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Mit Duft und Sprengkraft

Wer eine Springwurzel in seinen Besitz gebracht hatte, konnte damit einer alten Legende zufolge verborgene Schätze heben. Sie ist Teil jener sagenumwobenen Pflanze, die heute viele Gärten ziert: das Echte Salomonssiegel.

Das Echte Salomonssiegel ist auch unter dem Namen Wohlriechende Weißwurz (sein dezenter Duft erinnert an Mandeln) bekannt und wird im Volksmund Maiglöckchen unterm Dach sowie in den einzelnen Regionen Wyswort, Gedenkwurz, Dittiwurz, Schminkwurz oder auch Jungfernschön genannt. Die beiden letzten Namen beziehen sich darauf, dass Frauen die Pflanze nutzten, um ihren Wangen einen zarten Rotton zu verleihen. Ihren Namen Salomonssiegel verdankt die Pflanze der Form ihrer Rhizome, die wie Siegel aussehen. In einigen Teilen von Österreich wird das Salomonssiegel auch Hühneraugenwurz genannt, weil die Narben, die die im Herbst absterbenden Stängel auf den Rhizomen hinterlassen, neben Siegeln auch selbigen ähnlich sehen und die Pflanze deshalb als probates Heilmittel gegen Hühneraugen galt – zu diesem Behufe mussten Geplagte bei abnehmendem Mond einen Wurzelstock der Pflanze bei sich tragen.

 

Was die „Sprengkraft-Legende“ betrifft, so soll einst König Salomon die Pflanze gemeinsam mit seinem legendären Siegelring benutzt haben, um Felsbrocken zu sprengen, die ihn beim Bau seines Tempels behinderten. Die „durchschlagenden“ Kräfte des Salomonssiegels waren im Volksglauben fest verankert. Angeblich konnte die Springwurzel – denn nur der Wurzelstock besaß diese Fähigkeit – auch starke Eisenketten entzweien. Deshalb gab es noch im Mittelalter spezielle Vorschriften, laut derer man besonders aufpassen sollte, damit Gefangene nicht an Springwurzeln gelangten, mit denen sie sich aus ihren Fesseln hätten befreien können.

 

| TEXT: ANNETTE FELDMANN |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2019.

 

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