Leidenschaft in Leder

Leidenschaft in Leder

Weit im Osten Oberbayerns, im Rupertiwinkel, und kurz vor der österreichischen Grenze liegt das Dorf Kirchanschöring. Den Ort kennen nur wenige, aber den Namen viele: Meindl. HALALI-Autor Bertram Graf von Quadt war dort, um mehr über den Mann und das Handwerk hinter der Lederbekleidungsmarke zu erfahren.

Der Name „Meindl“ ist alt am Ort, älter als 300 Jahre. Petrus Meindl war der erste Schuster, der in den Aufzeichnungen steht, 1683 ist er urkundlich in Kirchanschöring erwähnt. Seitdem ist keine Generation vergangen, in der nicht ein Meindl als Schuhmacher hier beurkundet gewesen wäre. Das Familienunternehmen Meindl, wie man es heute kennt, feiert demnächst seinen Neunzigsten: Gegründet durch Lukas Meindl, 1928. Er beginnt 1934 mit der Herstellung von Lederbekleidung, von der ortstypischen Lederhose bis hin zu Motorradjacken. Sein Sohn Hannes lernt neben Schuhmacher auch Schneider. 2001 wird das Familienunternehmen aufgeteilt: Schuhe und Lederbekleidung. Letzteren Bereich übernehmen Hannes und Sohn Markus. Auch er ist gelernter Schneider. Und auch wenn der klassische Lederhosenmacher sich nach Berufsbezeichnung „Säckler“ nennt, legt Markus Meindl Wert darauf, dass er eben kein Säckler ist. Er ist Schneider.

„Ich bin schon als Bub in der Werkstatt herumgegeistert, hab dort das Werkzeug verzogen, die Messer verschlampt, die Nähmaschinen ruiniert.“ Ein Federmäppchen kam dabei heraus, ein Armband. Mit 13 näht er sich seine erste Jacke selbst, aus Jeansstoff und mit gefüttert. Zwei Jahre später macht er sich eine aus Hirschleder, auf der > Sportartikelmesse in München bietet ihm jemand 2 500 Mark dafür. Er verkauft nicht, instinktiv. Kurz darauf, auf der gleichen Messe, bestellt der Einkäufer eines großen Münchner Bekleidungshauses 60 dieser Jacken. „Seitdem vertraue ich meinem Instinkt, und das geht meistens gut.“

Der Instinkt hat Markus Meindl über die Jacken und Hosen weit hinausgeführt. Im Regal des Empfangsraums stehen Sneaker aus sämisch gegerbtem Hirschleder, ein großes Sofa steht da, zwei Mariposa Chairs, auch die Stühle am langen, aus einem Baumstamm geschnittenen Konferenztisch sind mit dem Material be-zogen. Die Möbel werden im eigenen Betrieb gebaut, der auch Polsterer und Tischler beschäftigt. Neben dem Unternehmen in Kirchanschöring betreibt Meindl auch noch Lohnfertigungen in Ungarn, Bosnien, Kroatien und Tschechien. Motorradkleidung stellt das Haus ebenfalls her, für einen großen deutschen Zweiradhersteller. „Wir haben eigentlich alles in der Familie, was man zum Know-how braucht: Jäger, Motorradfahrer, Reiter, Rosszüchter. Und dieses technische Know-how verbinden wir mit Handwerk.“

Die große Menge Handwerk, die in den Meindl-Kreationen steckt, erklärt auch den Preis. Wer eben mal eine Kurzlederne für den Wiesn-Besuch braucht, kann sich so ein Ding aus Spaltleder für keine 200 Euro irgendwo kaufen, das Internet ist spätestens ab Mitte des Sommers voll davon. Auf der Haut fühlt sich so ein Gegenstand freilich wenig schön an, aber das merkt der Träger möglicherweise nicht mehr, wenn er im Festzeltnebel nach der dritten Maß unter den Tisch reihert, während die Blaskapelle zum zigsten Mal den gleichen Gassenhauer drischt und die Massen, laut „Hey Baby!“ gröhlend, auf den Tischen tanzen. Solche Einweg-Lederhosen stellt Markus Meindl nicht her. Die Sachen werden von Hand gefertigt und bestickt, das Design kommt von Markus Meindl selbst, die Lederhosen zeichnet Vater Hannes Meindl mit großer Leidenschaft. Kein Stück verlässt das Haus, ohne dass er sich eingehend damit auseinandergesetzt oder es selbst getestet hat. Beispiel Kurzlederne: Anständige Hosen beginnen bei um die 1 000 Euro, je nach Auszier, also Stickerei, können daraus auch 2 500 und mehr Euro werden. Gemessen daran, wie viele Jahre man eine solche Hose trägt, ist das nicht teuer, eher im Gegenteil.

 

| Fotos: Archiv Meindl | Bertram Graf von Quadt |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2017.
 

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