Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen zur Verzierung von Bierkrugdeckeln jagdliche Motive in Mode.

Jagdkultur Bierkrugdeckel

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen zur Verzierung von Bierkrugdeckeln jagdliche Motive in Mode. Die trinkfesten Stammtischler schätzten besonders satirische Darstellungen glückloser Waidmänner. Eine kleine Kulturgeschichte origineller Handwerkskunst.



Bayern war im 13. und 14. Jahrhundert in zwei, später in vier Teilherzogtümer aufgeteilt, da das Erbrecht nicht allein dem Erstgeborenen zustand. Dies führte zum Landshuter Erbfolgekrieg von 1504/1505.

 

Nach Ende des Erbfolgekrieges wurde es notwendig, verschiedene Landrechte der Teilherzogtümer einander anzugleichen. Ritterschaft und Landadel kamen deshalb in Ingolstadt zusammen. Die nun gemeinsam herrschenden Herzöge Ludwig X. und Wilhelm IV. erließen am 23. April 1516 eine bayernweite Landesordnung.

 

Die meisten der damals erlassenen Gesetze sind längst außer Kraft und lediglich Historikern, die sich mit der Geschichte des Freistaats beschäftigen, bekannt. Nur ein Artikel hat bis heute seine Aktualität bewahrt: das sogenannte Reinheitsgebot. In dieser Verordnung legten die beiden Herzöge fest, dass nur Hopfen, Malz und Wasser zum Bierbrauen verwendet werden dürfe. Die Regelung hatte handfeste Gründe, denn im Mittelalter schreckten die Brauer nicht davor zurück, Bier sogar mit giftigen Zutaten wie Tollkirsche, Ochsengalle, Bilsenkraut, Johanniskraut, Fliegenpilz oder Pech zu versetzen. Weizen war damals keine übliche Zutat, da man ihn bevorzugt für das Brotbacken brauchte. Zum Bierbrauen verwendete man Gerste.

 

Das Reinheitsgebot gilt allerdings nicht als das erste Lebensmittelgesetz der Welt. Noch im 16. Jahrhundert ließ man allerdings Wacholder, Kümmel, Lorbeer, Salz und sogar Weizen für die Bierherstellung zu. Gott sei Dank, was den Weizen angeht, denn wer möchte schon auf ein erfrischendes Weizenbier verzichten? In den Jahren 1861 und 1865 beschränkte man die Bierzutaten gesetzlich wieder auf Gerste, Hopfen und Wasser.

 

Erst in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts taucht der Begriff „Reinheitsgebot“ dann wieder in Bayern auf. Der Bayerische Brauerbund wollte damit die Einfuhr zuckerhaltiger Biere aus anderen Bundesländern verhindern.

 

Das bayerische Reinheitsgebot machte offensichtlich bundesweit Eindruck, denn bald darauf wurde aus dem Begriff "bayerisches Reinheitsgebot" das "deutsche Reinheitsgebot". Mit dem damals in Ingolstadt beschlossenen Gebot, mit welchen Zutaten Bier zu brauen sei, schufen die beiden Herzöge eine Vorschrift, die das Brauwesen bis heute nachhaltig prägt und als weltweites Gütesiegel für tadellose Qualität und hervorragenden Geschmack gilt.

 

| Text: Hans-Peter Schmitt || Fotos: Stadt Ingolstadt | Hans-Peter Schmitt |


Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2017.

 

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