Wissen, was zählt

In dieser Zeit vermisse ich eines besonders schmerzlich: die Nähe zu anderen Menschen. In der Pandemie haben wir lernen müssen, Abstand zu halten. Eine Freundin schrieb mir neulich, sie wünsche uns allen mit 2022 ein Jahr, in dem man sich wieder in den Arm nehmen könne, ohne vorher zu fragen oder ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Wie recht sie damit hat! Ist es doch der zwischenmenschliche Austausch, der uns soziale Wesen inspiriert und glücklich macht. Insbesondere uns Jäger. Deswegen schätze ich an den klassischen Treibjagden bei uns an unserem schönen Niederrhein vor allem die langen und gemächlichen Fahrten von Treiben zu Treiben auf den Anhängern unserer Landwirte. Hier treffen Menschen nicht selten zum ersten Mal aufeinander, hocken auf Tuchfühlung nebeneinander, tauschen Anekdoten, Klatsch, Tratsch und kleine Weisheiten aus. Und lachen.

Heute fast undenkbar. Angesichts einer drohenden fünften Welle fallen erneut Schüsseltreiben aus, auch wenn die meisten Jäger mindestens zwei der drei G in ihrer Corona-App dokumentiert haben. Messen wurden erneut abgesagt oder zumindest vertagt, und der samstägliche Einkaufsbummel findet größtenteils online statt. Ich befürchte, wir müssen uns daran gewöhnen, dass uns dieses Virus, seine Varianten und die damit verbundenen Verunsicherungen für eine lange Zeit begleiten werden. Wir müssen einen Weg finden, der uns wieder in Menschlichkeit und im Miteinander zusammenführt.

Dazu gehört sicher auch, sich impfen zu lassen, sofern es die persönliche Gesundheit zulässt. Dennoch dürfen wir angesichts dieser massiven Krise andere Bedrohungen wie den Klimawandel und daraus für uns Jäger entstehende Herausforderungen nicht außer Acht lassen. Pünktlich zum Regierungswechsel liegen Papiere vor, die eine konsequentere Bejagung des Rehwilds fordern, um unsere Wälder fitter für den Klimawandel zu machen. Ausführlichere Informationen dazu finden Sie in der aktuellen Kolumne.

Die vorliegende HALALI-Ausgabe hält wieder ein breites Themenspektrum für Sie bereit. Unsere Wildbiologen haben die Bewegungen unseres Schwarzwildes untersucht und analysieren ergänzend dazu die aktuelle ASP-Situation im Osten des Landes. In einem sonst recht reisearmen Jahr besuchten wir die französische Provence zur Gamsjagd. Die Reportage dazu lesen Sie ab Seite 44. Das Video wird zeitgleich, wie gewohnt, kostenfrei für Sie bei YouTube hochgeladen. Im Herbst schauten wir einer jungen Falknerin bei der Arbeit mit ihren Vögeln über die Schulter. Anlässlich einer aktuellen Produkteinführung besichtigten wir das Werk von CZ (Česká zbrojovka) im tschechischen Uherský Brod und berichten darüber ab Seite 76.

Angesichts der Zunahme von Drückjagden war es unser ganz besonderes Anliegen, einen Beitrag über das waidgerechte Treffen des Wildes zu verfassen. In Frankreich sprachen wir mit dem Brillendesigner Yann Goubet, der Brillen aus Horn fertigt, und wir besuchten in den Niederlanden einen Fotografen, dessen jagdliche Stillleben an barocke Malerei erinnern. Aber auch Spannendes und Informatives rund um unsere Jagdhunde, die Natur sowie die waffentechnische Handwerkskunst, Jagdgeschichte und Kulinarik kommen in dieser Ausgabe nicht zu kurz.

Begleiten Sie uns in das neue Jahr 2022 – mit Mut, Lebensfreude und Zuversicht. Das Team Ihrer HALALI wünscht Ihnen viel Anblick, Waidmannsheil und große Momente in der Natur mit Ihrer Familie und Ihren Freunden.

Ihr
Oliver Dorn | Chefredakteur

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe.

Vorschau

Die nächste HALALI erscheint am 28.04.2022.

Wir starten ins neue Jahr mit den Vorboten eines erneuten Lockdowns. Unsere Messen sind bereits abgesagt oder in den Sommer verschoben worden. Auch die letzten Schüsseltreiben des alten Jagdjahres wurden vorsorglich gestrichen. Was wird uns also erwarten im Frühjahr? Eine Impfpflicht? Ein Leben mit dem Virus? Die Rückkehr zur Normalität? Trotz aller Unwägbarkeiten ist eines sicher, wir werden uns weiter um unsere Reviere kümmern, Müll entsorgen, Einrichtungen für die Bockjagd fit machen. Als kleine Einstimmung haben wir im vergangenen Jahr neue Autoren gebeten, von ihren Reisen und Aktivitäten zu berichten. Zwei russische Freunde berichten in Wort und Bild von einer spannenden Entenjagd, und wir stellen einen englischen Fliegenfischer vor, der seine „Fliegen“ für den Frühling präpariert. Unsere Wildbiologen haben einen umfassenden Statusbericht zum Feldhasen verfasst, und wir geben wertvolle Tipps zum Gebrauchtwaffenkauf. Mit diesen und vielen anderen Themen begleiten wir Sie und Ihre Familie und Freunde in den Frühling. Seien Sie gespannt!

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