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BIS WIR UNSERE BEUTE in die Kühlung hängen können, müssen wir Jäger zuweilen eine Menge Geduld aufbringen. So manches Mal kehren wir sogar ganz ohne Anblick und Wildbret heim, mitunter kann es aber auch blitzschnell gehen – etwa so schnell, wie auf den Knall des Schusses der Fall des getroffenen Stückes folgt.

Warum ich diese Redensart hier anführe? Weil sie für mich sinnbildlich für einen widersinnigen Formenwandel steht. Erst im vergangenen Jahrhundert rückte an die Stelle der Konjunktion „und“ die Präposition „auf“. Aus dem ursprünglichen „Knall und Fall“ wurde „Knall auf Fall“. Damit büßte die zeitliche Abfolge ihre Logik ein, denn der Knall kann ja nicht auf den Fall folgen, es sei denn, das Wild ginge in vorauseilendem Gehorsam bereits vor dem Schuss zu Boden.

Was unser geliebtes Handwerk, die Jagd, betrifft, frage ich mich, ob wir Jäger mittlerweile nicht auch ein wenig durcheinandergeraten sind und zu häufig zu Fall gehen, bevor es sprichwörtlich „knallt“. Immer wieder beschwört man ein angeblich miserables Image der Jägerschaft, das doch so schlecht eigentlich gar nicht ist. Leider verstehen sich aber einige wenige schwarze Schafe darauf, uns stets aufs Neue in Verruf zu bringen. Sei es mit dem Verkauf ungenießbaren Wildbrets, sei es mit himmelschreienden Fotos in den sozialen Netzwerken oder mit nicht waidgerechtem Verhalten in Feld und Flur.

Dabei bietet sich unserer Zunft gerade jetzt die Gelegenheit, ihr Renommee aufzupolieren und sich um die Allgemeinheit verdient zu machen. Am 13. September dieses Jahres erreichte uns die Meldung über erste ASP-Fälle in Belgien, in einem Gebiet unweit der deutschen Grenze, das überdies eine hohe Schwarzwilddichte aufweist. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses hatte sich die Zahl der befallenen Stücke noch erhöht. Behörden und Institute beleuchten die Hintergründe, Deutschland bereitet sich auf den Ausbruch der Tierseuche vor.

Aktueller Anlass für uns, weiterhin gute Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten und ein positives Bild unserer Leidenschaft zu vermitteln. Zum Beispiel, indem wir das Schwarzwild vermehrt, aber waidgerecht bejagen oder fortgesetzt für das gesunde Wildbret werben. Oder wir folgen einer Empfehlung des Schriftstellers und Dichters Johann Balthasar Schupp aus der Mitte des 17. Jahrhunderts: Wir machen es „wie die Wildschützen, da Knall und Fall ein Ding ist.“

Deshalb legen wir in dieser vierten Ausgabe des Jahres einen Schwerpunkt auf die beliebte Drückjagd. Sie lesen über erste Erlebnisse unserer jungen Blogger, bekommen wichtige Tipps zur Schießpraxis auf bewegte Ziele und begleiten uns auf eine Drückjagd ins winterliche Kroatien. Außerdem haben wir uns in mehreren Artikeln mit dem vermeintlichen Wald-Wild-Konflikt beschäftigt.

Sie lernen im vorliegenden Heft aber auch große Jagd- Handwerker kennen und erfahren Wissenswertes über die Hintergründe der Bogenjagd. Mit einem Vertreter des WWF sprachen wir über die Haltung seiner Organisation zur Jagd. Unserem Schutzpatron, dem heiligen Hubertus, haben wir ein kleines literarisches Denkmal gesetzt. Und last, but not least laden wir Sie ein, Ihre Freunde und Gäste mit ausgefallenen Wild-Eintöpfen an den Winterwochenenden zu bewirten..

Ich hoffe also, dass auch diese Ausgabe der HALALI wieder Spannendes, Informatives oder Anregendes für Sie und Ihre Freunde beinhaltet und verbleibe mit den besten Wünschen für Anblick und Waidmannsheil.


Ihr

Oliver Dorn
Chefredakteur