Manchen Schmetterlingsarten dient der Rainfarn als Futterpflanze.

Pflanzenporträt Rainfarn

Der Rainfarn richtet seine Blätter senkrecht und in Nord-Süd-Richtung aus, was bewirkt, dass das gleißende Licht der Mittagssonne nur die Blattkanten trifft. Er gehört damit zu den Kompasspflanzen, die sich auf diese Weise vor allzu intensiver Sonneneinstrahlung schützen.

Mit dem Farn, der bevorzugt an feuchten und schattigen Plätzen im Wald wächst, ist der Rainfarn nicht verwandt. Es ist wohl die Ähnlichkeit seiner langen, gefiederten Blätter mit denen des Waldbewohners, die zum irreführenden Namen führte. Das Wort „Rain“ bezieht sich auf einen der bevorzugten Standorte der Pflanze – den Rain, was Feld- oder Ackerrand bedeutet.

 

Die lateinische Bezeichnung „Tanacetum“ leitet sich vom griechischen Wort „athanatos“ für „unsterblich“ ab. Vielleicht trägt der Rainfarn diesen botanischen Namen, weil er recht anspruchslos ist, sich schnell verbreitet und sich auch im getrockneten Zustand lange hält. Außerdem berichten manche Quellen, dass die Pflanze im alten Ägypten dazu benutzt wurde, Mumien einzubalsamieren.

 

Die volkstümlichen Namen des Rainfarns lauten Reinefart, Reinersköppe oder auch Drusenkrud, Päresaat oder Wurmkraut. Denn früher galt Rainfarn als Heilmittel erster Wahl bei Wurmbefall – sowohl für Menschen als auch für Tiere. Es bestand jedoch das Risiko, sich bei einer Behandlung zu vergiften. Die Pflanze enthält ätherische Öle, unter anderem Kampfer und Thujon. Letzteres ist ein Nervengift, das Krämpfe, Wahnvorstellungen, Schwindel und Erbrechen auslösen und zu Kreislauf- und Atemstillstand führen kann. Für Tiere ist der Rainfarn ebenfalls giftig. Er kann bei Rindern und Kühen die Schleimhäute reizen und innere Organe schädigen.

 

Vor fast 500 Jahren wurde der Rainfarn zum ersten Mal erwähnt. Der deutsche Naturforscher und Botaniker Adam Lonitzer beschrieb die Pflanze in seinem „Kreuterbuch“ von 1564 als „wurm-, stein- und schweißtreibendes, fieberwidriges und emmenagoges Mittel.“ Hieronymus Bock schrieb über das Kraut im 16. Jahrhundert: „Der Samen von dem Reinfarn […] mit Honig und Wein eingedruncken / die Würm soll außtreiben / den Bauchmerzen stillen / und den Schweiß außtreiben.“ Weitere volksheilkundliche Anwendungsgebiete der in fast ganz Europa wachsenden Pflanze waren Rheuma, Gicht und stumpfe Verletzungen.

 

| Text: Annette Feldmann || Fotos: iStockphoto.com |


Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2016.