Duftende Riesen
| Text: Ilka Dorn |
Bienen, Schwebfliegen und zahlreiche Käfer tummeln sich an ihren imposanten Blütendolden. In feuchten Wiesen und lichten Wäldern ragt sie oft mannshoch empor. Die Wald-Engelwurz ist eine wertvolle Insektenweide, ein traditionelles Heilkraut und eine aromatische Wildstaude zugleich. Doch trotz ihrer auffälligen Erscheinung bleibt sie meist unbeachtet – und wird nicht selten mit ihren giftigen Verwandten verwechselt.
Wer im Hochsommer an Bachläufen, Waldrändern oder in feuchten Wiesen unterwegs ist, begegnet ihr häufig, ohne sie bewusst wahrzunehmen: Die Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) wächst kraftvoll in die Höhe und erreicht nicht selten zwei Meter. Ihre hohlen, gerillten Stängel tragen große, kugelige Dolden aus zartrosafarbenen bis weißlichen Blüten. Zwischen Gräsern und Stauden wirkt sie beinahe majestätisch. Dabei ist sie keineswegs eine Pflanze, die sich in den Vordergrund drängt. Vielmehr fügt sie sich harmonisch in naturnahe Landschaften ein und bereichert sie auf stille Weise.
Kaum eine heimische Wildpflanze bietet im Hochsommer so vielen Insekten Nahrung wie die Wald-Engelwurz. Bienen, Schwebfliegen, Wespen und zahlreiche Käferarten besuchen ihre nektarreichen Blüten. Auch Schmetterlinge nutzen die großen Dolden als willkommenen Rastplatz. Weil die Blütezeit bis weit in den Oktober hinein reicht, liefert sie selbst dann noch Nahrung, wenn viele andere Wildpflanzen bereits verblüht sind. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt in unseren Wäldern und Wiesen.
Schon seit Jahrhunderten schätzt man verschiedene Engelwurz-Arten als Heilpflanzen. Während vor allem die Arznei-Engelwurz medizinisch genutzt wird, besitzt auch die Wald-Engelwurz aromatische Inhaltsstoffe. Ätherische Öle sowie Bitter- und Gerbstoffe verleihen ihr den charakteristisch würzigen Duft. In der Volksheilkunde wurden Wurzeln und Samen traditionell zur Förderung der Verdauung sowie bei Erkältungsbeschwerden verwendet. Heute spielt sie in der modernen Pflanzenheilkunde zwar nur noch eine untergeordnete Rolle, gilt aber weiterhin als interessante Wildpflanze mit langer Tradition.