Auftrag und Jagd

Der deutsche Wald befindet sich in einem miserablen Zustand. Jetzt steht der Waldumbau an. Dieser Prozess ist teuer und komplex. Er wird überschattet von Materialmangel, Trockenheit und Kostenexplosionen. Leider wird bei den problematischen Einflussfaktoren immer wieder unser Rehwild ins Rampenlicht gedrückt. War es früher das Einzelgespräch mit dem Pächter bei der jährlichen Waldbegehung, bei der auch die Jagdstrategie und der Abschuss an gefährdeten Kulturen erörtert und beschlossen wurde, sind es heute die unerbittlichen Waldschutzjagden bei den Landesforsten, die nicht eingezäunte Kulturen vor Verbiss und Vernichtung schützen sollen.

Die Schäden am Wald sind nicht zu übersehen. Nirgends. Es mag Regionen mit sehr hohen Wilddichten geben, in denen ein ernstes Gespräch mit dem Forstverantwortlichen von Nöten ist, aber gilt das für die ganze Republik? Muss das Rehwild jetzt tatsächlich zehn Monate im Jahr vor die Büchse? Wir Jäger verstehen die Situation und kennen unseren Auftrag, wenn es um die Schaffung biotopverträglicher Schalenwildbestände und eine ausgeglichene Bilanz geht. Ist das Habitat geschädigt, müssen wir leider auch am Einflussfaktor der Wildbestände nachjustieren. Aber alles in Maßen und vor allem unter der Prämisse des Miteinanders. Lassen wir im gedeihlichen Austausch mit der Forst-Fraktion einen gesunden Wald wachsen, in dem auch das Wild, wie eh und je, zu Hause sein darf.

Die vorliegende Ausgabe beschäftigt sich in mehreren Beiträgen mit dem Zustand unseres Waldes und dem Auftrag der Jäger, ihn zu schützen. Dazu braucht es Augenmaß. Überhöhte Wildbestände dürfen ebenso wenig geduldet werden wie allzu ambitionierte Bejagungsziele.

Auch unsere Erzählung im vorliegenden Heft steht ganz im wohl unauflöslichen Spannungsfeld von Jagd nach Herz und Gewissen und pragmatischem Auftrag. Deutlich sorgloser verlief eine Fasanenjagd im nordenglischen Lancashire, von der wir berichten. Wir nehmen Sie außerdem mit auf die Blattjagd in unser Revier, öffnen die Türen zu Herstellern aus der Branche, entführen Sie ins feuchte Reich der Amphibien und stellen zwei Künstlerinnen vor, die ihr Werk der Jagd verschrieben haben. Und natürlich sind Sie herzlich eingeladen, in die Wildküche unserer Familie hineinzuschnuppern.

Wir wünschen Ihnen einen spannenden und erfolgreichen Herbst und verbleiben mit viel Waidmannsheil

Ihr
Oliver Dorn | Chefredakteur

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Vorschau

Die nächste HALALI erscheint am 27.10.2022.

Während wir noch die Freuden des Sommers genießen, freuen wir uns bereits auf die Farben des Herbstes. Und damit meinen wir nicht das Signalorange, das bei den anstehenden Gesellschaftsjagden dominieren wird. Ernte- und Drückjagden, aber auch die schönen Feldjagden mit der Flinte sind in diesen Wochen die jagdlichen Höhepunkte. Bei diesen Jagden, die vorrangig an den Wochenenden stattfinden, begegnen wir auch unseren nicht jagenden Mitmenschen. Wir sollten uns also entsprechend verhalten, um ein positives Bild der Jagd zu vermitteln. Der Herbst hat aber noch mehr für uns Naturfreunde in petto: Wir werden uns in der kommenden Ausgabe mit den Früchten des Waldes, den Pilzen, näher beschäftigen. Und da der Wolf vor Kurzem ins niedersächsische Jagdrecht aufgenommen wurde, betrachten wir seine Entwicklung bei uns erneut. Neu war für uns im Frühsommer die Jagd auf einer unbewohnten kroatischen Insel. Lassen Sie sich von unserer Reportage jagdlich verführen! Ein weiteres Thema: die Nachtgreife. Deren unheimliche Rufe lassen sicher auch Sie während Ihrer Sauenansitze nicht unbeeindruckt. Diese und viele weitere Themen werden Sie und uns in der jagdlichen Hochsaison begleiten – Herbstzeit ist Jagdzeit!

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