Wie die Axt im Walde

 

Dürresommer, Stürme und Borkenkäfer haben enorme Schäden in unseren Wäldern hinterlassen; die Zeichen des Wandels sind längst unübersehbar. Der Umbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern ist deshalb notwendig und richtig. Doch auf der Suche nach Lösungen wird das Schalenwild, insbesondere das Rehwild, zunehmend als Sündenbock dargestellt. Teilweise werden Jagdpachtverträge gekündigt, bewährte Revierstrukturen aufgelöst und hohe Abschussvorgaben formuliert – nicht selten umgesetzt durch kommerzielle Abschussunternehmen, um den Waldumbau zu beschleunigen. Dabei wird oft übersehen, dass die Ursachen der Waldkrise deutlich tiefer liegen. Jahrzehntelang wurden vielerorts anfällige Monokulturen begründet und Wälder vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewirtschaftet. Der Klimawandel wirkt heute als Verstärker dieser Fehlentwicklungen. Das Wild hat diese Wälder nicht geschaffen – es lebt in ihnen. Natürlich können überhöhte Wildbestände die Verjüngung bestimmter Baumarten erschweren. Angepasste Wilddichten sind daher ein wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Waldumbaus. Doch Wildtiere allein für die Probleme unserer Wälder verantwortlich zu machen greift zu kurz. Ebenso wichtig sind strukturreiche Mischwälder, ausreichende Äsungs- und Deckungsflächen sowie die Förderung natürlicher Verjüngungsprozesse. Die Zukunft liegt nicht in einfachen Schuldzuweisungen, sondern in einem ausgewogenen Wald-Wild-Management. Waldschutz und Wildökologie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer komplexe ökologische Zusammenhänge auf die Formel „zu viel Wild“ reduziert, läuft Gefahr, selbst wie die sprichwörtliche Axt im Walde zu handeln. Gerade jetzt braucht es Sachlichkeit, Augenmaß und die Bereitschaft zum Dialog zwischen Forstwirtschaft, Jagd, Naturschutz und Wissenschaft. Nur wenn alle Beteiligten gemeinsam an Lösungen arbeiten, können stabile Wälder entstehen, die den Herausforderungen des Klimawandels dauerhaft standhalten.

Ihr HALALI-Magazin wird sich deshalb verstärkt diesem Thema aus wildbiologischer und jagdpraktischer Sicht widmen und statt mit Emotionen mit harten Fakten argumentieren. Ein erster Beitrag in der vorliegenden Ausgabe beschreibt eine typische Situation in einem x-beliebigen Revier, in dem forstwirtschaftliche Interessen und bewährte Bejagungspraxis aufeinandertreffen. Unsere Wildbiologen erläutern die Abhängigkeit unserer Wildtiere von Wasser im Revier, und auch in der Erzählung dreht sich alles ums Rehwild. Wir begleiten Vater und Sohn auf eine morgendliche Bockjagd in Dänemark und beschreiben anschaulich, wie unser Wild wieder tagaktiv werden kann, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Wir stellen Ihnen eine Kombination aus Schonzeitbüchse und passender Optik vor und besuchen einen Büchsenmacher, der aktuell von sich reden macht. Essays zu Brauchtum und jagdlichem Gewissen runden dies ab. Im späten Sommer beginnt die Zeit der Pilze in den Revieren – ein Profi beschreibt die Situation im Wald und gibt wichtige Hinweise zur nachhaltigen Ernte. Der Sommer birgt aber auch Gefahren durch Hitze – wir dokumentieren das Risiko von Waldbränden. Schließlich begeben wir uns in die Vergangenheit, denn in ihr wurzelt unser heutiges Handeln. Waffengeschichte und die Rolle der Natur in der frühen US-Literatur sollen Sie informieren und unterhalten. Last, not least hat die HALALI-Wildküche für Sie sommerliche Gerichte aus allerlei Wild vorbereitet – zum Nachkochen und Genießen.

Die HALALI-Redaktion wünscht Ihnen erfüllte Sommermonate mit viel Anblick und Waidmannsheil!

Ihr

Oliver Dorn | Chefredakteur

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe.

Vorschau

Die nächste HALALI erscheint am 20.10.2026.

Extreme Wetterereignisse sind längst keine abstrakte Zukunftsprognose mehr. Dürresommer, Stürme, Starkregen und Borkenkäferkalamitäten haben in vielen Regionen Deutschlands deutliche Spuren hinterlassen und werden es weiterhin tun. Ganze Waldflächen sind abgestorben oder Stürmen zum Opfer gefallen. Damit steht auch die Jagd vor neuen Herausforderungen, denn Wald, Wild und Jagd sind untrennbar miteinander verbunden. Im Mittelpunkt der aktuellen forstpolitischen Debatte steht der Umbau der Wälder hin zu sogenannten klimaresilienten Mischwäldern. Ziel ist die Abkehr von anfälligen Monokulturen – insbesondere Fichtenbeständen – hin zu artenreicheren, struktur-stabileren Wäldern, die Trockenheit, Sturm und Schädlingsbefall besser standhalten. Damit kommt der Jäger ins Spiel: Um ökosystemgerechte Wildbestände zu erreichen gilt es, das Rehwild noch besser zu verstehen und weiter effektiv zu bejagen. Wir erklären dazu die Biorhythmen unserer Schalenwildarten, zeigen, wie Rehwild in Herbst und Winter bejagt werden sollte, und geben wie immer Tipps zur kulinarischen Verwertung. Und für die Liebhaber klassischer Waffen haben wir die Manufaktur von Marko Frühauf in Thüringen besucht.

Interessiert?

Bestellen Sie jetzt die aktuelle Ausgabe in unserem Online-Shop.