Die Kräfte des Feuers

Die Kräfte des Feuers

Diptam ist relativ unbekannt, da er eher selten ist. Man findet die extrem langlebige Pflanze im Revier auf trockenen, kalkhaltigen, durchlässigen und stickstoffarmen Böden in halbschattiger Lage.

MDiptam zählt zur Familie der Rautengewächse und enthält so viele ätherische Öle, dass der der Pflanze eigene Vanille-Zitronen-Duft bereits von Weitem wahrgenommen werden kann. Die ätherischen Öle enthalten aber auch phototoxische Stoffe. Nach der Berührung mit der Haut und anschließender Sonneneinstrahlung können verbrennungsartige Wunden entstehen. Die Öle enthalten darüber hinaus Isopren, eine hochentzündliche Flüssigkeit. Während der Reifezeit können sich die Isopren-Dämpfe durch den Brennglaseffekt bei Tröpfchenbildung selbst entzünden – ohne jedoch dabei die Pflanze zu schädigen. Sieht man also an windstillen, heißen Tagen blaue Flammen in der Dämmerung züngeln, dann ist das kein Grund, sich zu gruseln. Es sind nur „brennende“ Diptam-Pflanzen.

Diesem Phänomen verdankt der Diptam auch seine weiteren Namen, z. B. „Flammender Busch“– bzw. „Brennender Busch“, „Brennkraut“ oder „Feuerpflanze“. Man spekuliert, dass es sich bei dem im Alten Testament (Buch Exodus) erwähnten brennenden Dornbusch um Diptam handelt: „Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.“ Doch es bleibt lediglich bei Spekulationen, denn Dornen oder Stacheln besitzt der Diptam nicht.

In der Volksheilkunde wurde Diptam als Mittel gegen zahlreiche Krankheiten und Leiden eingesetzt. Die Benediktine-rin Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert das Wissen über Pflanzen und Krankheiten sammelte und zusammenführte, schrieb über den Diptam, dass er „warm und trocken“ sei und die „Kräfte des Feuers“ besitze. Diptam soll harntreibend, antibakteriell, krampf- und schleimlösend, verdauungsfördernd und fiebersenkend wirken. Außerdem soll er die Nerven stärken, die Syphilis bekämpfen („wider die Venusseuche“) und wurde sogar als Verhütungsmittel genutzt.

Auch bei Vergiftungen war man mit Diptam allem Anschein nach gut beraten. In einem mittelalterlichen Kräuterbuch heißt es: „Diptaminus [...] ist eine sehr gemeine Pflanze. Ihr Kraut wirkt gegen den Schlangenbiß, den Biß giftiger Tiere und gegen innere durch irgendein Getränk hervorgerufene Vergiftung. Es wird entweder zerquetscht auf die Wundstellen gelegt oder sein Saft, mit Wein und hinlänglich Minzensaft versetzt, getrunken.“

Vor allem auch in der Frauenheilkunde fand Diptam Verwendung. Zum Beispiel, um Menstruationsbeschwerden zu lindern oder um die Geburt voranzutreiben. Aus diesem Grund trägt die Pflanze den Beinamen Artemideion – in Anlehnung an Artemis, die Göttin der Geburt und des neuen Lebens. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Diptam tatsächlich gegen all diese geschilderten Krankheiten hilft.

Doch nicht nur die inneren Werte des Diptams wurden früher geschätzt, sondern auch sein hübsches, gefälliges Aussehen. Schon in der Antike wurde die Pflanze kultiviert, und in der Renaissance war der Diptam als Gartenpflanze weit verbreitet. Heute ist Diptam in Gärten nur noch selten anzutreffen, denn er gilt als „heikel“ und „nicht für Anfänger geeignet“, heißt es in einem Schweizer Online-Heilpflanzenlexikon (www.awl.ch). Die Gründe dafür sind die relativ hohen Ansprüche an den Standort und die Pflege. Und bis er zum ersten Mal blüht, dauert es zwei oder drei Jahre. Doch dafür sieht er in der Blüte dann auch besonders schön aus.

 

| Text: Annette Feldmann |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 04/2017.

 

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