kuenstlerportraet 06

Feder führend

Die britische Künstlerin Clare Brownlow zeichnet am liebsten mit Fasanenfedern. HALALI-Autorin Annette Feldmann hat mit ihr darüber gesprochen, wie sie zu diesem Zeichenutensil gekommen ist und wie sie am liebsten arbeitet.

Ihr Markenzeichen hat Clare Brownlow einem Zufall zu verdanken. Sie war zu Besuch bei ihren Eltern in Norfolk, saß dort in der Küche und griff nach einer der Fasanenfedern, die zufällig noch auf dem Tisch lagen, weil ihr Vater gerade von einer Jagd zurückgekommen war. „Ich habe die Feder in Tinte getaucht und angefangen, damit ein bisschen herumzukritzeln und zu skizzieren“, sagt Clare Brownlow. Was da vor ihr auf dem Papier entstand, gefiel ihr sofort. „Die Federn sind innen hohl, die Tinte steigt ein bisschen hoch, und wenn die Spitze auf das Papier auftrifft, entstehen kleine Spritzer – das verleiht den Tieren Dynamik“, erklärt sie. Sie packte ein paar der Federn ein und versuchte sich in dieser Facette der Malerei zu Hause im schottischen Denholm, wo sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen lebt. „Ich habe unsere Hühner gemalt, den Hund von Freunden und habe das dann immer mehr ausgeweitet.“ Die „Fasanenfederkunst“ kam sehr gut an, und so entwickelte Clare Brownlow, die bis dahin „hauptsächlich Landschaften und Meermotive in Öl auf Leinwand“ gemalt hatte, ihr Spektrum weiter.

 

JÄGERIN UND ANGLERIN

Brownlow arbeitet hauptberuflich als Künstlerin und hat nach der Schule das Edinburgh College of Art und die Leith School of Art besucht. „Ich habe schon als kleines Mädchen viel gezeichnet und gemalt und war auf alle Materialienneugierig“, erzählt die 35-Jährige. Von klein auf war sie nicht nur kunstbegeistert, sondern hat schon damals ihren Vater auf die Jagd begleitet und war am liebsten draußen unterwegs. „Ich bin selbst Jägerin, gehe vorzugsweise auf Fasanen- und Grousejagd und angle auch gern. Schon immer bin ich mit auf die Pirsch gegangen, und zu meinem 13. Geburtstag habe ich mein erstes Jagdgewehr geschenkt bekommen“, sagt Clare Brownlow.

 

So ist es nicht verwunderlich, dass Wildtiere zu ihren Hauptmotiven zählen. Genauso wenig verwundert es, dass Fasane ihre Lieblingstiere sind und sich immer wieder auf ihren Leinwänden, Künstlerpapieren und ihren Skizzenbüchern finden. „Ich liebe ihr schillerndes Federkleid und dass sie immer anders aussehen“, schwärmt Brownlow. „Und ich mag sie natürlich, weil ich mit ihnen ja sozusagen mein tägliches Brot verdiene.“ Doch nicht nur Fasane und anderes Niederwild, sondern auch Gartenvögel und ganz besonders Hummeln haben es ihr angetan. Für ihre Arbeit verlässt die Künstlerin gern auch mal die Insel: „Ich war zuletzt in Kenia und konnte dort hautnah Wildtiere beobachten, das war eine unglaubliche Erfahrung“, sagt Brownlow, die demnächst eine Ausstellung mit afrikanischen Wildtieren zeigt. „Ich möchte versuchen, jedes Jahr in ein anderes Land zu reisen, Tiere zu porträtieren und dazu eine Ausstellung zu machen“, sagt sie.

 

Ihr Atelier hat sich Clare Brownlow in einem kleinen Gartenhäuschen eingerichtet, doch am liebsten arbeitet sie draußen. „Als ich in Kenia war, hat man mir extra einen Tisch gebracht, und ich konnte daran ganz in Ruhe und aus einer Entfernung von nur 100 Yards [ca. 90 Meter – Anm. d. Red.] einen Elefanten beobachten und zeichnen.“ Generell sei es jedoch ein bisschen schwierig, draußen zu arbeiten, weil der Wind oft ihre Arbeitsmaterialien – die Fasanenfedern und Papiere – fortweht.

 

| Fotos: Clare Brownlow |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2019.

 

  • kuenstlerportraet_01
  • kuenstlerportraet_02
  • kuenstlerportraet_03
  • kuenstlerportraet_04
  • kuenstlerportraet_05
  • kuenstlerportraet_06
  • kuenstlerportraet_07

Simple Image Gallery Extended