Die fertige Blumenwiese braucht keine Pflege und sollte nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden.

Blumenwiesen sind Augenweiden

HALALI-Autor Dr. Stephan Gerbaulet schätzt Bienengesumm und Hummelgebrumm. Er legte deshalb eine bunte Blumenwiese an und war erstaunt, wie viel weitere Gäste sich noch einfanden.

lles begann mit einem wunderbaren Buch über Hummeln und meinem Ärger über den ständig verstopften Rasenmäher auf meinem Wochenendgrundstück. Das Gras wuchs zu hoch, ließ sich kaum mähen und war unansehnlich. Eine bunte Blumenwiese, so wie früher in meiner Kindheit, die wäre schön anzuschauen, die müsste ich nicht mähen, und sie böte Insekten Lebensraum und Nektarquelle.

 

Aber so eine Leben spendende Augenweide hat leider heute Seltenheitswert. Dabei kann jeder im heimischen Garten oder auf anderen zur Verfügung stehenden Flächen mit überschaubarem Aufwand und sehr geringen Kosten eine wertvolle und naturnahe Wildblumenwiese anlegen. Auch unter Obstbäumen oder in der Stadt auf den sogenannten Baumscheiben – den meist nur dürftig bepflanzten und mit Gras überwucherten kleinen Freiflächen rund um die Straßenbäume – gedeihen solche artenreichen Blumenmischungen prächtig. Für die Insekten sind sie wertvoller Lebensraum und Nahrungsquelle, für unser Auge herrlich anzuschauende, farbenfrohe Oasen. Bei der Pflege bedürfen sie weitaus weniger Aufwand als herkömmliche Rasenflächen. Diese sind ohnehin biologisch uninteressant.

 

Eine Wildblumenwiese bietet sich besonders für nicht ständig frequentierte Grundstücke an, wie zum Beispiel rund um Wochenendhäusern oder Jagdhütten. Oftmals ist hier das Gras in der Abwesenheit des Besitzers schon so hoch gewachsen, dass der herkömmliche Rasenmäher an seine Grenzen stößt. Im hier geschilderten Fall handelt es sich um eine Grasfläche vor einem Ferienhaus, das wir hälftig zur Wildblumenwiese umgewandelt haben.

 

Durch die biologische Aufwertung der Fläche stellte sich rasch eine große Dichte an Insekten ein, und schon innerhalb kürzester Zeit konnten wir regelmäßig Feldhasen und Fasane (Insekten als wichtige Eiweißlieferanten) unmittelbar vor unserer Terrasse beobachten. Die andere, unmittelbar um das Haus reichende Rasenhälfte nutzen Kinder intensiv zum Spielen, sie eignet sich daher als Blumenwiese kaum. Wir schneiden diese Rasenfläche mit einem Mähroboter, auch elektrisches Schaf“ genannt.

 

Wildblumen gedeihen nur bei geringer Bodenfruchtbarkeit. Andernfalls wächst das Gras zu schnell und nimmt den Blumenkeimen das Licht. Je magerer der Boden, desto besser gedeihen die Wildblumen. Sonnige Lagen und trockener Boden sind optimale Standorte, es gibt aber auch Schattenblumenmischungen im Handel. Gedüngter Boden oder regelmäßig gemulchter Rasen, also ohne den sonst üblichen Abtransport des Schnittgutes, muss daher zunächst einmal abgemagert werden.

 

Neben regelmäßigem Entfernen des Schnittgutes (also des Stickstoffs) im Fangkorb eignet sich zum Abmagern größerer Flächen eine Beweidung durch Schafe, wobei jedoch deren düngender Kot konsequent aufgesammelt werden muss. Eine sehr unterhaltsame Beschreibung dieser Tätigkeit findet sich in dem eingangs erwähnten Hummelbuch "Und sie fliegt doch" von Dave Goulson.

 

| Text und Fotos: Dr. Stephan Gerbaulet |

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2017.

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