Feldscheunen sind Rückzugsorte

| Text: Willi Rolfes |

Feldscheunen sind wertvolle Rückzugsorte für Tiere in der Kulturlandschaft. Sie bieten Schutz, Nist- und Jagdmöglichkeiten sowie Lebensraum für Steinkauz, Schleiereule, Turmfalke oder den Steinmarder. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Über Jahrhunderte hinweg hat die Landwirtschaft in Deutschland eine Kulturlandschaft geschaffen, die durch ihre Vielfalt geprägt war. Äcker, Wiesen, Weiden, Hecken, Feldraine und kleine Gehölze bildeten ein engmaschiges Netz unterschiedlicher Lebensräume. Durch Ackerbau und Beweidung hielten Landwirte die Landschaft offen und verhinderten, dass sich wieder großflächig Wald ausbreitete. So entstand eine reich strukturierte Landschaft, die unzähligen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bot.

Heute jedoch verändert sich diese Kulturlandschaft in rasantem Tempo. Die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft, immer größere Schläge und der Verlust vieler Strukturelemente führen dazu, dass Lebensräume verloren gehen. Hecken werden gerodet, Ackerränder beseitigt und Brachen umgebrochen. Mit ihnen verschwinden auch zahlreiche Insekten, Vögel und Wildtiere, die auf diese Strukturen angewiesen sind. Eine der sichtbarsten Veränderungen in vielen Regionen ist das Verschwinden der alten Feldscheunen.

Bis weit in die 1980er-Jahre hinein prägte die Grünlandbewirtschaftung das Landschaftsbild vieler Gegenden. Im Frühjahr, wenn die Nachtfröste vorbei waren, wurde das Milchvieh auf die Weiden getrieben. Zunächst auf die hofnahen Flächen, später auf weiter entfernte Weiden. Dort blieben die Tiere oft über längere Zeit, während die Landwirte täglich zu den Weiden fuhren, um zu melken und nach dem Vieh zu sehen.

 

Für diese Bewirtschaftungsform waren kleine Feldscheunen oder Weideschuppen unverzichtbar. Sie boten Schutz bei schlechtem Wetter und dienten als Lager für Heuwender, Zaunpfähle oder Werkzeug sowie zur Aufbewahrung allerlei Materialien des täglichen Betriebs. Auf den Dachböden wurde häufig Heu oder Stroh gelagert. Gleichzeitig waren diese Gebäude aber weit mehr als reine Zweckbauten. Weil sie nur gelegentlich betreten wurden und mitten in der offenen Landschaft lagen, entwickelten sie sich zu wertvollen Rückzugsorten für zahlreiche Tierarten.

Über Generationen hinweg gehörten Feldscheunen selbstverständlich zum Bild der Kulturlandschaft. Heute stehen viele von ihnen leer oder verfallen. Mit ihrem Verschwinden gehen jedoch auch wichtige Kleinbiotope verloren. Gerade in intensiv genutzten Agrarlandschaften sind diese Gebäude oft die letzten „Trittsteinbiotope“, die Tieren Schutz, Nahrung und Fortpflanzungsmöglichkeiten bieten.

Vor allem Vögel profitieren von den alten Gebäuden. Arten wie Turmfalke, Schleiereule, Steinkauz oder Rauchschwalbe finden in ihnen ideale Brutplätze, denn in der offenen Landschaft fehlen natürliche Höhlen und Nischen inzwischen vielerorts. Feldscheunen ersetzen diese Strukturen und schaffen neue Lebensräume.

Doch nicht nur Vögel, sondern auch zahlreiche andere Tiere finden hier Unterschlupf. So dienen die dunklen und geschützten Dachräume Fledermäusen als ideale Ruhequartiere. In den Holzkonstruktionen leben Insekten, Spinnen und Kleinsäuger. Steinmarder nutzen die Gebäude als Versteck, während sich in Lesesteinhaufen oder Holzlagern häufig Igel und Hermeline ansiedeln. Mäuse finden dort ebenfalls Schutz und dienen wiederum Greifvögeln und Eulen als Nahrungsgrundlage. Auf diese Weise entstehen kleine, funktionierende Lebensgemeinschaften mitten in der Agrarlandschaft.

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