Die Verwirklichung einer uralten Idee

Die Verwirklichung einer uralten Idee

In unserer Serie „Naturschutzgebiete“ stellt HALALI-Autor Burkhard Stöcker den Nationalpark Bayerischer Wald vor – den ältesten seiner Art in Deutschland. Von ihm gingen wesentliche Impulse für die Nationalpark- und Naturschutzbewegung aus, und er gilt heute als eines der ambitioniertesten Schutzgebiete in Europa.

Bevor in Deutschland der erste Nationalpark instituiert wurde, hatten etliche europäische Länder schon lange „vorgelegt“. Den ältesten Nationalpark auf unserem Kontinent haben die Schweizer Eidgenossen bereits im Jahr 1914 im Kanton Engadin gegründet, dort werden seitdem 17 000 Hektar der bizarren Berglandschaft sich selbst überlassen.

 

In Deutschland wurden die ersten Ideen dazu zwar auch schon in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt, aber man konnte sich zu keinem konkreten Projekt durchringen, und schließlich kamen die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Erst in den 60er-Jahren wurden in der Bundesrepublik wieder entsprechende Überlegungen angestellt. In der DDR war der Begriff „National“ derartig verpönt, dass der Gedanke an einen Nationalpark überhaupt nicht aufkommen durfte. Erst zur Wendezeit kam dann eine ganze „Nationalparkmaschinerie“ in Gang.

 

Im Vorfeld der Nationalparkausweisung im Bayerischen Wald gab es in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts zwischen Naturschutz und Tourismusindustrie heftige Auseinandersetzungen. Zur Schaffung dauerhafter Einkommensquellen für die strukturschwache Region waren zahlreiche neue Skiabfahrten und -lifte im Gespräch. Naturschutzverbände und -aktivisten brachten die Idee eines Nationalparks Bayerischer Wald wieder ins Spiel, die schon in den 30er-Jahren in der damaligen „Reichsstelle für Naturschutz“ in Berlin diskutiert worden war.

 

Im Jahr 1969 stimmte der Bayerische Landtag einstimmig für die Gründung eines Nationalparks in den Höhenlagen des Bayerischen Waldes. Im Oktober 1970 wurde dann der erste deutsche Nationalpark in den Wäldern zwischen den Bergen Rachel und Lusen ausgewiesen.

 

Für jene Großtat des Naturschutzes im Bayerischen Wald bedurfte es einer Handvoll begeisterter Menschen. An vorderster Front waren das neben dem Vorsitzenden des BUND Naturschutz in Bayern (und späterem BUND-Bundesvorsitzenden) Hubert Weinzierl und dem Fernseh- und Umweltjournalisten Horst Stern („Sterns Stunde“) vor allem zwei engagierte Forstleute: Dr. Hans Bibelriether und Dr. Georg Sperber. Sie haben nicht nur die anfänglichen Weichen gestellt, sondern prägten später als Nationalparkleiter (Hans Bibelriether) bzw. naturschutzengagierter Forstamtsleiter (Georg Sperber) weit über ihre eigentlichen dienstlichen Funktionen hinaus den Waldnaturschutz in Deutschland. Ihr Engagement stieß damals auf offene politische Ohren; der Landwirtschaftsminister von Bayern Dr. Hans Eisenmann begeisterte sich ebenfalls für das Projekt.

 

Die anfänglichen 13 000 Hektar des Parks wurden 1997 um die nordwestlich gelegenen Forstämter Zwiesel und Regen auf insgesamt 24 000 Hektar erweitert. Zusammen mit dem tschechischen Nationalpark Sumava (Böhmerwald) werden die großen Grenzwälder auch „Das grüne Dach Europas“ genannt, und diese zählen zu den größten geschlossenen Waldgebieten in Europa.

 

| Fotos: David & Micha Sheldon/AGE/www.premium.de | iStockphoto.com |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2017.

 

  • bayerischer_wald_1
  • bayerischer_wald_2
  • bayerischer_wald_3
  • bayerischer_wald_4

Simple Image Gallery Extended