Gutes Rezept, beste Zutaten, perfekte Zubereitung

| Text: Dr. Wolfgang Fleck |

Marko Frühauf hat einen Repetierer entwickelt. Nur auf den ersten Blick mutet er an wie ein Mauser 98, doch auf den zweiten enthüllt er viele überraschende Details eigener Art. Dr. Wolfgang Fleck hat die Frühauf’sche Werkstatt in Rappelsdorf bei Schleusingen besucht und die Büchse aus hauseigener Produktion näher besehen.

In der Gegend von Rappelsdorf am Südhang des Thüringer Walds gibt es im Frühjahr Grün in allen Tönen: das Hellgrün der Wiesen, der Chartreuse-Ton der Mischwälder, das Dunkelgrün der Fichten. Rapsfelder erstrecken sich in fast unendliche Weite. Unter dem Himmel treibt der Wind Quellwolken vor sich her. Der Grund und Boden ist jahrtausendealt, die Gegend kulturell reich. Kloster Veßra ist unweit gelegen; die Werra fließt in der Nähe. Am Horizont ahnt man Schleusingen, den kleinen, hübschen Ort mit Schloss Bertholdsburg, seinem Wahrzeichen.

Ein kleines Sträßchen führt in den Ortskern von Rappelsdorf, dann geht es scharf nach rechts in die Alte Dorfstraße hinein. Der Name könnte kaum passender sein. Geradezu idyllisch muten die alten Bauernhöfe an. Ein Hund begrüßt mich mit lautem Gebell, dann verstummt er. Hausnummer 18 ist mein Ziel. Im Hof steht ein Wagen, ich lese einen Aufkleber „Frühauf – Erfolgreich jagen“ und weiß, dass ich richtig bin. Meine Schritte im Kies haben mich längst verraten, denn die Tür schwingt auf, ohne dass ich den Klingelknopf drücken muss. „Erster Stock bitte“, höre ich eine männliche Stimme: Marko Frühauf.

Die Werkstatt

Natürlich weiß er, dass den Besuch die Werkstatt interessiert. Er zeigt mir seine Arbeitsgeräte. Eine Drehbank von 1932 ruht im Halbdunkel. Die Werkbank samt Schraubstock ist am Fenster platziert. Ein Arrangement von Zangen, Fischhautfeilen und einem Messschieber hängt an der Wand. In den Waffenständern aus Holz stehen Repetierer und Drillinge; daneben entdecke ich eine Doppelbüchse aus eigener Fertigung. Schlank und elegant wirkt sie. Sie hat, wie mir Marko Frühauf erklärt, Anson-Schlosse mit oben liegenden Abzugsstangen. Es ist seine persönliche Jagdwaffe. Ihre Seitenplatten hat sein Bruder Hendrik graviert. Auf der einen Seite ist Schloss Bertholdsburg zu sehen, auf der anderen ein Bauer, der seinen Acker mit Pferd und Pflug bestellt. „Mein Großvater“, erklärt Marko. „Die mütterliche Linie der Frühaufs kommt aus der Landwirtschaft – und wir stehen zu unserer Herkunft.“

Auf der Werkbank entdecke ich ein Seitenschloss der Sauer & Sohn Modell 19 – heute als Meisterwerkflinte bekannt. Frühauf baute die Waffe für Sauer; er hat die Konstruktion wiederbelebt und modifiziert. Das weißfertige Schloss ist nicht nur technisch exquisit, sondern auch schön anzusehen. „Das wohl beste Seitenschloss. Die Geometrie basiert auf dem Satz des Thales. Viel raffinierter als das Holland & Holland“, meint Frühauf trocken. Auch eine Kipplaufwaffe mit dem heute kaum noch bekannten Eckhold-System – quasi der deutsche Self Opener – ist gerade in der Fertigung. „Es ist alles bereits da gewesen. Unsere Vorväter haben Bahnbrechendes geschaffen.“ So reizvoll es wäre, weiter zu plaudern, sich in Geschichte, Technik und Details des Waffenbaus zu verlieren – wir müssen zum Thema kommen. Es soll um die hauseigene Konstruktion gehen: die Frühauf’sche Repetierbüchse.

Die Frühauf’sche Repetierbüchse

„Als gebürtiger Suhler gilt mein Interesse seit jeher mehr den Kipplaufwaffen, nicht zuletzt auch wegen der großen Suhler Tradition in diesem Bereich. Doch spürte ich den Trend hin zur praktischen Ausrüstung. Kunden denken zunehmend pragmatisch, sie wollen Schalldämpfer nutzen. Ich habe einmal eine Holland & Holland Doppelbüchse aufgearbeitet. Als der Auftraggeber die Büchse mit überholtem System und frischer Fischhaut zurückbekam, hörte ich: ‚Nun kann sie ja wieder in den Schrank.‘ Ich war perplex und fragte: ‚Und was bitte nehmen Sie dann zum Jagen?‘“ Frühauf pausiert. „‚Einen Repetierer mit Kunststoffschaft‘ war die Antwort.“

Marko schüttelt sacht den Kopf. „Waffen sollen benutzt werden, sie sind keine Museumsstücke.“ So kam ihm die Idee, für seine Kunden einen eigenen Repetierer zu bauen. Und da es im Hause Frühauf im Bereich der Repetierbüchsen keine bestimmte Tradition gebe, der man verpflichtet sei, dachte er sich: „Bau doch die Büchse für deine Kunden genau so, wie du sie dir selbst bauen würdest.“ Das ist eine persönliche Idee – und eine fruchtbare dazu, denn sie hat zwei Paten: den Büchsenmachermeister und den Jäger Frühauf. Der Büchsenmacher hat mittlerweile 30 Jahre Berufserfahrung und weiß genau, was sich bewährt hat.

Marko errät meine erste Frage, ohne dass ich sie aussprechen muss: Warum keinen Mauser? „Beim 98er störten mich seit jeher zwei Dinge: der Öffnungswinkel und das dort zumeist verbaute Klappdeckelmagazin. Praxisgerecht scheint mir allein ein entnehmbares Magazin. Es ist einfach umständlich, die Waffe nach der Jagd über den Klappdeckel oder von oben her zu entladen – und womöglich nach Patronen suchen zu müssen, die zu Boden gefallen sind.“ Auch der Öffnungswinkel des Verschlusses sollte kleiner werden. Mit 60 Grad habe man einfach mehr Raum für die Okulare moderner Zielfernrohre mit niedriger Montage, die für einen perfekten Anschlag erforderlich ist. Damit war auch eine weitere Entscheidung vorgezeichnet: Die lange Auszieherkralle des 98ers würde wegfallen. „Das ist gewiss kein Nachteil. Der lange Auszieher des 98ers ist meiner Meinung nach überbewertet – der kurze ist millionenfach bewährt und ebenso zuverlässig.“

Das Magazin ist ein Serienprodukt, aus hochfestem Kunststoff, doch Frühauf belässt es nicht dabei. Seine Magazine bekommen einen massiven Stahlboden, der – je nach Wunsch – auch aufwendig graviert werden kann. Weit über 80 Prozent der Systemteile werden inhouse gefertigt.

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