Vom Wert der Zeit
„Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit“ Dieses Zitat aus Wilhelm Buschs Bildergeschichte „Julchen“ (1877) hat bis heute nicht an Aktualität verloren. Es beschreibt treffend das weitverbreitete Empfinden, dass Zeit immer schneller zu vergehen scheint – besonders in stressigen Phasen oder gegen Jahresende. Auch wir Jäger leben in einer wechselhaften Beziehung zur Zeit: Draußen in der Natur, in unserem Mikrokosmos, scheint sie mitunter stillzustehen, während sie um uns herum – in Abhängigkeit von Umwelt, Gesellschaft und Politik – unaufhaltsam weitereilt. Umso wichtiger ist es, die Zeit bewusst wahrzunehmen und ihren Wert zu erkennen, denn sie ist kein unerschöpfliches Gut. In einer Welt, in der Termine, Verpflichtungen und digitale Reize unseren Alltag durchdringen, verliert der einzelne Moment häufig an Bedeutung. Wir hetzen von Aufgabe zu Aufgabe und verlernen dabei, im Hier und Jetzt zu verweilen. Zeit wird zu etwas, das uns antreibt oder belastet – statt zu etwas, das wir selbstbestimmt und bewusst erleben können.
Für uns Jäger jedoch eröffnet sich eine andere Dimension der Zeit. Wenn wir im Morgengrauen lautlos durch den Wald pirschen, den Tau auf den Blättern sehen und dem ersten Vogelruf lauschen, ändert sich unser Zeitgefühl grundlegend. Hier zählt nicht der Takt der Uhr, sondern der Rhythmus der Natur: das langsame Wandern der Sonne, der Wechsel der Jahreszeiten, das Kommen und Gehen des Wildes. In solchen Momenten wird deutlich, dass Zeit nicht nur messbar, sondern erlebbar ist. Eine Stunde auf dem Ansitz kann sich anfühlen wie ein Augenblick – oder wie eine Ewigkeit. Minuten erhalten Gewicht, wenn sie mit Bedeutung gefüllt sind: durch eine Bewegung im Dickicht, einen wohlüberlegten Schuss oder das stille Sitzen in der Dämmerung.
Der wahre Wert der Zeit liegt daher nicht allein in ihrer Knappheit, sondern in ihrer Qualität. Es liegt an uns, ob wir sie nur verstreichen lassen oder ihr durch Achtsamkeit und Präsenz Bedeutung verleihen. Zeit ist das kostbarste Gut, über das wir verfügen – und jeder bewusst erlebte Augenblick ist ein Geschenk.
Unser Geschenk an Sie: die 60. Ausgabe der HALALI, liebevoll von unserem Team zusammengestellt. Wie gewohnt erwartet Sie ein Füllhorn spannender Themen rund um Jagd, Natur und jagdliche Lebensart. Lassen Sie sich entführen – vom Schwarzwild über die Bärenjagd bis hin zu Jagd-historischem und zeitloser Waffengeschichte.
Wir besuchen eine traditionelle Messerschmiede, stellen den neuen Defender in einem kurzen Praxisbericht vor und beleuchten das wichtige Thema behördlicher Waffenkontrollen in unseren vier Wänden. Auch der Jagdhundeteil ist wieder reichhaltig, lehrreich und informativ. In Sachen Natur widmen wir uns dem bewussten Umgang mit unseren energetischen Ressourcen und der Naturbildung unserer Jüngsten.
Zur jagdlichen Lebensart gehört untrennbar auch die Fischwaid – begleiten Sie uns auf eine erlebnisreiche Angelreise nach Slowenien. Kulinarische Highlights runden die Ausgabe ab: Jäger und Metzgermeister Karl Schmid präsentiert DIE Jagdwurst, und unsere Rezept-Höhepunkte aus 15 Jahren HALALI werden neu für Sie inszeniert.
Nehmen Sie sich Zeit, leben Sie bewusst, genießen Sie den Moment – mit Blick auf die Zukunft. Das Team der HALALI wünscht Ihnen Gesundheit, Waidmannsheil und unvergessliche Momente in der Natur.

Ihr
Oliver Dorn | Chefredakteur















