Barnsfold Buzzers – die Nymphen von Barnsfold

| Text: Stephen Smalley |

Das Frühjahr ist die richtige Zeit, um die Fliegenboxen mal wieder abzustauben und sich auf einen etwas anderen, einen mehr auf Imitation abstellenden Stil vorzubereiten. Denn jetzt sind die ersten Nymphen im Wasser, genauer gesagt Mückenlarven. HALALI-Autor Stephen Smalley verrät einige seiner Tipps und Taktiken.

Im Schatten des Beacon Fell in Lancashire liegt Barnsfold Waters, ein beliebtes Fischwasser. Es besteht aus zwei Seen, Barns und Beacon, jeder in etwa 4,5 ha groß. Beacon ist der ältere der beiden Seen, er wurde im Jahre 1882 angelegt, ursprünglich als Reservoir für das nahe gelegene Krankenhaus in Whittingham und für einige Bauernhöfe in der Umgebung. Barns kam 1911 dazu, um die Kapazität zu erhöhen. Die beiden Seen sind im Durchschnitt 4 m tief und weisen eine reiche Vielfalt an Insekten auf: Mücken, Köcherfliegen, Wasserjungfern, Eintagsfliegen und Bachflohkrebse stehen hier auf der Speisekarte, und selbst an den kältesten Tagen des Jahres schlüpft hier noch irgendwas. Das macht Barnsfold Waters zu einem idealen Revier für Fliegenfischer. 1984 übernahm Frank Casson die beiden Seen und schuf aus ihnen ein Forellenparadies. Frank und sein Sohn Richard sind eigentlich immer vor Ort und haben neben Rat und tatkräftiger Hilfe hinsichtlich guter Fangplätze oder perfekter Fliegenmuster immer Zeit für eine kleine Plauderei und den Austausch von Fischerlatein. Die Preise sind fair und so gestaltet, dass für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei ist.

Fischen mit der Sinkschnur

Barnsfold bietet über den ganzen Winter und bis ins Frühjahr hinein mehrere Möglichkeiten, was Taktik anbetrifft. Die meisten Fischer hier arbeiten mit sinkenden oder halbsinkenden Schnüren, an denen sie ihre Muster präsentieren. Diese Taktik funktioniert zuverlässig und bringt gute Fänge, aber sie sorgt auch dafür, dass die Forellen größere Fliegen, die gezupft oder im Dreggen präsentiert werden, sehr vorsichtig beäugen. Wenn man sich den ein oder anderen grellen Köder besieht, der hier zum Einsatz kommt, wird klar, warum die Fische mit der Zeit eher auf eine subtilere, mehr auf Imitation setzende Herangehensweise reagieren – insbesondere die älteren und aktiveren Exemplare. Dennoch sehe ich nur wenige Fischer, die die letztere der beiden Methoden anwenden – die meisten bleiben beim Gewohnten, Bequemen, was ihnen ein oder zwei Fische an den Haken bringt. Wobei eine intensivere Beschäftigung mit der Nymphe, der Zuckmücke aka „Buzzer“, verlässlichere und reichere Resultate bescheren würde.

„Straight Line“ und „Washing Line

Wenn ich für einen Tag nach Barnsfold komme, bleibe ich erst einmal einige Minuten beim Auto stehen, schlürfe einen heißen Kaffee und genieße ein warmes Sandwich, das ich mir unterwegs gekauft habe. Dabei beobachte ich den See: Wo stehen, wo jagen Fische, sind Fliegen in der Luft, was macht der Wind, was machen die anderen Fischer, was fangen sie und – noch wichtiger – wo fangen sie? Ein kurzer Blick auf die Anzeigetafel mit den letzten Fängen zeigt mir einen kurzen Abriss dessen, was hier in den vergangenen Tagen los war. So bereite ich dann meine Ausrüstung vor: Ich nehme grundsätzlich zwei unterschiedlich bestückte Ruten mit. Damit habe ich mehr Möglichkeiten und kann nötigenfalls sofort meine Taktik ändern. Die erste Rute, eine 10ft 7wt Vision XO, trägt eine Schwimmschnur für das Fischen mit der Nymphe an gestreckter Schnur. Die zweite Rute des gleichen Typs rüste ich dagegen für die „Washing Line“-Taktik aus (Anm. d. Übersetzers: „Wäscheleine“ – auftriebstarkes Muster an der Vorfachspitze, Nymphen an Springern): vorn ein dickes, grelles Muster und Buzzer an den Springern. An einem Wasser wie Barnsfold sind die Springer um die 20 cm lang. Diese Taktik wende ich häufig an, wobei ich mehrere Schnüre ausprobiere, bis ich die finde, die mir die passende Präsentation und Tiefe ermöglicht. Normalerweise nehme ich eine Midge-Tip-Schnur oder eine mit 2 m langem langsam sinkendem Kopf. Wichtig ist auch, wie man das System aufbaut: Auf beiden Ruten ist es für drei Köder ausgelegt. Dafür verwende ich 8lb Rio Fluorex als Vorfachspitze, die ist einerseits zuverlässig, andererseits aber auch fein genug, um Buzzer oder Nymphen in kristallklarem Wasser anzubieten. Das System für die „Washing Line“ ist 5,5 m lang, die Springer gehen bei 2 und 3,5 m seitlich ab. Das System ist also etwas länger, ich persönlich bevorzuge diese Variante. Für „Straight Line“ kürze ich auf 3,5 m, Springer bei 1,2 m und 2,4 m.

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