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Äsungsverbesserung im Waldrevier

Viele Revierinhaber planen im Frühjahr die Anlage von Sommeräsungsflächen. Aber ist dies  überhaupt notwendig? Gehen wir einmal kritisch unser Revier durch und erkunden, wie und wo  dem Wild Äsung zur Verfügung steht.

In manchen Waldrevieren – unser Revier ist ein gutes Beispiel dafür – fällt es dem Wild selbst im Frühjahr und Sommer schwer, ausreichend Nahrung zu finden. In Absprache mit dem Grundeigentümer versuchen wir also, Flächen für die Sommeräsung zu finden. Können auf Holzlagerplätzen Einsaaten vorgenommen werden? Gibt es Waldwege, die weiter aufgelichtet und verbreitert werden können, sodass mehr Licht auf den Boden gelangt und der liebe Gott Kräuter und Sträucher wachsen lassen kann? Wie stellen sich die vorhandenen Flächen dar? Hier muss Kalk ausgebracht werden, dort stünde wieder eine Neuansaat an. Von wegen starrer Wald – alles ist im Fluss. Wir wollen nun die Äsung unseres Wildes im Wald verbessern, haben aber nur kleine Äsungsflächen zur Verfügung. Wir möchten gerne einige dieser Flächen neu anlegen, besitzen aber selbst kein landwirtschaftliches Gerät. Wir wissen zu wenig über Pflanzenarten und deren Düngung, möchten aber eine reiche Vielfalt an Pflanzen möglichst lange erhalten. Zu guter Letzt sollen die Maßnahmen auch noch kostengünstig sein. Wie sind all diese Wünsche realistisch zu verwirklichen?

Das Jagdjahr hat gerade erst begonnen, die Zeit aber scheint schon wieder dahinzufliegen. Obwohl es erst April ist, muss ich einfach einmal raus und setze mich an eine der Äsungsflächen. Nun sitze ich – wenn auch etwas klamm – frühmorgens auf meiner Ansitzleiter und lasse meinen Blick über den Grünstreifen schweifen. Dabei muss ich an den Start in diesem Revier denken. Wie hat es sich in den letzten Jahren entwickelt, wie hatten unsere Planungen vor ein paar Jahren begonnen? Es fing mit einer Bestandsaufnahme, ebenfalls im April, an. Nach der Begutachtung beschlossen wir mutig, auf diesen sehr armen, sandigen Böden eine Neuanlage von Wildäckern zu wagen. Als ein Experiment sollten unter anderem Waldstaudenroggen, (Schwarz-)Hafer sowie Buchweizen und verschiedene Kleearten eingesät werden. Eine unserer Ideen war es, Sommerwildäcker zu schaffen, um das Wild ganzjährig an das Revier zu binden, und Freiflächen anzulegen, auf denen die Tiere in Ruhe verweilen können. Wir hofften auch auf diese Weise, Rot-, Dam- und Rehwild von den Bäumen abzulenken, um Wildschäden zu minimieren.

ÄSUNGSFLÄCHEN IMMER MOSAIKARTIG VERTEILEN

Bei der Neuanlage der Äsungsflächen achteten wir darauf, sie mosaikartig über das Revier zu verteilen. Viele befinden sich in der Nähe der Wildeinstände und werden gar nicht bejagt. Hier kann das Wild in Ruhe zum Äsen austreten, ohne gleich unter Feuer zu stehen.

Zurück zu meinem morgendlichen Ansitz: Ein junger Rothirsch zieht auf den Wildacker. Ich nehme langsam das Glas hoch und sehe, dass sein Geweih sich im Schieben befindet. Ich denke gerade über den geordneten Rückzug nach, als auch noch ein kleines Damkahlwild-Rudel auf die Fläche tritt. Als der Hirsch das Haupt wieder unten hat und das Damwild von mir weg den Acker hochzieht, baume ich leise ab und pirsche zum Auto zurück.

Die Gedanken über die Wildäcker lassen mich nicht mehr los. Am Auto angekommen, suche ich aus dem Handschuhfach die Revierkarte heraus. Was können wir noch ergänzen, wo könnten wir Dauergrünland anlegen? Unser erstes Ziel haben wir erreicht: Mittlerweile sind über zwei Prozent der Revierfläche in Wildäcker oder Dauergrünland umgewandelt – Tendenz steigend. Nach nur zwei Flächen bei Übernahme des Reviers sind es inzwischen zehn Flächen. Wir hätten diese Maßnahmen zur Äsungsverbesserung niemals allein bewältigen können. Vieles wollten wir selbst machen, einfach weil wir Spaß daran haben, im eigenen Revier zu arbeiten. Gleichwohl mussten wir schließlich doch auf kompetente Hilfe zurückgreifen, da wir uns regelrecht verloren in all den Büchern und Beiträgen der Jagdfachpresse, in denen diverse Verfasser in interessanten Artikeln nur so mit Pflanzenarten, Bodentypen und Düngersorten um sich warfen. Wie sollte also der erste Schritt aussehen?

LESEN, LERNEN, LANDWIRTE

Wir halfen uns nach der umfassenden Lektüre zunächst mit der Suche nach einem geeigneten Partner. Jeder Revierinhaber ist gut beraten, sich einen „Wildackerlandwirt“ auszuspähen, der sich (alljährlich) um die Anlage und Pflege der Wildäsungsflächen kümmert. Dieser kennt dann nicht nur binnen Kurzem die Gegebenheiten vor Ort, sondern auch die Wünsche des Jagdherrn.

Absprachen erübrigen sich, lästige und immer neue Preisverhandlungen ebenso. In unserem Waldrevier kennt unser „Wildackerlandwirt“ jeden Streifen, den er einsäen soll. Im April beginnt er automatisch damit, Wildäcker, die erneut eingesät werden sollen, umzubrechen und anzulegen. Da wir mehrjährige Mischungen einsetzen, ist dies allerdings nicht auf ganzer Fläche und auch nicht jedes Jahr nötig. Im März hat er bereits die Wildwiesen gewalzt und gegebenenfalls gedüngt. Mitte des Jahres kümmert er sich – nur wenn Bedarf besteht – um Winterwildäcker. Die Pflanzenmischungen und das Düngerprofil sind bekannt, ebenso der Zeitaufwand und die Fahrtwege.

 

| TEXT: PETER BURKHARDT |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/2018.

 

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