgen das Stück und möchten später noch ein anderes Tal inspizieren. Wir teilen uns die jeweiligen Bereiche akkurat zu, damit wir nicht Gefahr laufen, einander in die Quere zu kommen. An diesem Tag entdecken wir in der Ferne noch manch kleineres Rudel oder einzelne Stücke. Aber wegen des starken Windes gelangt keiner von uns mehr ans Wild heran.

Am Abend gönnt sich unser Team ein paar Gläser Whisky, mit denen wir auf unser erstes erlegtes Stück anstoßen. Allerdings holen wir auch noch einige Tipps vom ortskundigen Gamekeeper Chris ein. Denn ganz so, wie wir es erwartet hatten, kooperiert das schottische Wild dann doch nicht mit uns.

Am nächsten Morgen will keiner von uns so recht glauben, was draußen zu sehen ist: Es hat geschneit, und zwar ganz ordentlich! Also setzen wir lediglich zwei kurze Pirschgänge an. Nach einiger Zeit erreicht Felix und mich die Nachricht, dass Frank und Max nach langem Anpirschen in einem Taleinschnitt ein kleines Rudel von fünf Stück ausmachen und daraus gemeinsam Kalb und Alttier erlegen konnten.

 

| Fotos: iStockphoto.com | Ferdinand Graf zu Waldburg |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2018.

 

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