Es gibt circa 30 Arten der Dactylorhiza-Gattung, die teilweise nur sehr schwer voneinander zu unterscheiden sind.

Pflanzenporträt Geflecktes Knabenkraut

Wie alle Orchideenarten beflügelt auch das Gefleckte Knabenkraut von jeher die Fantasie der Menschen. Es galt als Aphrodisiakum sowie als Glücksbringer und sollte die Fruchtbarkeit fördern.

Bis zu 30000 Arten und circa 1000 Gattungen – das sind Orchideen in Zahlen. Eine von ihnen ist das Gefleckte Knabenkraut, das in Europa und Nordafrika beheimatet ist. Die länglichen, mit dunkelroten, rundlichen Flecken übersäten Blätter gaben der Pflanze ihren Namen. Es gibt sogar eine Erklärung dafür, wie das Knabenkraut zu seinen Flecken kam. Laut einer Sage sollen es die Blutstropfen des gekreuzigten Jesus beziehungsweise die Tränen seiner Mutter Maria ob seines Todes gewesen sein, die auf das Kraut fielen und so seitdem für sein spezifisches Aussehen sorgten.

 

Der botanische Name dieser Pflanze weist auf die Form ihrer Wurzelknolle hin – sie sieht aus wie eine Hand (im Griechischen bedeutet "dáktylos" Finger und "rhiza" Wurzel). Ältere Pflanzen besitzen zwei dieser handförmigen Knollen: eine ältere, die schwarz ist, und eine junge, die weiß ist. Letztere bezeichnete man im Volksglauben auch als Glückshändchen, Marienhand, Liebfrauenhand oder Johannishändchen. Die alten Wurzeln wurden hingegen Teufelshand oder Satansfinger genannt.

 

Die jungen weißen Wurzelknollen brachten Glück im Spiel oder in der Liebe, oder sie verhalfen zu einer besseren Gesundheit – je nachdem, was man gerade am meisten benötigte. Voraussetzung: Die Knolle musste in der Johannisnacht oder in der Mittagsstunde des Johannistages ausgegraben werden, allerdings ohne sie dabei zu berühren. Ins Portemonnaie gesteckt, sollte sie zudem stets für genügend Geld sorgen. Von der Aufbewahrung im Haus wurde jedoch abgeraten, weil die Kühe sonst keine Milch mehr geben würden. Auch bei Liebeskummer sollten die Menschen auf die Wirkung der Knabenkrautwurzel vertrauen können, zumindest die Männer. Wer sich grämte, weil er von der großen Liebe verlassen worden war, musste einfach am Mittag des Johannistages drei der besagten Wurzeln ausgraben. Handelte es sich um weiße Wurzeln, wurden diese als "die Hände Christi" gedeutet, die der Betreffende küssen und hinter sich ins fließende Wasser werfen musste. Im selben Moment verschwand auch das Liebesleid.

 

In der Volksheilkunde machte man sich den hohen Anteil an Schleimstoffen in der Pflanze zunutze, die vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden, schlechter Wundheilung, Zahnfleischentzündungen und Husten Linderung bringen sollten.

 

| Text: Annette Feldmann || Fotos: iStockphoto.com |


Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/2017.