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Der freche Fuchs und das Jägerkind

Beim Thema „Jagd und Kind“ gehen die Meinungen in der Öffentlichkeit stark auseinander. Doch warum nicht einfach die fragen, um die es tatsächlich geht? Wie fühlt sich ein Kind, das in einer Jägerfamilie aufwächst? Die Fotografin Inga Haase hat dazu ein Gespräch mit der siebenjährigen Hedi geführt.

Hedi ist ein ganz normales Mädchen. Sie fährt nach der Schule gern Fahrrad, geht zum Reitunterricht und trifft sich mit Freunden zum Spielen. Ab und zu begleitet sie ihren Vater ins Revier. Seit ihrem zweiten Lebensjahr sind die beiden gemeinsam in Wald und Flur unterwegs.

Die ersten Jahre haben sie vor allem die Kirrungen bestückt, Fährten gelesen, die Aufnahmen der Wildkameras bestaunt und vom Hochsitz aus das Wild mit dem Fernglas beobachtet. Mit fünf Jahren war sie das erste Mal dabei, als ihr Vater einen kranken Rehbock erlegte. Doch wie genau denkt Hedi über das, was sie jede Woche mit ihrem Papa erlebt?

Hedi, dein Papa ist Jäger. Was macht ihr bei eurer Revierrunde?
Oft gucken wir uns Fährten an und schauen, wer letzte Nacht dort gewesen ist. Manchmal sind die Tiere dann auch auf der Kamera. Heute haben wir zum Beispiel einen Fuchs gesehen. Das sind meine Lieblingstiere. Und die Wildschweine füttern wir mit Mais, nur das Damwild mag noch Kastanien. Die sammeln wir dann im Herbst und bringen sie ihnen. Manchmal sitzen wir auch auf der Leiter und gucken, wo wir Rehe sehen können.

Ich darf dann mit dem Fernglas schauen und raten, ob sie jung oder alt sind oder vielleicht auch krank. Dann schießt Papa auch mal ein Wildschwein oder einen Waschbären. Mama ist auch ab und zu dabei, dann esse ich mit ihr Stulle oder Gummibärchen. Wir erzählen dann ein bisschen – aber leise, sonst guckt Papa böse. Wir schauen auch öfter ein Buch an oder sagen Papa, wo die Schweine entlanggelaufen sind. Manchmal ist es schwierig für mich, wenn ich auf der Leiter mal pullern muss, weil ich ja nicht ins Revier pullern darf. Das muss ich dann zu Hause machen. Und wir waren auch schon mal Fallen aufstellen für die Waschbären und Marderhunde. Die fressen die kleinen Vogeleier, und das dürfen sie nicht.

Was war dein aufregendstes Erlebnis auf der Jagd? Aufregend ist es, wenn Mama und ich mit rausmüssen, um Wildschweine mit zum Auto zu bringen, die Papa geschossen hat. Dann ist es manchmal dunkel, aber Angst habe ich keine. Und Hannelore. Hannelore ist ein Frischling, den wir großgezogen haben. Die Mama wurde von einem Auto überfahren, und Hannelore hatte keine Familie mehr. Ein Mann hat sie uns gebracht, und wir haben sie mit der Flasche gefüttert. Dabei ist sie oft eingeschlafen, das war immer lustig. Einmal hat sie mich gebissen, was ganz schön wehgetan hat. Und wir haben einen kleinen Kauz gerettet. Der war auch niedlich. Aber als er größer war, musste er wieder in den Wald. Er ist ja kein Haustier.

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2018.

 

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