Kauzige Wertarbeit

Kauzige Wertarbeit

Gudela und Markus Holthausen entwickeln, produzieren und verkaufen unter dem Label „Waldkauz“ hochwertige Jagdausrüstungen. HALALI-Autorin Annette Feldmann hat die kleine Manufaktur in Neuss besucht.

Die Marke Waldkauz ist wahrscheinlich nur entstanden, weil sich Markus Holthausen auf dem Hochsitz einmal sehr geärgert hat: Er wollte eigentlich nur sein Lockpfeifchen aus dem Rucksack holen, doch dabei fiel der ganze Inhalt mit einem lauten Scheppern auf den Boden. „Und der Fuchs war natürlich weg.“ Also konstruierte er kurzerhand eine Art Mehrzwecktasche aus robustem Gebirgsloden, in deren Taschendeckel er als Gegengewicht Schrot einnähte. Man legt das Utensil einfach über die Brüstung des Kanzelfensters, hat somit vor sich alles direkt griffbereit, und gleichzeitig dient es auch noch als Gewehrauflage.


Das war vor zehn Jahren. Markus Holthausen zeigt mir den ein bisschen schräg genähten Urtyp dieses Produkts, der immer noch seinen Platz im Ausstellungsraum hat. Daneben liegen die in Serie gegangenen Nachfolger, die bei den Kunden sehr beliebt sind und schlicht „Ansitztasche Querformat“ beziehungsweise „Ansitztasche Hochformat“ heißen. Markus Holthausen hat als Grafikdesigner in der Werbebranche gearbeitet, als er beschloss, seine selbst entwickelte Ansitztasche zu vermarkten. „Ich habe die Kosten für 30 Taschen kalkuliert und bin damit losgezogen“, erzählt der 44-Jährige. Sie kamen so gut an, dass er wiederum mehr Geld einsetzen musste als geplant. Aber das waren nur Anfangsschwierigkeiten.


Inzwischen arbeiten neun Personen in der hellen Altbau-villa mit den blanken Holzdielen und hohen Decken. Zum Team gehört auch Werner, ein freundlicher Podenco, der dank Überbiss einem Nasenbär oder einem Tapir ähnelt. „Bei uns herrscht eine tolle, familiäre Atmosphäre“, sagt Gudela Holthausen. „Und jeder bringt seine eigenen Ideen mit ein.“ Bei ihrem Mann ist es die Erfahrung aus dem kreativen Bereich, bei ihr die aus der Modebranche. Die 41-Jährige hat bei P&C gearbeitet, bevor sie ganz bei Waldkauz mit einstieg. „Irgendwann stand die Entscheidung an – Sicherheit versus Selbstständigkeit –, aber es stand außer Frage, dass wir das riskieren“, sagt sie. Außerdem sei Waldkauz kein „typisches Start-up“ gewesen, sondern man habe „gesund nebenbei > begonnen und sei beständig gewachsen“. Angefangen haben Gudela und Markus Holthausen bei sich zu Hause. „Da kam es schon mal vor, dass Kunden bei uns durch Wohnzimmer und Küche liefen, während ich dort das Baby herumtrug.“ Nach einem Umzug in ein kleines Büro in der Neusser Innenstadt fanden die beiden schließlich dieses Haus, um dort das Waldkauz-Atelier einzurichten.

 

| Fotos: Archiv Waldkauz |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2017.

 

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