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Drückjagd in Polen

Für deutsche Jäger gehört Polen zweifelsohne zu den beliebtesten Reisezielen. Nicht wenige haben im ehemaligen Schlesien familiäre Wurzeln oder heute Freunde. HALALI-Redakteur Oliver Dorn verfügt über beides. Und das machte seine Jagdreise dorthin zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Auf der letztjährigen IWA in Nürnberg stellte mir ein guter Freund den polnischen Redakteur Lukasz vor. Wir würden ähnlich ticken, meinte er und verschwand nach dieser kurzen Vorstellung lachend im Getümmel der Abendveranstaltung. Also unterhielten Lukasz und ich uns eine Weile – auf Englisch. HALALI kannte er freilich ebenso wenig wie ich die Publikationen, für die er als freier Journalist tätig war.

 

Ob ich denn schon einmal in Polen gejagt hätte, wollte er wissen. Ja, vor einigen Jahren, mit meinem Vater zusammen, antwortete ich ihm. Und ob es mir denn gefallen hätte, und was wir alles gesehen hätten, wollte Lukasz wissen. So erzählte ich ihm, dass mein Vater in Oberschlesien geboren wurde und wir nach einigen Tagen Bockjagd im Eulengebirge auch seinen Geburtsort besucht hatten. Zu meiner großen Überraschung antwortete Lukasz jetzt in gutem Deutsch, die Familie seiner Mutter käme aus der Region, hätte deutsche Wurzeln, hätte das Land aber damals nicht verlassen. So entstand an diesem Abend eine Freundschaft, die mir einige Monate später eine Einladung zu einer Hubertusjagd in der polnischen Woiwodschaft Oppeln einbringen sollte.

 

Hubertustag
Ein Novembermorgen, wie ihn sich Jäger wünschen. Es ist kalt, der Himmel blau. Herbstlaub fällt nach dem starken Nachtfrost. Die Sonne sendet zaghafte Strahlen durch das braungelbe Blätterdach im Wald. Es riecht nach Laub. Eine Gruppe von gut und gern 60 Jägerinnen und Jägern steht auf einer Waldlichtung. Menschen laufen hin und her, begrüßen sich, plaudern und trinken Kaffee aus Pappbechern. Andere wiederum ziehen orangefarbene Signalwesten über die dicken Jacken und schultern ihre Jagdwaffen.

 

Jetzt schallen Jagdhörner durch den spätherbstlichen Wald. Die Gruppe nimmt um den vorbereiteten, ansehnlichen Streckenplatz herum Aufstellung. Ich trete mit Lukasz dazu, während sich vor uns die Jagdleitung formiert. Forstbeamte sind dabei, so wie auch die Vorsitzenden des Jagdvereins, die mich über meinen Freund Lukasz zu dieser Hubertusjagd eingeladen hatten. Lukasz übersetzt für mich Ansprache, Tagesablauf und Freigaben. Dann werden die Gruppenführer nach vorn gerufen und die Schützen zugeteilt. Ich höre meinen Namen. Lukasz wünscht mir Waidmannsheil für das erste Treiben dieses Tages.

 

Schießen oder nicht schießen?
Mitunter sind weit entfernte Rufe und Hundegebell zu hören. Das Treiben läuft seit einer guten Stunde. Ich hatte bislang keinen Anblick. Einige Schüsse sind bereits gefallen – auch nicht allzu weit entfernt. Mein Ansteller, der in Sichtweite auf einem anderen Drückjagdbock in einer langen und breiten Waldschneise steht, hatte mir die Richtung gewiesen, aus der die Treiber kommen sollten. Und so hänge ich meinen Gedanken nach. Die Strahlen der Sonne wärmen mittlerweile und machen mich etwas schläfrig. Da! „Jelen, Jelen!“ – jetzt klingen entfernte Rufe der Treiber zu mir herüber.

 

| Text: Oliver Dorn || Fotos: CAB |

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2016.

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