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Wahrscheinlich haben Sie es auch schon gehört: Das Reh wurde von der Deutschen Wildtier Stiftung zum Tier des Jahres 2019 ernannt. Gut! Gleichzeitig forderte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Georg Nüßlein, den „Feldzug“, vor allem den unserer staatlichen Forstverwaltungen, gegen das Rehwild zu beenden. Es sei höchste Zeit „für einen besseren Umgang mit dem Reh“. Noch besser!

 

Aber sind es tatsächlich nur die staatlichen Forstämter, die unserem geliebten Rehwild zu sehr auf die Decke rücken? Sind es nicht auch wir Jäger? Auf zahllosen Drückjagden geben wir das Rehwild frei. Zum einen, weil uns der Morgen- oder Abendansitz zu langwierig und mühsam erscheint. Zum anderen, weil wir fürchten, es seien keine Sauen im Treiben, und wir auf eine sicher vorkommende Wildart zurückgreifen möchten.

 

Ich persönlich bin da hin- und hergerissen. Unser Rehwild wird weitestgehend vom Ansitz aus bejagt. Ein nicht geringer Teil landet übers Jahr in den Gräben zu stark und oft zu schnell befahrener Landstraßen. Ein kleinerer Teil kommt auf unserer jährlichen Drückjagd oder den nachfolgenden, wesentlich effektiveren Drückerchen zur Strecke.

 

Übrigens: Bei der morgendlichen Ansprache meine ich es durchaus ernst, wenn ich „Wer Rehwild zerschießt, kauft es“ sage. Das Reh hat es nicht verdient, dass allzu leichtfertige Schützen an ihm mehr Verantwortung einüben. Unser Rehwild ist wie alles Wild Teil unseres Ökosystems in Wald und Feld. Wer allein das Wild für Schäden verantwortlich macht, übersieht Einfluss und Interessen der Land- und Forstwirtschaft. Gedeihliche Hege geht nur gemeinsam, wie wir schon im Leitartikel der HALALI 04/2018 ausgeführt haben. Tragen wir Jäger unseren Teil dazu bei, dass es wieder so wird. Mit gesunden und artenreichen Wildbeständen durch eine waidgerechte Bejagung.

 

Dazu gehört, liebe Leserinnen und Leser, auch die Raubwildbejagung. Diesem spannenden Thema widmen wir uns in der vorliegenden Ausgabe mit wildbiologischen und jagdpraktischen Beiträgen.

 

Eine Herausforderung für zahlreiche hiesige Landkreise, aber auch für unsere niederländischen Nachbarn ist die Gänsejagd und die Verwertung des Wildes. Wir besuchten einen passionierten Amsterdamer Koch im niederländischen Friesland und fragten ihn nach seinem Lieblingsrezept für die Gans. Bei dieser Gelegenheit kam natürlich auch zur Sprache, was es mit der Jagd bei unseren Nachbarn so auf sich hat. Wir nehmen Sie außerdem mit auf unsere erste HALALI-Leserreise nach Kroatien. Weitere sollen folgen. Aus den schottischen Lowlands berichten wir über eine besonders begabte Künstlerin, die uns bereits bei einem länger zurückliegenden Besuch aufgefallen war. In der Jagdindustrie waren wir auch unterwegs: Dort schauten wir einigen etablierten, aber auch weniger bekannten Herstellern über die Schulter. Und schließlich experimentierten wir in unserer Küche mit jagdlichem Fingerfood.

 

Zum Jahresbeginn haben wir einige inhaltliche und formale Neuerungen in unserer (Ihrer!) HALALI eingeführt. Lassen Sie sich überraschen. Wir freuen uns überdies auf Ihren Messebesuch der diesjährigen Jagd & Hund in Dortmund. Dort finden Sie uns in Halle 1 auf dem Wild Food Festival. Aber natürlich auch am angestammten Platz in Halle 7 – gemeinsam mit einigen ausländischen Partnerverbänden.

 

Ihr



Oliver Dorn | Chefredakteur