Mut und Zuversicht

Derzeit kommt es von allen Seiten knüppeldick. Die befürchtete zweite Corona-Welle rollt durch Europa. Sind wir ganz ohne Schuld? Mussten wir tatsächlich trotz Unwägbarkeiten und Warnungen verreisen? War es angebracht, Partys zu feiern oder am Strand und im Klub Sorgen und Verantwortung zu verdrängen? Auch viele Unternehmen und Veranstalter scheinen wenig dazugelernt zu haben. Abstand, Hygiene und angepasste Arbeitsverhältnisse kosten Geld und minimieren den Profit. Darauf ist keiner scharf. Auch wenn wir statistisch weitaus besser dastehen als unsere europäischen Nachbarn, besteht auch hierzulande Verbesserungsbedarf. Im kleinen Privaten und im großen Ganzen.

Zu allem Übel haben wir jetzt eine weitere Seuche im Land. Dass die ASP uns früher oder später ereilen würde, darf keinen verwundern, angesichts des dilettantischen Hühnerzauns, der entlang der Oder und in den Grenzwäldern zu Polen errichtet wurde. Die Bilder, die im Netz dazu kursierten, geben ausreichend Zeugnis darüber, dass da kein Experte zurate gezogen wurde. Jeder Jäger, der jemals versuchte, einen Maisschlag gegen Sauen zu schützen, weiß, dass nur die Stahlmatte das Schwarzwild auszusperren vermag.

Gefahr im Verzug: Ende September, als die Fallzahlen verendeten Schwarzwilds täglich zunahmen, gab es immer noch kein koordiniertes Vorgehen von Kommunen und Land. Der Deutsche Jagdverband, der Deutsche Bauernverband und der Landesjagdverband Brandenburg forderten dringend und öffentlich die Einberufung eines zentralen Krisenstabes unter Einbindung lokaler Jäger, Land- und Forstwirte.

Verwirklicht wurde von den Maßnahmen zumindest vor unserem Redaktionsschluss wenig. Gleichzeitig diktiert die Pandemie hygienetechnische Auflagen, die viele Jagdpächter veranlassen, zur Bestandsreduzierung notwendige Drückjagden abzusagen. Eine Gesamtsituation, die schlechter nicht sein könnte. Schon erstaunlich, dass unter den verantwortlichen Entscheidern offenbar keiner die erfolgreiche ASP-Bekämpfung in Belgien oder Tschechien begleitete und daraufhin auch bei uns die erforderlichen Maßnahmen einleitete. Vielleicht befanden sich die Herrschaften einfach nur in Urlaub. Wir hingegen haben gearbeitet. Trotz allem, wie stets, mit viel Freude und Zuversicht.

Gleichwohl beschäftigt sich die nun vorliegende HALALI-Ausgabe mit einem weiteren Damoklesschwert, das über der Menschheit schwebt – dem Rückgang der Arten. Wie wichtig eine globale Biodiversität für unseren Planeten ist, analysieren unsere Wildbiologen. Außerdem nehmen wir Sie mit auf eine Weizenpirsch im heimischen Revier, was gewiss viele Leserinnen und Leser an die eigene Jagdpraxis erinnern wird.

Ferner erwartet Sie wieder eine bunte Mischung aus Werkstattporträts, Jagderlebnissen, Anregungen und geistreicher Unterhaltung. Im vergangenen Sommer veranstalteten wir gemeinsam mit STEYR ARMS einen Wildbret-Fotowettbewerb. Mehrere Hundert Jägerinnen und Jäger posteten dazu ihre im Bild festgehaltenen Gaumenfreuden auf Instagram. Ein schöner Ausgleich zu manch misslungenem Erlegerfoto im Netz, das der Jagd und ihrem Ansehen einen Bärendienst leistet.

Das Gewinnerbild und sechs weitere ausgewählte Fotos finden Sie nebst Rezepten in diesem Heft. Auch die Falknerei und der Blick auf die Natur kommen in dieser 39. HALALI-Ausgabe nicht zu kurz.

Ich wünsche Ihnen trotz aller Widrigkeiten und Herausforderungen einen wunderbaren Herbst. Wenn auch ohne große Bewegungsjagden mit anschließender Geselligkeit. Bleiben Sie vor allem gesund!

Ihr

Oliver Dorn | Chefredakteur

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe.

Vorschau

Die nächste HALALI erscheint am 21.01.2021.

Das neue Jahr beginnt. Wird es ein gutes? Wird Corona immer noch unser Leben mitbestimmen, werden wir den ASP-Ausbruch im Osten des Landes im Griff haben? Das kann keiner zum jetzigen Zeitpunkt sicher sagen. Aber machen wir das Beste daraus. Resümieren wir das Geschehene, und lernen wir daraus. In der 40. Ausgabe der HALALI beschäftigen wir uns mit dem größten jagdbaren Säuger, der bei uns – in geringen Zahlen – heimisch ist, dem Elch. Weiter haben wir uns mit unserem Fangjagdexperten über eine der ältesten Formen der Jagdausübung und ihre Notwendigkeit zum Erhalt des Niederwildes unterhalten. Aktuelle Studien belegen, dass das Image der Jagd in der Bevölkerung deutlich besser ist, als wir es zuweilen selbst annehmen. Einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet sicher das Wildbret. Wir zeigen in unserer Jubiläumsausgabe, wie man köstlichste Wildbratwürste und andere Wurstspezialitäten aus Wildfleisch selbst macht. Wir wünschen Ihnen viel Gesundheit und erfüllte Momente in der Natur!

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