dorn editorialeditorial

 

EIN GUTES HABEN DIE ASP sowie die Debatte

über Ursachen, Verbreitung und Prävention doch: Uns Jäger trifft keinerlei Schuld. Wir sind weder verantwortlich für die explosionsartige Populationsentwicklung der Sauen noch für die Verbreitung der Seuche. Und sogar die Tierschützer, sonst den Jägern wenig zugeneigt, raten zu mehr Besonnenheit beim Abschuss und wehren sich gegen die pauschalisierenden Schonzeitaufhebungen.

Nein, die Misere ist nicht der Jägerschaft anzulasten, der Mensch ist dafür verantwortlich. Das ist aber leider auch schon alles an Positivem. Denn längst liegt man uns mit Forderungen nach unrealistischen Abschusserhöhungen in den Ohren und dem Einsatz von Technik, die die Nacht zum Tage macht.

Natürlich habe auch ich mir angesichts hoher Wiesen- und Getreideschäden mitunter ein Gerät gewünscht, mit dem sich auch in finsterster Regennacht sicher ansprechen und erlegen ließe. Aber ist das die dauerhafte Lösung? Immerhin besteht die Hoffnung, dass wir bald selbst entscheiden dürfen, welche Technik wir wann verwenden.

Von 70 Prozent mehr Schwarzwildstrecke ist mittlerweile die Rede, die sozialen Netzwerke füllen sich jeden Tag mit neuen Bildern erlegter Sauen. Darunter befinden sich gewiss einzelne Stücke, deren Wildbret im privaten Haushalt Verwendung findet. Doch leider wissen wir nur zu gut, wie schwierig es ist, die hohen Drückjagdstrecken bei der derzeitigen miserablen Vermarktungslage zu verwerten.

Deshalb müssen wir uns für die kommende Ernte- und Drückjagdsaison ganz besonders gründlich vorbereiten. Nicht nur mit Schießnachweis und guten Hunden, sondern auch durch die Erschließung weiterer Absatz- und Vermarktungs-kanäle.

Wild vom Jäger ist eine bekannte Größe und wird in der Öffentlichkeit immer beliebter. Der Gesetzgeber ist sich durchaus der Tatsache bewusst, dass der herkömmliche Wildhandel für uns Jäger nicht der ideale Vermarktungsweg sein kann. Die Europäische Union hat 2004 mit dem EU-Hygienepaket ein Regelwerk für Lebensmittel tierischen Ursprungs (Wildtiere eingeschlossen) erlassen. Und EU-Recht gilt, sobald wir Wild und Wildfleisch nicht selbst nutzen, sondern vermarkten wollen.

Die Jäger werden in Deutschland schon privilegiert behandelt, wenn es um die Vermarktung ihres Wildbrets geht. Trotzdem sind die Möglichkeiten der vorschriftsgemäßen Wildbretvermarktung beschränkt und längst nicht für jeden Jäger in der Praxis auszuschöpfen. Zudem haben wir noch mit Unsicherheiten bedingt durch den uneinheitlichen regionalen Ermessensspielraum der zuständigen Ämter zu kämpfen.

In der vorliegenden HALALI erläutern wir das EU-Hygienepaket und seine Bedeutung für Jägerin und Jäger mit Blick auf praxisnahe Vermarktungsmöglichkeiten. In unsere Erkenntnisse flossen die Quintessenz aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen und Verantwortlichen sowie natürlich viel eigene Erfahrung ein. Denn nicht zuletzt steht die Frage im Raum, wie der Endverbraucher möglichst unkompliziert und günstig an sein Steak von Reh oder Schwein kommt. Und damit Sie Ihr küchenfertig zerlegtes Wild noch unkomplizierter auf den eigenen Tisch bringen können, haben wir für Sie eine ganze Reihe Ideen für Kurzgebratenes zusammengestellt.

Die Zeit ab dem ersten Mai wollen wir Jäger besonders genießen, deshalb widmen wir uns direkt auf den ersten Seiten der Altersansprache bei Rehböcken. Unser Autorenteam reiste nach England, um Ihnen in dieser Ausgabe Porträts stilvoller Waffen und typisch englischer Bekleidung vorzustellen, begab sich auf eine Premierefahrt durch den Schwarzen Kontinent und auf eine anspruchsvolle Jagd in Nepal.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit der Lektüre, erfüllte Jagdtage mit viel Anblick und eine stets sichere Hand bei Ansprache und Schuss.


Ihr

Oliver Dorn
Chefredakteur