Wir haben die Baumgrenze passiert: Beim Aufstieg halfen Steigeisen.

Dem Himmel so nah

Wenn nach langer Wartezeit Träume in Erfüllung gehen, ist das reale Erlebnis mitunter eine Enttäuschung. Nicht so bei unserem Autor Simon K. Barr, der zu einer Alpensteinbockjagd ins Schweizer Wallis aufbrach.

Vor fast einem Jahrzehnt war ich zu Gast in einer österreichischen Burg, deren Wände mit majestätischen Trophäen von Wild aus dem Alpenraum dekoriert waren. Am meisten begeisterten mich die Exemplare einer ziegenähnlichen Wildart mit imposanten, weit nach hinten gebogenem Gehörn.

 

Die Wülste der Schläuche waren dick und deutlich voneinander abgegrenzt, wie die Knöchel einer geballten Faust. Es waren die Trophäen des Alpensteinbocks, des Marco Polos Europas, der mit Recht als der edelste Vertreter aller europäischen Wildarten gilt. Seine Pracht allein regte meine Fantasie an. Dass dieses majestätische Wild auf den steilen Hängen der Alpen heimisch war, beeindruckte mich sehr, und ich wusste sogleich, dass ich irgendwann in meinem Leben einmal ein solches Stück erlegen wollte. Nicht zuletzt die Hoffnung auf dieses einmalige Erlebnis begründete meine Faszination für die Berge und die dort heimischen Wildschafe und -ziegen.

 

So habe ich seit jener Zeit tatsächlich hin und wieder das Privileg genossen, manches Exemplar dieser Arten erlegen zu können, darunter einen asiatischen Steinbock in Kirgisistan sowie einen Beceite-Steinbock in Spanien. Doch meinen Traum von der Jagd auf einen Alpensteinbock hatte ich noch lange nicht aufgegeben.

 

Dieses Jahr sollte mein inniger Wunsch in Erfüllung gehen. In einem in der Schweiz einzigartigen System zog ich ein Los für den Abschuss eines reifen männlichen Stücks Alpensteinwild im Kanton Wallis in den Schweizer Alpen. Ein Los für einen solchen Abschuss ist überaus selten und eine besondere Gelegenheit, die sich einem nur einmal im Leben bietet. Zahlreiche Jäger aus dem In- und Ausland warten oft mehr als zehn Jahre, bevor sie tatsächlich einmal das Glück haben, eine Jagdlizenz bei der staatlich organisierten Auslosung zu gewinnen.

 

In der französischen Schweiz werden jährlich ungefähr 200 Stück Alpensteinwild erlegt, nur 30 davon sind kapitale männliche Stücke (oder Trophäen, wie man sie früher nannte, bevor der Löwe Cecil weltweit negative Schlagzeilen machte). Viele dieser kapitalen Steinböcke werden von Jagdtouristen erlegt, die bereit sind, einen stolzen Preis für den Abschuss zu zahlen. Die Erlöse aus diesen Abschusslizenzen werden übrigens ausschließlich für die Finanzierung der Wildhege und der Wildhüter im Wallis verwendet.

 

| Text: Simon K. Barr || Fotos: Tweed Media | Shutterstock.com |

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2017.

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