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Alles für die Breitmaulnashörner

HALALI-Autor Dr. Werner d’Oleire- Oltmanns hat in Südafrika auf einer Farm ausgeholfen, auf der Breitmaulnashörner gezüchtet werden. Sie müssen besonders geschützt werden, weil Wilderer es auf das Horn der Tiere abgesehen haben, das auf dem Schwarzmarkt als besonders wertvoll gilt.

Der Wecker klingelt – es ist 4.45 Uhr im südafrikanischen Winter. Aufstehen … zur Patrouille. Die Sterne funkeln, die Farm liegt ruhig da in Zululand. Der Land Cruiser mault etwas beim Starten, er ist noch unterkühlt. Los geht’s in die tiefe Nacht. Das Motorengeräusch und das Licht der Scheinwerfer sind meine „Waffen“. Am Morgen und am Abend fahre ich eine lange Patrouille. Mögliche Wilderer sollen schon beim Auskundschaften der Farm merken, dass hier aufgepasst wird.

Auf den 11 000 Hektar Farmfläche haben wir eine gute Zuchtgruppe von Breitmaulnashörnern. Da das Horn der Tiere auf dem Schwarzmarkt einen immensen Wert darstellt, hat die Wilderei in den letzten Jahren enorm zugenommen. Ohne intensiven Schutz haben die Nashornbestände keine Überlebenschance. Neben meiner Person, die mit regelmäßigen Patrouillefahrten, zusätzlich zu weiteren Aktivitäten, zum Schutz der Nashörner beiträgt, sind noch weitere Personen mit dem Schutz der Tiere beauftragt.

Weltweit sind alle Nashornarten akut vom Aussterben bedroht. Sudan, der letzte Breitmaulnashornbulle der nördlichen Unterart, ist im Frühjahr dieses Jahres gestorben. Das südafrikanische Breitmaulnashorn ist mit letzter Anstrengung vor der Ausrottung gerettet worden. In dem Schutzgebiet Hluhluwe-iMfolozi in der Provinz KwaZulu-Natal, Südafrika, gab es die letzten Exemplare. Die Zählung im Jahr 1953 ergab 437 Tiere. Dr. Ian Player leitete das dortige Schutzprogramm. Die Bestände wuchsen, Tiere wurden an private Partner verkauft. So etwas kostet neben viel Mühe auch viel Geld.

Zudem ist es wie bei jeder Zucht: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem das eigene Gelände von der Größe her nicht mehr ausreicht. Dies kann verschiedene Gründe haben. Wenn die Zahl der Tiere steigt, reicht irgendwann auch das Futter nicht mehr aus. Ein weiterer Grund: Die Nashornbullen sind territorial. Wächst ein junger Bulle heran, kommt es irgendwann zu Auseinandersetzungen mit dem „Boss“.

Alles kein Problem, könnte man denken, dann muss sich der junge Nashornbulle eben ein neues Gebiet suchen. Wenn das so einfach wäre! Auch das große Südafrika ist heute so dicht besiedelt, dass es in vielen Gegenden sofort zu Konflikten mit der Landbevölkerung kommen würde. Zudem spielt ein noch ganz anderer Faktor eine große Rolle: die tierärztlichen Vorschriften für die Haltung von Haus- und Wildtieren.

Im 19. Jahrhundert kam es in Afrika zu extremen Seuchenzügen, die einen großen Teil der Haustier- und Wildtierbestände dahinrafften. In der Folge wurden zum Teil sehr strenge Vorschriften erlassen. Zudem hielten die Viehzüchter ihre Farmen möglichst wildfrei. Dadurch kam es zu einem gewaltigen Rückgang der Wildbestände.

In den 50er-Jahren hatten einige Farmer in Zimbabwe (damals Südrhodesien) die Idee, Wildtiere statt Vieh auf ihren Flächen zu halten. Auf einigen Farmen wurde dieses Vorhaben zu Testzwecken mit Genehmigung der Behörden umgesetzt. Nun bedurfte es dazu jedoch auch einiger rechtlicher Voraussetzungen, zum einen aus Sicht der Veterinärmedizin, und zum anderen ging es um die Besitzverhältnisse – wem sollte das Wild gehören? Vereinfacht sah die Lösung folgendermaßen aus: Wild, das auf wilddicht gezäunten Flächen gehalten wird, gehört dem Landbesitzer. Auf dieser Rechtsgrundlage sind daraufhin die Wildfarmen entstanden.

Zurück zu unserem jungen Bullen. Wenn der Bestand auf der Farm zu hoch wird, müssen Tiere, wie in der Landwirtschaft, die Farm verlassen. Es gibt vier Möglichkeiten: Das Tier wird verkauft, es kämpft mit dem dominanten Alpha-Bullen des Territoriums bis zum Tod, es wird gejagt oder gewildert. Aufgrund dieser Gegebenheiten gibt es keine andere Lösung als den Verkauf der Tiere. Dies war auch Dr. Ian Player von Anfang an klar. Er verkaufte also seine überzähligen Tiere an Farmer, die ihrerseits den Bestand ebenfalls aufstocken wollten. Im Zuge dessen wurden nach einiger Zeit einzelne Tiere zum Abschuss freigegeben. Mit den Einnahmen aus diesen Jagden wurden die Kosten für den Aufbau der Bestände aufgestockt.

Heute befinden wir uns in einer auf den ersten Blick positiven Situation, es gibt wieder etwa 22 000 südliche Breitmaulnashörner. Jedoch werden pro Jahr ungefähr 1 200 Tiere gewildert. Das bedeutet, die Art ist aktuell weiterhin hochgradig gefährdet, und daraus resultiert der hohe Aufwand für ihren Schutz.

Auf der Morgenpatrouille erlebe ich regelmäßig das Erwachen der Natur. Erst verschwindet die Milchstraße, der Horizont im Osten wird langsam heller, noch leuchtet der Morgenstern, manchmal sogar im Wettstreit mit dem Mond. Konturen werden sichtbar, es wird Tag. Stets sehe ich auf diesen Fahrten Wild. Dann bleibe ich stehen, lausche und schaue. Eine wichtige Tätigkeit, für den Fall, dass ein Schuss fällt. Es ist zum Glück in den drei Monaten, in denen ich hier bin, nie zu einer ernsten Situation gekommen. Aber es sind Schüsse gefallen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Denn meine aktive Zeit auf der Farm liegt im Wesentlichen außerhalb der Zeit, in der die Jagdgäste unterwegs sind.

| Fotos: Dr. Werner d’Oleire-Oltmanns |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2018.

 

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