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Der unscheinbare Alleskönner

Die wintergrüne Pflanze, die an Hecken und Wegesrändern dicht über den Boden rankt, fällt kaum auf. Dabei besitzt sie viele nützliche Eigenschaften – oder zumindest werden ihr diese zugeschrieben.

Wohl dem, der bei Zahnschmerzen Gundermann zur Hand hat. Jedenfalls wenn man der Volksheilkunde Glauben schenken darf. Zum Beispiel könne man die schmerzende Stelle mit drei Gundermannstängeln bestreichen. Das soll Jesus einst schon seinem Jünger Petrus geraten haben, als dieser über fürchterliches Zahnweh klagte: „Hol drei Gundelreben, und lass sie durch deinen Mund schweben, so wird dein Mund gesund werden.“ Und der im 16. Jahrhundert wirkende deutsche Arzt, Botaniker und Naturforscher Adam Lonitzer (auch bekannt als Lonicerus) empfahl: „minszohr und gundelreben gestoszen, in die Ohren gethan, ist fürs zahnweh.“ Auch sonst sagt man der eher unauffälli-gen Pflanze viele heilende Effekte nach.

Darauf weist angeblich bereits der Name hin – obwohl es zahlreiche Theorien für den Ursprung der Bezeichnung „Gundermann“ gibt. Eine Lesart ist das althochdeutsche Wort „Gund“, das „Eiter“ oder „Beule“ bedeutet und anzeigt, dass Gundermann zur Behandlung von Abszessen, Entzündungen oder gar der „pestyllenyischen Beulen“ (so der Arzt und Historiker Oswald Gabelkover im 16. Jahrhundert: „Netze ein zwifach Tuch, eins Viertheils breit, in gundelrebenwasser und legs über, so wirst du Wunder sehen.“) benutzt wurde. Auch Hildegard von Bingen vertraute dem Gundermann als Heilpflanze. Wie bei vielen Heilpflanzen ranken sich auch um den Gundermann zahlreiche Legenden. Einige davon drehen sich um Kühe. Damals wurden Dämonen dafür verantwortlich gemacht, wenn Kühe keine Milch gaben. Waren sie oder ihre Euter „verhext“, riet etwa der Universalgelehrte Albertus Magnus (ca. 1200–1280): „Nimm Gundelreben, flechte Kränzlein, milch jeden Strich hinten durch den Fuß dreimal auf die Gundelrebenkränzlein, hernach gib sie der Kuh zu fressen, und sprich folgende Worte: ‚Kuh, hier geb ich dir Gundelreben, dass du mir die Milch wolltest geben.‘“ Vor der „Verhexung“ sollte auch in der Walpurgisnacht geschnittene Gundelrebe schützen, die mit Salz und Hafer an das Vieh verfüttert wurde. Auch brütenden Gänsen und Hühnern wurde diese Mischung unter ihr Futter gemischt, damit die Küken gesund und kräftig würden.

 

| TEXT: ANNETTE FELDMANN | Fotos: iStockphoto.com |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/2018.

 

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