Der Rest des Rudels bleibt noch länger in Sichtweite.

Jagdreise Sierra Nevada

Mit Büchse und Kamera folgt HALALI-Autor Hermann Reichl den Steinböcken der Sierra Nevada. Ein Abenteuerbericht aus dem spanischen Hochland



Nicht immer stand es gut um die Bestände des Steinwilds auf der iberischen Halbinsel. Um 1892 verschwand der portugiesische Steinbock von der Bildfläche. In Spanien sank die Populationsdichte zur gleichen Zeit auf wenige Individuen. Vor allem Wilderei durch die verarmte Landbevölkerung setzte den Tieren zu. So zählte man im Jahre 1905 nur noch etwas weniger als 100 Exemplare in ganz Spanien. Diese letzten wild lebenden Steinwildbestände konzentrierten sich hauptsächlich auf ein relativ kleines Gebiet westlich von Madrid – das Gredos-Gebirge. Rettung brachte schließlich ein spanischer Edelmann und Jäger, der beim damaligen König Alfonso XIII. vorsprach.

 

Er unterbreitete dem Regenten den Vorschlag, man möge dieses Gebiet zum königlichen Hofjagdgebiet erklären und damit die Steinwildbestände unter die Obhut der Krone stellen. Von da an mussten Wilderer mit harter Strafe rechnen. Dank weitsichtiger Hege erholten sich die Bestände rascher, als man es für möglich gehalten hatte. Bereits im Jahre 1910 war der Bestand wieder auf etwa 300 Tiere angestiegen. Man begann daraufhin, Umsiedelungen vorzunehmen, weshalb sich im Laufe der Jahrzehnte die Populationen weiter erholten und verbreiteten. Heute dürfte der Gesamtbestand an spanischem Steinwild zwischen 50.000 und 60.000 Exemplaren betragen. Die königlichen Jagdreviere liegen übrigens noch immer im Gredos-Gebirge.

 

Man spricht beim spanischen Steinwild von vier Unterarten: dem Gredos-Steinbock aus dem gleichnamigen Gebirgszug westlich von Madrid, dem Beceite-Steinbock weiter östlich in der Nähe von Valencia und den beiden südlichen Arten, dem Ronda- und dem Sierra-Nevada-Steinbock. Auch diese beiden Ibices wurden nach ihrem Lebensraum benannt, dem Ronda-Gebirge und der Sierra Nevada.

 

Für eine Art kam allerdings jede Hilfe zu spät: Der Pyrenäen-Steinbock, der den Gebirgszug zwischen Spanien und Frankreich bewohnte, starb um die Jahrtausendwende trotz massiver Schutzmaßnahmen aus. Eine alte Steingeiß, die letzte ihrer Art, wurde verendet aufgefunden. Man entnahm dieser Geiß DNA-Proben, und inzwischen gab es sogar Versuche, die Art durch Klonen wieder zum Leben zu erwecken. Diese Bestrebungen blieben aber bislang erfolglos.

 

Die Pirsch beginnt
Im Schritttempo steuert Manolo den Landrover über eine Buckelpiste, die die Bezeichnung Straße nicht verdient. Manolo ist der Besitzer dieser Finca in der Sierra Nevada. Der Begriff „Finca“ ist in Spanien sehr dehnbar. Das kann ein kleines, schmuckes Haus mit ein paar Hundert Quadratmeter Grund sein. Es kann sich aber auch um ein riesiges Areal wie jenes von Manolo handeln. Manolo ist Herr über mehr als 2.500 Hektar karges Bergland. Wenige Bäume, aber viele Büsche und Stechginster überziehen die Hänge. Und das Gebiet beherbergt ein ganz besonderes Juwel: einen hervorragenden Bestand an Steinwild, mit einem hohen Anteil an alten, reifen Böcken. Schwarzwild kommt ebenfalls vor, auch der Bestand an iberischem Rotwild, im Aussehen etwa mit den Berghirschen Österreichs und Südtirols vergleichbar, ist erwähnenswert. Rehwild spielt noch eine untergeordnete Rolle, doch beginnt es sich, wie Manolo berichtet, allmählich auszu- breiten.

 

| Text und Fotos: Hermann Reichl |


Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2017.

 

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