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Alain Lovenberg, ein Meister der Gravur

In der Welt der feinen Jagdwaffen spielt die Gravur schon immer eine große Rolle. Perfekt ausgeführt, bedeutet sie für den stolzen Besitzer die Erfüllung seiner Träume. Absolute Spitzen-Graveure gibt es weltweit nur eine Handvoll. Einen von ihnen besuchte HALALI-Autor Wolfgang von Brauchitsch im belgischen Durbuy unweit von Lüttich.

Über Jahrhunderte hinweg war Lüttich die bedeutendste Waffenschmiede der Welt. Bereits seit dem 16. Jahrhundert wurden hier Waffen sowohl für militärische Zwecke als auch für den jagdlichen Gebrauch hergestellt. Ihre Blüte erlebte die Stadt an der Maas aber in der Zeit von 1814 bis 1914. Es war das sogenannte „L’âge d’or“, das Goldene Zeitalter, in dem die Zahl der Waffenhersteller stetig anstieg. Waren es 1816 noch 36 Manufakturen, zählte man im Jahr 1856 bereits 97. Diese Zahl verdoppelte sich bis 1884 sogar noch einmal auf 177, um dann 1909 mit 195 Herstellern den Höchststand zu erreichen. Zwischen 1889 und 1913 arbeiteten in der Lütticher Waffenindustrie rund 12 000 Menschen. Sie fertigten insgesamt 30 Millionen Schusswaffen, den größten Teil davon für den Export. Um 1900 produzierte Lüttich mehr Feuerwaffen als Saint-Étienne und Birmingham zusammen. Dabei wurde mit der zunehmenden Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch der Wettbewerb schärfer. Im Jahr 1889 schlossen sich daher mehrere Hersteller unter dem Namen „Les Fabricants d’Armes de Guerre Réunis“ zusammen. Später wurde daraus die „Société anonyme Fabrique Nationale d’Armes de Guerre“ (kurz „FN“), die bis heute existiert und sich im Laufe der Zeit zu einem der größten Waffenhersteller der Welt entwickelte.

 

BÜCHSENMACHER UND GRAVEURE
Neben der Waffenbaukunst gelangte aber auch noch ein anderes Handwerk zu höchster Blüte, nämlich das des Graveurs. Denn feine Jagdwaffen wurden von jeher gerne aufwendig verziert. Mit einer kunstvollen Gravur wird der Wunsch nach Ästhetik und Individualisierung gleichermaßen erfüllt. Bereits auf frühen Luntenschloss-Musketen finden sich eingravierte Ornamente – eine Kunst, die in den darauffolgenden Epochen stets weiterentwickelt wurde und bei den prunkvollen Waffen der großen französischen Büchsenmacher wie Nicolas-Noël Boutet und Jean Lepage zu höchster Vollendung gelangte.

 

DIE ÉCOLE „LÉON MIGNON“
Um den großen Bedarf an Fachkräften in der Waffenindustrie befriedigen zu können, wurde im Jahr 1897 eine eigene Schule in Lüttich gegründet, die École d’Armurerie „Léon Mignon“. Sie bildete sowohl Büchsenmacher als auch Graveure aus. Träger dieser Einrichtung waren die Waffenfabrikanten, der Staat sowie die Provinz und Stadt Lüttich. Die Schule entwickelte sich schnell zu einer Talentschmiede, die für den nötigen Nachwuchs sorgte und zahlreiche exzellente Vertreter beider Fachrichtungen hervorbrachte. Heute ist sie neben Suhl und Ferlach eines der letzten drei Ausbildungszentren des Büchsenmacherhandwerks in Europa.

 

Fotos: Wolfgang von Brauchitsch | Lovenberg |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2018.

 

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