Hochgebirgsprofi mit Substanz
| Text: Angelika Glock |
Der Bayerische Gebirgsschweißhund verkörpert als auf den alpinen Raum spezialisierter Jagdgebrauchshund das Prinzip einer zweckorientierten Zucht in Reinform. Im Vergleich zu seinem Urahn, dem Hannoverschen Schweißhund, der mit seiner kräftigen, schweren Konstitution vor allem in weniger anspruchsvollem Gelände überzeugt, besticht der Bayerische Gebirgsschweißhund durch seine größere Wendigkeit, Trittsicherheit und Ausdauer im Hochgebirge.
Historie
Der Bayerische Gebirgsschweißhund (in jagdlichen Fachkreisen häufig auch kurz als BGS bezeichnet) gehört zur Gruppe der Schweißhunde und geht auf alte Brackenschläge zurück. Bracken zeichnen sich im Besonderen durch eine äußerst feine Nase, hohe Fährtensicherheit, ausgeprägten Fährtenwillen sowie einen lockeren, kontinuierlichen Fährtenlaut während der Jagd aus.
Nach der Deutschen Revolution 1848/49 wurden mit dem Untergang des herrschaftlichen Jagdsystems und dem Aufkommen der Feuerwaffen im Jagdbetrieb zunehmend Hunde mit ausgeprägtem Fährtenwillen für die Nachsuche auf angeschweißtes Wild benötigt, die neben Ausdauer und Schärfe auch zur lauten, konsequenten Hatz befähigt waren.
Der im 19. Jahrhundert durch Einkreuzung nahestehender Rassen entstandene Hannoversche Schweißhund bewährte sich insbesondere in den Mittelgebirgs- und Flachlandrevieren. Für den Einsatz im Hochgebirge jedoch erwies sich dieser Hund aufgrund seines vergleichsweise schweren Körperbaus als ungeeignet. In dem steilen, ungesicherten Gelände alpiner Regionen waren leichtere, wendigere und trittsichere Hunde erforderlich.
Vor diesem Hintergrund besann man sich auf die einheimischen Gebirgsbracken, die für ihre Geländetauglichkeit und Leistungsfähigkeit bekannt waren. Diese Hunde zeichneten sich durch moderates Körpergewicht, gerade und sehnige Läufe, kompakte Pfoten, einen nicht zu langen Rücken sowie ein dichtes, harsches Haarkleid aus. Leistungsseitig überzeugten sie durch ausgeprägten Fährtenwillen, hohe Fährtensicherheit und -treue, verlässlichen Fährtenlaut, deutliche Hetzfreude sowie ausgeprägte Wildschärfe.
So erfolgten nach 1870 gezielte Kreuzungen dieser leichteren roten Gebirgsbracken mit dem Hannoverschen Schweißhund, u. a. durch Joseph Freiherr von Karg-Bebenburg aus Bad Reichenhall sowie durch Carl Peintinger aus der Steiermark. Von den Gebirgsbracken erwartete man sich die Geländetauglichkeit und die ausgeprägte Hetzfreude, vom Hannoverschen Schweißhund die über Jahrhunderte entwickelte Fährtensicherheit.

Zucht
Aus diesen züchterischen Bemühungen, einen wendigen „Alpinisten“ zu züchten, der die kalte Fährte selbst über steile Felswände, durch dichte Latschenkiefern und über weite Distanzen hinweg zu verfolgen in der Lage ist, ging der Bayerische Gebirgsschweißhund hervor, der 1883 offiziell unter dieser Bezeichnung registriert wurde. Zunächst fand die neue Rasse gezielte Verbreitung bei Bergjägern, später zunehmend auch bei kynologisch interessierten Liebhabern. 1912 wurde mit der Gründung des Klubs für Bayerische Gebirgsschweißhunde 1912 e. V. (kurz KBGS) eine dauerhafte institutionelle Grundlage geschaffen.
In den folgenden Jahrzehnten stagnierte die Zucht zeitweise. Viele Hunde entstammten Linien ohne leistungs-geprüfte Elterntiere; Zuchtentscheidungen orientierten sich häufig stärker am Exterieur als an der jagdlichen Leistungsfähigkeit. Erst ab 1939 wurden verbindliche Regelungen eingeführt, nach denen ausschließlich leistungs-geprüfte Hunde zur Zucht zugelassen wurden.
Einen nachhaltigen Wendepunkt markierte das Jahr 1949: In einem grundlegenden Vortrag analysierte Rudolf Frieß anlässlich der Neugründung des Klubs die bisherigen züchterischen Defizite und forderte eine konsequente Rückbesinnung auf die Ursprünge der Rasse. Er plädierte für eine gezielte Blutauffrischung mit alten stockhaarigen, rot gefärbten Gebirgsbracken, die traditionell als reine Schweißhunde auf Hirsch und Gams im Hochgebirge geführt worden waren.