Die Metaphysik des Flintenschiessens

Die Metaphysik des Flintenschießens

Es gibt viele Gründe, zur Flinte zu greifen. Doch sind es – jenseits aller Freude an sportlichen und jagdlichen Erfolgen – die mentale Erfahrung, das spirituelle Erlebnis, die den Reiz des Flintenschießens ausmachen. Ein Dialog über ein metaphysisches Phänomen

Der Begriff „Metaphysik“ geht auf das Werk Aristoteles’ zurück. Man teilt es üblicherweise in 14 Bände ein. Die ersten acht Bücher behandeln das Thema „Physik“, die folgenden sechs Bücher widmen sich der „Metaphysik“. Altgriechisch werden Letztere als tà metà tà physiká bezeichnet, was sich als „Das hinter, nach der Physik Kommende“ übersetzen lässt. Daraus entwickelte sich der Begriff „Metaphysik“. Mag er ursprünglich nur ein Begriff für eine formale Einteilung gewesen sein, so hat sich dieser Terminus doch in der Philosophie als feste inhaltliche Größe etabliert. Metaphysik, so liest man im Onlinelexikon philolex, ist die Lehre von den nicht empiristisch erfahrbaren, von den hinter unseren Wahrnehmungen verborgenen oder vermuteten Tatbeständen.

 

DIE DINGE HINTER DEN DINGEN

Metaphysik: die Dinge hinter den Dingen. Die Bezeichnung für mein Unterfangen könnte nicht besser sein. Verabredet bin ich mit Markus-Urs Felder, seit über 15 Jahren Schießlehrer und Gunfitter, Fellow von The Association of Professional Shooting Instructors (APSI) und Mitglied der International Association of Law Enforcement Firearms Instructors (IALEFI). Wir wollen über die Essenz des Flintenschießens sprechen. Es soll nicht um die beste Schießtechnik, den schönsten Parcours oder die eleganteste Flinte gehen.

 

Wir wollen dem mentalen, dem spirituellen Erlebnis des Flintenschießens nachspüren. Die Reise führt mich in die Schweiz. Gut Aspen im Thurgau ist das Ziel, ein kleines Landgut, in dem Felder zu Hause ist. Der schönste Abschnitt der Fahrt ist die Fährpassage von Friedrichshafen nach Romanshorn. Der Bodensee präsentiert sich dramatisch: Zwischen dunklen Wolken bricht immer wieder heller Sonnenschein hervor. Das Wechselspiel aus Licht und Schatten gibt der Überfahrt einen schroffen Reiz, der an Skandinavien und Schottland erinnert. Ab Romanshorn geht die Fahrt mit der Bahn weiter. Felder holt mich am Bahnhof Weinfelden ab, und wir fahren gemeinsam weiter nach Aspen.

 

DIE DINGE DER WIRKLICHKEIT

Das Tor, zu dem die lange Auffahrt hinaufführt, steht einladend offen. Aspen strahlt einen nostalgischen, fast englischen Charme aus. Haupt- und Nebenhaus – Letzteres ein Fachwerkbau – werden von alten, dicht gewachsenen Hecken umfriedet; ein Pavillon thront so eigensinnig wie elegant im Garten. Felder führt mich in sein Arbeitszimmer, und wir plaudern uns warm. Fast beiläufig schieße ich die ersten Fotos, während er sich eine Zigarette anzündet.

 

Die Gründe, warum man zur Flinte greift, sind mannigfaltig, stellen wir fest. Es mag Ehrgeiz sein, es mag die Aura des Exklusiven sein, die vom Flintenschießen – als einst vornehmlich von der englischen Aristokratie gepflegtem Sport – ausgeht. Es mag der Reiz sein, in den schottischen Highlands am Glorious Twelfth auf Moorhühner zu jagen. Die Gründe müssen jedenfalls Gewicht haben: Man nimmt oft eine lange Anfahrt in Kauf, malträtiert beim Schießen seine Ohren und erträgt den bisweilen schmerzhaften Rücksto.. An jenen Tagen, an denen die Schrotgarben im Blauen verschwinden, kommen dann auch noch Frustrationen hinzu.

 

| Text und Fotos: Dr. Wolfgang Fleck |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2017.

 

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