Projekt Wildvogelhilfe

| Text: Dr. Frank Haß |

Die Bestandszahlen vieler Wildvogelarten sind noch immer rückläufig; einige sind in ihrem Bestand sogar bedroht. Mit dem Verlust an Artenvielfalt geht auch ein Verlust an menschlicher Lebensqualität einher. Gerade jungen Menschen ist dies häufig gar nicht bewusst. Dieses Bewusstsein bei ihnen zu wecken und ihnen die Natur als erhaltenswerten Lebensraum nahezubringen ist ein Gebot der Stunde. Am nachhaltigsten gelingt dies natürlich ganz praktisch und direkt vor Ort. Lernort Natur at its best!

Nur was man kennt, kann man lieben. Nur was man liebt, wird man schützen. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis wirkt bedenklich, dass Kinder und Jugendliche heute, auch in ländlichen Regionen, die Beziehung zu ihrer natürlichen Umwelt zunehmend verlieren. Die vielerorts maroden Zustände in unseren Schulen mit Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall in nahezu astronomischen Größenordnungen, insbesondere auch in den naturwissenschaftlichen Fächern, sind nicht unbedingt geeignet, hier Abhilfe zu schaffen. Wenn sich schulische Bildung nicht sehr bald drastisch verbessert, dann wird sich das in den nächsten Jahren zu einem ernsthaften, alle sozialen Schichten unserer Gesellschaft betreffenden Problem auswachsen. Aus diesem Grund sollten wir es aktuell als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen, den Schulen beizuspringen und für eine bessere Bildung der nächsten Generation Mitverantwortung zu übernehmen. Wie dies im Zusammenspiel verschiedener Akteure an schulischen und außerschulischen Lernorten gelingen kann, möchte ich hier mit einem konkreten Beispiel illustrieren. Nachahmung möglich und durchaus erwünscht …

Dass sich die Lebenssituation unserer Wildvögel in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert hat, ist uns bewusst. Die in der Folge teils dramatischen Populationsrückgänge sind für uns offensichtlich. Aber wie sieht das bei Schülern aus, die seit Monaten keinen geregelten Biologieunterricht erleben durften? Es zeigte sich, dass den meisten Schülern die Situation vieler Wildvogelarten nicht bewusst und auch nicht wichtig war. Es zeigte sich aber auch, dass Uninformiertheit und Indifferenz sehr schnell in Interesse und größtes Engagement umschlagen können.

Da ich als Schulpädagoge und Herausgeber von Lehrwerken es mir nicht nehmen lasse, selbst ein wenig zu unterrichten, erlebe ich die oben beschriebenen Zustände hautnah und komme natürlich auch regelmäßig mit Schülern ins Gespräch. So konnte ich recht schnell die Klasse 8 a der „Neubauer-OS“ in Kirchberg, einer Kleinstadt am Fuße des westsächsischen Erzgebirges, für das dreitägige Projekt „Nisthilfen für Wildvögel“ begeistern. Die Schulleitung gab sofort grünes Licht, und weitere Partner waren schnell gefunden.

Sie finden den Artikel spannend und möchten ihn gern weiterlesen?
Dann lohnt es sich, das ganze Heft zu kaufen.