Der Neuntöter liebt die Agrarlandschaft – solange sie voller Hecken ist.

Auf Feld und Weide

Bis vor noch gar nicht langer Zeit boten unsere Agrarlandschaften vielen heimischen Tier- und Pflanzenarten einen auskömmlichen Lebensraum. Erst mit dem Beginn der Flurbereinigung und dem landwirtschaftlichen Strukturwandel in den 50er-Jahren ging die Artenvielfalt rapide zurück.
Teil 6 der HALALI-Serie über heimische Wunderwelten

Wenn der Tütenwölup die Bühne betritt, ist ihm Aufmerksamkeit sicher. Tütenwölup oder Tutwelp – so nannten die Menschen im Nordwesten Deutschlands einst in plattdeutscher Mundart den Brachvogel, jenes stimmgewaltige Charaktertier der großen Feuchtwiesen und Agrarlandschaften, das mit seinem wehmütig getrillerten „kuri li“ Jahr für Jahr den Frühling einläutet.

 

Auch wenn sich die Artenvielfalt der Agrarlandschaften nicht unbedingt sofort erschließt und ihr Anblick den Naturfreund bei Weitem nicht so entzückt wie der einer blühenden Heide oder der eines Buchenwaldes, lohnt es sich, die Augen offen zu halten. Wer genau hinsieht, entdeckt sie, die akrobatisch sturzfliegenden Kiebitze, Haken schlagenden Hasen oder Kräuter äsenden Rehe am Wegesrand. Stolz schreitet der Weißstorch auf Mäuse- und Froschjagd über gemähte Wiesen und klappert auf den Haudächern in seinem Dorf.

 

Und es gibt weitere Gäste, die die Agrarlandschaft vor allem im Winter nutzen: Sing- und Zwergschwäne aus Sibirien und Nordskandinavien verbringen regelmäßig zu Tausenden die kalte Jahreszeit in Deutschland und bereichern die Maisstoppel- und Kartoffeläcker mit ihren Begrüßungs- und Triumphrufen. Hier finden sie ausreichend Winterfutter. Auch Grau-, Bläss- und Saatgänse bieten Winter für Winter ein faszinierendes Schauspiel, dazu die Kraniche, die vom ansonsten für die Natur eher schädlichen intensiven Maisanbau und seinen Futterresten profitieren wie kaum eine andere einst fast ausgestorbene Vogelart.

 

Im Sommer trifft man in manch einem Getreideschlag auf Wiesenweihen, die hier ihre Jungen großziehen. Hier ist auch bisweilen der Wachtelschlag zu vernehmen – also das prägnante „pick-werwick“ dieses kleinsten einheimischen Hühnervogels. Das Rotwild wagt sich als eigentlicher Steppenbewohner aufgrund von Jagddruck und zunehmender Beunruhigung nur noch selten in offene Landschaften, aber eigentlich sind sie sein angestammtes Revier und nicht der Wald.

 

| Text: Tobias Böckermann || Fotos: Willi Rolfes |

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2015.

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