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Ein leuchtender Blickfang

Das Orangerote Habichtskraut, das auch als Gebirgskraut bezeichnet wird, macht seinem Namen alle Ehre und fällt durch seine intensiv leuchtenden Blüten auf. Im Garten besticht es als pflegeleichte Staude an sonnigen, trockenen Standorten und gilt als exzellente Bienenweide.

„WAS HABEN DENN BITTE SCHÖN Habichte mit dieser Pflanze zu tun?“ Diese Frage scheint nicht ganz unberechtigt, beschäftigt man sich etwas näher mit dieser Pflanzenart aus der Gattung der Habichtskräuter (Hieracium – von griechisch „hierax“ für „Habicht“). An der Farbe kann es jedenfalls nicht liegen. Vielleicht sind die Raubvögel ja heimliche Vegetarier und naschen die Blätter? In anderen Quellen heißt es, dass nur Habichte die Standorte des Krauts hoch oben im Gebirge erreichen könnten. Eine andere Möglichkeit der Namensherkunft ist die Form der Zungenblüten der Pflanze. Deren fiedrige Enden ähneln den Habichtsflügeln. Die schönste Antwort gab der römische Gelehrte und Naturforscher Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.). Er schrieb, dass das Kraut so heiße, weil Habichte bei Sehschwäche ihre Augen mit dem Saft der Pflanze benetzen würden.

Doch nicht nur kurzsichtige Habichte sollen auf die Wirkung der Pflanze vertraut haben. Auch in der Volksmedizin setzte man das Orangerote Habichtskraut ein, wenn es galt, die Sehkraft zu stärken. Hildegard von Bingen schrieb, es schärfe nicht nur die Seh-, sondern auch die Denkkraft. Und angeblich bewahrte das Kraut sogar Martin Luther vor dem Verlust seines Augenlichts. Weil er literweise Habichtskrauttee trank, blieb ihm die Blindheit erspart, und er konnte sorglos und sehenden Auges die Bibel übersetzen und seine Thesen verfassen. Auszüge aus der Pflanze waren jedoch nicht ausschließlich bei Augenproblemen eine probate Arznei. Auch bei Fieber, Durchfall, Atemwegserkrankungen, Entzündungen, Nierensteinen und Wurmbefall galt sie als das Mittel der Wahl – als Tee, Tinktur, Salbe oder Lösung zum Gurgeln.

Der deutsche Arzt, Botaniker und Naturforscher Adam Lonitzer schrieb in seinem „Vollständigen Kräuter-Buch oder Das Buch über alle drey Reiche der Natur“ im 16. Jahrhundert: „Habichtskraut und Pfaffenröhrlein sind beyde kalter Natur, und ziehen ziemlich zusammen. Die beyde Kräuter sind den hitzigen Fiebern, Apostemen und dergleichen, äusserlich und innerlich zu gebrauchen, jederweilen drey oder viel Löffel voll getrunken, mildern das Stechen, und bringen Ruhe, stillen den Husten, und löschen die Hitze.“

 

| TEXT: ANNETTE FELDMANN | Fotos: iStockphoto.com |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2018.

 

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