Sind die Bedingungen günstig und die Fische auf Insektenjagd, hat der Flugangler keine Zeit zu verlieren.

Fliegenfischen

Vor 40 Jahren starb Charles C. Ritz, Revolutionär und Großmeister des Fliegenfischens. Sein berühmtes Angelbuch „Pris sur le Vif“ gilt bis heute als direktester Leitfaden zum Fisch und räumt gründlich mit dem Klischee auf, Fliegenfischen sei ein Entschleunigungssport.



Es war Ernest Hemingway, der dem zierlichen Schweizer mit bleistiftdünnem Oberlippenbärtchen die Ehrenurkunde ausstellte. An Bord seiner Motorjacht „Pilar“ notierte der Nobelpreisträger 1954 über den Weggefährten, er sei einer der besten Fischer, den er kenne.

 

Doch auch der Lorbeerkranz aus so kompetenter und prominenter Hand hätte allein kaum ausgereicht, Charles Ritz auf ewig in den Angler-Olymp zu heben. Seinen Ruhm verdankt der Sohn des Hotelmagnaten César Ritz eigenen Verdiensten. Und der größte besteht in einer Fibel für den Fliegenfischer, die das Zeug zur Bibel hat.

 

Als Charles Ritz seinen revolutionären Leitfaden zum Fischfang mit der Fliegengerte 1953 veröffentlicht, ist er bereits 62 Jahre alt und hat sich in einer Unzahl von Berufen bewährt. Ritz war Sergeant in der US-Armee (während des Ersten Weltkriegs), Kinobesitzer, Modedesigner, Immobilienmakler, Schuhverkäufer, Angelgerätefabrikant und vieles mehr.

 

Keinen der Jobs hätte der vermögende Hotelerbe zum Broterwerb nötig gehabt. Der Kosmopolit, der englisch, deutsch und französisch mit flinker Zunge parlierte, fand schlicht Vergnügen an autodidaktischer Wissensvermehrung und hegte eine ausgeprägte Abneigung gegen Müßiggang. Auch die Hotellerie beschäftigte ihn zwischendurch immer wieder, aber erst nach dem Tode der Mutter Anfang der 50er-Jahre übernahm Charles Ritz schließlich den Vorsitz der Luxushotel-Kette.

 

„Ich bin ein Mann mit dem Namen seines Vaters“, erklärte der pflichtbewusste Erbe einmal, fügte jedoch sogleich verschmitzt hinzu: „Man sagt mir, ich müsste mich vornehm benehmen, aber vornehm betrage ich mich nur, wenn ich einen zu viel getrunken habe.“

 

Den Esprit und das Augenzwinkern dieses Bonmots besitzt auch sein Buch übers Fliegenfischen. Viele Sätze perlen wie Champagner oder gurgeln fröhlich wie ein munteres Bächlein. Solche Beschwingtheit ist in der Angel- oder Jagdliteratur eine Rarität, ein Genre, das allzu oft an Pathos, elegischer Naturverklärung, biederer Besinnlichkeit und kompletter Humorlosigkeit leidet. Für Ritz besteht der Witz am Fliegenfischen schlicht in der raffinierten Überlistung der Forelle, der Äsche oder des Lachses. Moralische Rechtfertigungsversuche seiner lebenslangen Angelpassion liegen ihm fern.

 

| Text: Sven F. Goergens || Fotos: iStockphoto.com | Müller Rüschlikon |


Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2016.

 

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