Er verleiht „seinen“ Tieren eine majestätische Würde, die auf genauer Beobachtung basiert.

American Hunters auf Motivjagd

Wahrhaftige Wildlife Art ist keine harmlos-hübsche Dekoration für Hotellobbys, sondern eindringliche Kunst mit fast erschütternder Nähe zu Natur und Kreatur. HALALI-Autorin Katja Nele Bode entführt Sie in die meisterhafte Bilderwelt US-amerikanischer Tiermaler.



Mit "Zuckerärschen" hat der Maler Chet Reneson nichts am Hut. Damit meint er wenig jagderprobte Touristen, die in der Hochsaison in die Marschlandschaften Connecticuts einfallen, um sich aus Spiel und Zeitvertreib an der Entenjagd gütlich zu tun. Wenn es hier überfüllt und trubelig ist, bleibt der alte Mann, Jahrgang 1934, dem sinnentleerten Zirkus fern. Und kommt lieber im Dezember wieder, wenn "die Eiswinde von der Arktis den Schnee rüberfegen".

 

Das Ende der Saison, das sei "an Schönheit fast nicht zu übertreffen". Reneson ist Jäger, Fliegenfischer und Künstler. Hager, zäh, eisern. Letzteres auch in seiner tiefen Liebe für die Natur, ihre Wildheit, aber auch im Ringen mit ihr. Er wuchs auf einer kleinen Farm in Connecticut auf, als die Große Depression in Amerika zu Ende ging. Schon als kleiner Junge baute er Boote, Lockvögel und fertigte seine eigenen Fliegenruten. Mit neun fing er an zu zeichnen: Hirsche, wilde Vögel, Lachsfang, Landschaften, Füchse auf Fasanenjagd.

 

Später an der Kunstschule war sein Lehrer unerbittlich: "Er brachte mir bei, fast schon brutal in der Vereinfachung zu sein." Kein Zuviel, kein Kitsch, kein falsches Pathos. "Bis heute habe ich das Gefühl, der alte Haudegen schaut mir über die Schulter, wenn ich ein neues Bild anfange", beschreibt Reneson den immer noch starken Impetus seines Lehrmeisters. Jener machte ihn letztlich zu einem der meistgeschätzten Aquarellisten von Natur- und Jagdszenen in den USA. Ein paar Dollar hatte er anfangs in der Tasche, versuchte sich in New York als Tierillustrator und bat seine Frau, eine Krankenschwester, an ihn zu glauben. Sein erstes Bild verkaufte der große Anhänger von Paul Cézanne, Edward Hopper und Vincent van Gogh im Jahr 1966. Aber auch ohne diese erste Ermutigung hätte er nicht aufgehört, Licht und Schatten, wildes Leben und stille Gegend so gleichermaßen pur wie auch fein leuchtend zu kolorieren.

 

In Renesons Bildern mischt sich fast geheimnisvoll Zartheit mit Wucht. Sie sind flirrend bis düster und dabei immer von bestechender Klarheit. Aufgepeitschte Flüsse, fliegende Vögel, schimmernde Horizonte, dramatische Wolken – alles wirkt in den starken Farben des leidenschaftlichen Flinten- und Pinselschwingers nah und luzid. "Herbstlaub und neblige Sümpfe, erste Schneeflocken und Windböen – man glaubt das alles tatsächlich zu spüren, wenn man Chets dramatische Aquarelle anschaut. Manchmal fängt man bei einer herbstlichen Fluss-Szene fast an zu zittern und möchte sich sofort an einem Lagerfeuer wärmen", schrieb einmal ein Kritiker über den ebenso poetischen wie eingefleischten Jäger, der von sich selbst sagt: "Ich male aus meinem Herzen, aus meiner Seele. Für etwas anderes habe ich keine Zeit."

 

So sind die Motive des Malers, der mit seiner Frau Penny in einem alten Kolonialhaus in Connecticut lebt, auch nie selbstherrliche, vergnügte Jagdszenen, sondern berührende Tableaus, die den Tieren ihre Würde lassen, der Natur ihre Unbeherrschtheit und die die beteiligten Personen (eine Spezialität von Reneson) nie wirklich in den Vordergrund rücken.

 

| Text: Katja Nele Bode || Fotos: National Museum of Wildlife Art |


Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/2017.

 

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