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MANU LAPLACE – raffinierte ELEGANZ

Manu Laplace ist aktuell einer der ganz großen französischen  Messerschmiede. Er ist ein Künstler, der Jägern – mit Blick für das Besondere – längst auf internationalen Messen aufgefallen ist.

NICHTS BLEIBT DEM ZUFALL ÜBERLASSEN

Ganz oben in Thiers, der französischen Hochburg der Messerschmiede, gibt es eine kleine verschlungene Gasse, die unbewohnt scheint. Einige Stufen führen hinauf zum Atelier 1515, das fernab der Straßen liegt, in denen sich ein Messergeschäft an das nächste reiht.

Als ich die Tür öffne, betrete ich ein Kuriositätenkabinett. Und das ist so interessant, dass ich spontan Lust bekomme, alles in Ruhe zu betrachten und darüber fast das Atelier und die Messer vergessen. Mich ergreift der unverkennbare Sinn für die Ästhetik unseres Gastgebers – inmitten eines von vergangenen Zeiten gezeichneten Ambientes. Man kann sich gut vorstellen, dass in diesen spartanisch möblierten und verstaubten Räumen einst Messerschmiede-Geschichte geschrieben wurde. Und Manu Laplace versteht es, diesen Räumen neuen Lebensgeist einzuhauchen. Der Künstler bewahrt das Althergebrachte und verleiht ihm dabei eine ganz persönliche Note.

Als mir der Künstler mit dem offenen, lebhaften Blick die Hand reicht, spüre ich seine unbändige Leidenschaft, die Talent zur Perfektion bringt. Detailverliebt ist er, dieser vor Lebensfreude sprudelnde Mensch mit dem akkuraten Bart, der seine gallischen Vorfahren vor Neid erblassen lassen würde. Hinzu gesellt sich die Vorliebe für gekonnten Retro-Chic, was die Melone auf seinem Kopf verrät – ein Hauch Hipster und Dandy zugleich. Mit dem Dandy teilt sich Laplace wohl auch den Blick für Eleganz und Historie. Kaum hängt die Kopfbedeckung am Garderobenhaken, schlüpft der Künstler in seinen Arbeitskittel. Ein klassischer „Blaumann“, der bei Laplace allerdings aus schwarzer Baumwolle besteht. Am Kragen prangt in orangefarbenen Lettern das Emblem 1515. Irgendwie erinnert der Offizierskragen auch an die Kleidung von Chefköchen.

Und es ist tatsächlich die Küche, die die Raffinesse unseres Künstlers offenbart, der sich stets auf der Suche nach Ästhetik befindet. Dieser Raum nimmt einen auffallend wichtigen Stellenwert in seinem Arbeitsumfeld ein. An der Wand prangen Kupfertöpfe, daneben hängen ein paar Würste an einem Nagel. Irgendwie der passende Rahmen nach dem herzlichen Empfang des Hausherren und seiner Lebensgefährtin Stéphanie Vidal, die ihn beim gesamten Schaffensprozess unterstützt. Es folgt eine Einladung zum gemeinsamen Aperitif, und ich begreife schnell, dass auch die Küche ein Ort der Schaffenskraft und der Inspiration ist.

Dieses Atelier beflügelt einfach die Vorstellungskraft. In den Räumen bestimmt das genüssliche Strecken und Räkeln der Katze den Rhythmus. Die Art und Weise, wie sie lässig zwischen Feilen und Hämmern daherschlendert. Vom Werktisch auf den Schraubstock springt. Sich anmutig zwischen den Hörnern von Kap-Büffeln, den Hauern der Warzenschweine, Giraffenknochen, Mammut-Stoßzähnen und wertvollen Hölzern in den Regalen bewegt. Keine Sorge: Hier herrscht dennoch kein Dornröschenschlaf: Jede einzelne Bewegung der vier im Atelier arbeitenden Menschen ist kontrolliert, genau kalkuliert, gezeichnet vom bewussten Umgang mit Materialien, aus denen später wahre Wunderwerke entstehen: absolute Ausnahmemesser.

ALTES ERBE: KUNSTHANDWERKLICHES GESCHICK UND MARKETING-KNOW-HOW

Als Urenkel Gaston Cognets, der 1929 das legendäre Douk-Douk erschuf, hat sich Manu Laplace in der Region niedergelassen. Genau wie zuvor seine Ahnen fühlt er sich der Stadt der „gelben Bäuche“ verbunden. Gelbe Bäuche? Aufgrund des gelben Staubs, der sich von den Mühlsteinen löste und auf den meist bäuchlings arbeitenden Menschen ablagerte. Der junge Manu macht eine Ausbildung als Mechaniker, bevor es ihn in die Ferne zieht und er sich im Alter von 18 Jahren bei der Marine anstellen lässt. Zurück in der Heimat, erlernt er vom Großvater die Grundlagen des Messerschmiedens, und von ihm erbt er die Passion für dieses Handwerk. Aller Anfang ist schwer, doch das Erlernen der Basis ist wichtig, denn Polieren muss jeder Messerschmied können. „Das macht nicht wirklich Spaß. Du sitzt vor deinem Schleifstein und versuchst Rillen auszugleichen, bevor es dann an den Glanz geht.“ Als Nächstes gründet Manu ein Atelier, in dem er Laguiole-Messer fertigt, die berühmten Klappmesser aus dem Aveyron. Danach übernimmt er die „Coutellerie François Ier“. Dort entsteht – nach langen Studien – sein Referenzmodell: das 1515. Dieser Name hat natürlich mit der Messerschmiede zu tun, da das Datum an die Schlacht bei Marignano erinnert, die der junge König François Ier für sich entschied. Um bei den geschichtlichen Fakten zu bleiben, Manu Laplace entschloss sich, seine Klingen mit dem Salamander zu versehen, dem Emblem des französischen Königs François Ier: ein Symbol für die Macht über das Feuer und somit auch über die Menschheit. Es ist aber auch eine ironische Anspielung angesichts einer ganz persönlichen Situation, die er während der Entstehung seines Messermodells durchlebte. Er vergleicht seinen damaligen Zustand gerne augenzwinkernd mit einer Schwangerschaft bis hin zur Geburt eines Kindes. Von da an prägten seine eigene Inspiration und die Begegnung mit speziellen Menschen die Weiterentwicklung.

 

| Fotos: Archiv Atelier 1515 | Stéphanie Vidal |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2018.

 

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