Zwei Menschen? Sutherland mal sinnierend mit seinem Pitbull Brandy und mal inmitten zahlreicher erbeuteter Elefantenstoßzähne

Als Heimat reicht ein Zelt

Früher zogen professionelle Elfenbeinjäger viele Jahre kreuz und quer durch den afrikanischen Kontinent. Einer von ihnen war James Sutherland. Über drei Jahrzehnte ging der gebürtige Schotte dort auf Großwildjagd. HALALI-Autor Stefan Bader porträtiert den zähen Abenteurer und die von ihm verwendeten Büchsen.

Ein schmaler Gang endet mit einer Tresortür. Ein mnemotechnisches Schloss quittiert jede Zahl mit einem Piepton. Nach erfolgreicher Eingabe der Geheimzahl wechselt die Leuchtanzeige von Rot auf Grün. Mit einigem Kraftaufwand wird der lange Verriegelungshebel der Tür um neunzig Grad geschwenkt. Hörbar gleiten die Verriegelungsbolzen aus der Zarge in das Türblatt zurück. Wir treten in einen dunklen Raum. Kein Sonnenstrahl drang jemals in dieses fensterlose Zimmer.

 

Ein Luftgemisch aus Waffenöl und Holz wabert unter der schummrigen, gelblich leuchtenden Lampe. Der Raum misst nur ein paar Quadratmeter. Die Seitenwände sind ringsum mit hölzernen offenen Waffenschränken ausstaffiert, eine Büchse reiht sich dort an die andere. Welch ein Anblick! Repetierer, Einzellader, doppelläufige Flinten und Büchsen geben sich hier ein Stelldichein. Unter der Vielzahl sticht eine Büchse heraus. Extrem dunkles Schaftholz und matt gewetzte Läufe deuten auf eine intensive Benutzung hin. Die Hand greift nach vorn, nimmt die Büchse mit der Nummer 16550 auf dem Abzugsbügel heraus und begutachtet sie von allen Seiten.

 

Der Schaft erscheint kurz. Der Vorbesitzer dürfte eher kleiner als der heutige Durchschnitt gewesen sein. Einige Druckstellen und Kratzer beweisen: Diese Büchse war geführt worden. Nur noch Reste einer roten Schaftkappe schließen den Schaft ab. Die Fischhaut auf dem lang ausgeführten Pistolengriff ist ebenso abgegriffen wie auf dem dünnen Splinter-Vorderschaft. Abgenutzt sind auch die Tränen links und rechts am Pistolengriff.

 

Die deutsche Backe auf dem Hinterschaft und das Pistolengriffkäppchen wirken dagegen beinahe unberührt. Die Basküle ist mit feinen Arabesken flächendeckend graviert. Der Hersteller der Büchse hat sich in der typischen Schlaufe, die in großen Arabesken ausläuft, verewigt.

 

Der einseitig mit Scharnier versehene Deckel lässt erkennen, dass die Schlosse dadurch entnehmbar sind. In der Basküle verriegelt lagern die beiden mächtigen Läufe. Die Hand kann sie wegen des großen Kalibers nicht vollständig umgreifen. Auf der kurzen Viertelschiene wurde eine weite Schmetterlingskimme montiert. Für größere Entfernungen stehen zwei zusätzliche Klappen zur Verfügung. Das Gegenstück bildet ein Messingperlkorn mit einem hochklappbaren Emailkorn, das durch einen patentierten schwenkbaren Tunnel geschützt werden kann.

 

Im Hinterschaft und auf der Laufunterseite wurden die Ösen zur Befestigung eines Canvasriemens angebracht. Wie alt mag diese Büchse wohl sein? Die Augen suchen weiter nach Hinweisen. Auf der Schaftunterseite findet sich ein gravierter Goldnagel. Kleine Arabesken fassen dort den Namen "James Sutherland" ein. Sollte es etwa wirklich wahr sein? Meine Handinnenflächen transpirieren, das Herz fängt an zu pochen. Die Atmung verkürzt sich. Der Mund wird trocken.

 

| Text: Dr. Ing. Stefan Bader || Fotos: Archiv Bader | iStockphoto.com |

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2017.

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