Gefahr aus dem Wasser

Gefahr aus dem Wasser

Eingesetzt, eingeschleppt, eingewandert: Immer mehr gebietsfremde Fischarten krempeln unsere aquatischen Lebensräume um. Manche der schwimmenden Neozoen haben allerdings einflussreiche Freunde.

Nicht alles vom Menschen Ersonnene empfiehlt sich auch zur Ausführung. Was anfangs eine kluge Unternehmung zu sein scheint, gerät mitunter rasch außer Kontrolle und zum Schlamassel mit Kettenreaktion. Das erfährt Goethes übereifriger Zauberlehrling, dem das Wasser bis zum Hals steht, weil er die Geister, die er rief, nicht wieder loswird. An die weltberühmte Ballade von 1797 erinnert ein aktuelles Problem, das sich ebenfalls der Mensch selbst geschaffen hat: die Einschleppung gebietsfremder Arten und die negativen Folgen für unseren Lebensraum.

 

Spätestens in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erkannte die Wissenschaft das wachsende Gefahrenpotenzial von Lebewesen, die Ökosysteme erobern, in denen sie bisher nicht vorkamen. So heißt es warnend in einer Studie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) über gebietsfremde Arten: „Biologische Invasionen gelten als eines der wichtigsten Umweltprobleme unserer Zeit.“ Nach neueren Schätzungen leben in Deutschland mittlerweile über 1100 Arten, die nicht einheimisch sind (siehe dazu auch den Artikel „Invasion der Exoten“ in HALALI 01/2014, Seite 10 ff.), darunter über 50 Fischarten. Weil der aquatische Lebensraum noch sensibler auf Veränderungen reagiert als der terrestrische, beobachten Wissenschaftler die Ausbreitung solcher Wasserbewohner mit großer Sorge.

 

Dabei ist hierzulande die Lage noch nicht so alarmierend wie beispielsweise in Nordamerika: Dort gilt es als sicher, dass seit 1890 27 einheimische Fischarten durch das Ausbringen gebietsfremder Arten verschwunden sind. Ihr Vorkommen ist irreversibel ausgelöscht. In Deutschland lässt sich bislang nur die Auslöschung einer einzigen Fischart eindeutig auf die Verdrängung durch angesiedelte Konkurrenzarten zurückführen: Der Bodensee-Tiefensaibling, Salvelinus profundus, existiert nicht mehr.

 

Um solchen Verlusten in unseren Gewässern in Zukunft vorzubeugen, haben die Behörden in Zusammenarbeit mit den zuständigen wissenschaftlichen Fachgebieten auch für die aquatischen Habitate eine sogenannte „Schwarze Liste“ erarbeitet. Manche der Bewertungskriterien, die über die Aufnahme von gebietsfremden Fischen in diese Schädlingskartei entscheiden, sind allerdings strittig. Einig ist man sich immerhin weitgehend in der Definition der sogenannten „Invasivität“: Demnach gelten gebietsfremde Fische als invasiv, wenn sie in ihrem neuen Areal die Biodiversität, also die Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Genen, gefährden. In diesem Falle besteht zumindest aus Sicht des Naturschutzes Handlungsbedarf.

 

| Text: Sven F. Goergens | Fotos: iStockphoto.com | Lubomir Hlasek | Auscape/UIG/AGE/www.premium.de | Hartmut Herzog www.hhherzog.de |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2017.
 

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