Funktional, flott und fein: Sako Grizzly

Europas Nummer 1 aus dem Hohen Norden

Finnland ist nicht nur eine der letzten großen Wildnisse unseres Kontinents, sondern auch die Heimat des Büchsenherstellers Sako. HALALI-Redakteur Wolfgang von Brauchitsch besuchte die Waffenschmiede im hohen Norden.

Hirvi
Das doppelköpfige Ungetüm kommt wie auf Schienen rechts aus der Deckung durch den Schnee gestürmt. Der Mann im Tarnanzug hebt das Gewehr, fährt mit, der Schuss kracht, aber das schwarze Monstrum setzt seinen Weg unbeirrt fort und verschwindet links hinter den Büschen.

 

Das ist keine Szene aus Jurassic Park und das urtümliche Wesen auch kein Dinosaurier, sondern „Hirvi“, genauer gesagt, sein lebensgroßes Abbild. Denn was da gerade in 70 Meter Entfernung vorbeigerauscht kam, ist das finnische Pendant zu unserem laufenden Keiler. Hirvi – so nennen die Finnen den Elch. Warum dessen Haupt samt Vorschlag gleich zweimal auf der fahrenden Scheibe verewigt ist, zeigt sich wenig später. Da kommt die Elchscheibe nämlich flott zurück, und wieder fällt ein Schuss. Danach herrscht gespannte Stille, bis kurz darauf auf einer Anzeigetafel nacheinander eine "9" und eine "8" aufleuchten. Beide Treffer auf der Zehnerscheibe hätten im Leben gesessen. Schießprüfung bestanden!

 

Riihimäki
Es ist kalt auf dem Schießstand an diesem Novembertag. Das Thermometer zeigt minus acht Grad bei leichtem Schneefall. Doch die trockene Kälte hindert mich nicht daran, mit Begeisterung die breite Palette der bereitstehenden Gewehre zu erproben – natürlich nicht irgendwelche, denn nur eine halbe Autostunde entfernt liegt die Kleinstadt Riihimäki, Firmensitz des finnischen Waffen- und Munitionsherstellers Sako. Hier habe ich in den letzten Tagen beim Besuch der modernen Fertigungsanlagen richtig "Appetit" entwickelt, die Jagdwaffen des Hauses endlich einmal in der Praxis kennenzulernen.

 

Seit 1921
Sako, das ist die Abkürzung für Suojeluskuntain Ase- ja Konepaja Osakeyhtiö – auf Deutsch etwa Feuerwaffen- und Maschinenfabrik der Heimatschutztruppe. Finnland gehörte ursprünglich zum russischen Zarenreich und wurde erst nach der Februarrevolution von 1917 unabhängig. 1918 wurden Militäreinheiten aufgestellt, die mit eigenen Waffen ausgestattet werden sollten. Zu diesem Zweck gründete man 1919 in Helsinki eine Waffenfabrik, die ab 1921 als Sako firmierte und 1927 aus Platzgründen nach Riihimäki verlegt wurde.

 

Der Trick mit dem Kreuz
Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Finnland zunächst als Verbündeter Deutschlands gegen Russland, schloss aber bereits 1944 den Waffenstillstand von Moskau. Um die drohende Übernahme des Rüstungsbetriebs durch die Russen zu verhindern, griff der finnische Oberbefehlshaber Feldmarschall Mannerheim zu einer List. Sako wurde kurzerhand an das Finnische Rote Kreuz übereignet. Damit war der Betrieb gemäß einer Klausel des Friedensvertrags dem Zugriff der Alliierten Kontrollkommission unter russischer Leitung entzogen. Erst 1962 gelangte die Firma wieder in Unternehmerhand. 1967 kaufte die Nokia Gruppe Sako. In den 80er-Jahren erwarb sie auch den Waffenbauer Tikka und fusionierte später noch mit Valmet. Seit 2000 gehört Sako zur italienischen Beretta Holding.

 

Moderne Fertigung
Das Werksgelände in Riihimäki ist ein in 90 Jahren stetig gewachsener Komplex aus älteren und neuen Gebäuden. Wurden hier ursprünglich hauptsächlich Militärwaffen gebaut, verlagerte sich der Schwerpunkt nach dem Krieg zunehmend auf die Produktion von Jagd- und Sportwaffen. Kernstück der heute produzierten Repetierbüchsen ist ein klassischer Drehzylinderverschluss mit Dreiwarzenverriegelung in einer geschlossenen Systemhülse aus Stahl.

 

| Text & Fotos: Wolfgang von Brauchitsch |

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/2017.

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