Auch England kannte die Wilderei, wie diese Illustration aus dem 19. Jahrhundert veranschaulicht.

Auf den Bergen ist die Freiheit

Im 19. Jahrhundert war das Wildern des Bergbauern Lust und des Jägers Frust. Im Gegensatz zum Wilderer heute genoss der Wildschütz damals großes Ansehen in seiner Heimat. Seine Nachbarn verurteilten ihn nicht als Gesetzesbrecher, sondern verehrten ihn als Retter in der Not.



Im 21. Jahrhundert ist die Wilderei weder ein Kavaliersdelikt, noch findet sie irgendeine Form von Zustimmung. Sie geschieht überwiegend aus Profitgier und bringt weltweit ganze Arten bis an den Rand der Ausrottung.

 

Ganz anders verhielt es sich im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Auch wenn niemand leugnen kann, dass es die starke Jagdpassion vieler Wildschützen war, die sie auf die heimliche Pirsch schickte, geben doch zahlreiche Zeitzeugnisse als Hauptmotiv für das Jagen ohne Jagdschein die nackte Armut der Bevölkerung an. Das galt besonders für die Bauern und Waldarbeiter in den unwirtlichen Bergregionen Bayerns und Österreichs.

 

In den alten Wildererlegenden führen edelmütige, waghalsige Bergbauernsöhne und Holzknechte die Jäger an der Nase herum. Ihre Jagdbeute teilen sie mit den Ärmsten der Armen, um so deren tägliche Not zu lindern. Sie wilderten nicht, um sich die Taschen zu füllen, sondern um das blanke Überleben ihrer Familien zu sichern.

 

Warum sollten sie sich nicht am reich gedeckten Tisch der Natur bedienen, was die Menschen ja seit Anbeginn der Zeit taten? Warum hungern, wenn es in den Bergen von nahrhaftem Wild nur so wimmelte? Die Antwort darauf lag natürlich im damaligen Jagdrecht, und das stand ausschließlich dem Adel zu. Das gesamte Wild in den Wäldern und auf den Bergen gehörte dem Fürsten und durfte auch nur von ihm allein erlegt und verzehrt werden.

 

Wer sich dennoch daran vergriff, galt als Wilderer und Gesetzesbrecher. Eigentlich ein klarer Fall. Wilderer gehörten auch damals schon hinter Schloss und Riegel oder mussten unschädlich gemacht werden, wenn sie auf frischer Tat ertappt wurden.

 

| Text: Dr. Eva Dorn || Fotos: picture-alliance/akg-images | Thomas Schumann/Wolfgang Filser/SZ Photo | picture alliance/Artcolor | www.bridgemanart.com |


Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/2016.

 

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