Die Jagd mit anderen Augen sehen
Ist die Jagd, die uns soziale Medien zeigen, die Wirklichkeit – oder eine kommerzielle Scheinwelt? Und ist das Bild, das öffentlich-rechtliche Medien von der Jagd zeichnen, wirklich objektiver? Vielleicht lautet die Antwort auf beide Fragen: nein.
Der Soziologe Niklas Luhmann hat einen einfachen, aber folgenreichen Gedanken formuliert: Medien bilden Wirklichkeit nicht einfach ab. Sie wählen aus, was sie zeigen. Und was sie zeigen, halten wir anschließend leicht für die Wirklichkeit. Das gilt für Instagram genauso wie für YouTube oder das Fernsehen. Auf Social Media sehen wir die Jagd als Abenteuer, Naturerlebnis und Lifestyle. Sonnenaufgänge, starke Trophäen, spektakuläre Jagdreisen und das neueste Equipment. Stunden des Wartens, Revierarbeit, Nachsuchen, Zweifel und Verantwortung passen weniger gut ins Format. Der Algorithmus belohnt das Außergewöhnliche – und lässt es als das Normale erscheinen. Ein anderes Bild zeichnen manche öffentlich-rechtlichen Beiträge: Jagd als Konflikt, als Eingriff in die Natur, als Frage des Tierwohls oder als überholtes Privileg. Auch das ist eine Auswahl. Eine andere Perspektive auf dieselbe Wirklichkeit. Dazwischen liegt die tatsächliche Jagd. Sie ist weder Hochglanz-Content noch Feindbild. Sie ist Handwerk und Leidenschaft, Tradition und Veränderung, Naturerlebnis und Verantwortung. Sie besteht aus vielen Stunden, in denen nichts Spektakuläres passiert – und aus wenigen Sekunden, in denen eine Entscheidung für immer getroffen wird. Doch bevor wir mit dem Finger auf die Medien zeigen, sollten wir auch auf uns selbst schauen. Denn auch wir Jäger prägen unser eigenes Bild. Wer ausschließlich Trophäen, Ausrüstung und Jagderfolge zeigt, darf sich nicht wundern, wenn die Öffentlichkeit genau darin das Wesen der Jagd erkennt. Vielleicht ist deshalb nicht die Frage entscheidend, wer die „richtige“ Geschichte über die Jagd erzählt, sondern wer bereit ist, auch das zu zeigen, was nicht ins eigene Narrativ passt. Luhmanns Erkenntnis ist dabei aktueller denn je: Jeder Blick hat einen blinden Fleck. Die Jagd mit anderen Augen zu sehen heißt deshalb zuerst, den eigenen Blickwinkel zu hinterfragen. Und vielleicht sollten wir wieder mehr Wert darauf legen, die Jagd nicht nur zu zeigen, sondern auch zu erklären. Denn die Wirklichkeit findet nicht im Feed und nicht im Fernsehstudio statt. Sie findet draußen statt. Im Revier.
Die vorliegende HALALI-Ausgabe steht wie immer für die inhaltliche Balance jagdlicher Themen: Auf einen sachlichen wildbiologischen Beitrag zum Biorhythmus unserer Wildtiere folgen jagdliche Erinnerungen aus dem In- und Ausland. An die Gedanken zur Jagd schließt sich sowohl Handgemachtes wie auch industriell Gefertigtes aus dem Bereich Waffenbau an. An den Fachartikel zum Thema Waldumbau in der letzten Ausgabe knüpft nun der Expertenrat zur effektiven Rehwildbejagung im Winter an. Praktisch geht es auch in den folgenden Beiträgen um die Erste Hilfe für Jäger und die Faszination der Taubenjagd. Wie in jeder HALALI-Ausgabe vermitteln unsere Autoren umfangreiches Wissen rund um unsere unersetzlichen Jagdhunde. Auf den Naturteil, der unser jagdliches Wissen ergänzt, folgen kulinarische Tipps – von einem Restaurantbesuch im Elsass bis hin zu unseren bewährten Rezepten, dieses Mal mit winterlichem Touch. Immer wieder bekommen wir positives Feedback zu unseren vermischten Seiten, die die drei großen Themenfelder einleiten. Das war uns eine besondere Motivation, ergänzende Seiten mit schönen Dingen zur Weihnachtszeit zusammenzustellen. Last, not least stellen wir Ihnen wieder einmal einen Künstler vor, der uns aufgefallen ist.
In diesem Sinne: Genießen Sie Herbst und Winter, und verbringen Sie viel Zeit im Revier und mit Ihren Lieben. Und behalten Sie bitte eines im Hinterkopf – die Jagd ist und bleibt das, was wir heute daraus machen.
Waidmannsheil vom ganzen Team Ihrer HALALI!

Ihr
Oliver Dorn | Chefredakteur















