Bienenfreundlich und schmackhaft

| Text: Gabriele Metz |

Viele halten sie angesichts ihres üppigen Auftretens für banales Unkraut. Doch weit gefehlt: Die Weiße Taubnessel besitzt Eigenschaften, die den Gaumen erfreuen und sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Ihr milder Geschmack erinnert an frische Champignons, und damit macht sich die Weiße Taubnessel bestens in knackigen Salaten, bei der Verfeinerung von Suppen und als zarte Gemüsebeilage. Doch Lamium album, das bereits die Äbtissin und Heilkräuterkundige Hildegard von Bingen schätzte, besitzt noch weitaus mehr verführerische Eigenschaften: Die honigsüßen Blüten verfeinern raffinierte Desserts und verwöhnen als dekorative Salatbeigabe zugleich Augen und Gaumen. Natürlich stand die Taubnessel sowohl bei der berühmten Benediktinerin, bei Sebastian Kneipp als auch bei dem Schweizer Kräuterpfarrer Künzle nicht umsonst hoch in der Gunst. Ihre adstringierende, blutreinigende, blutstillende und entzündungshemmende Wirkung ist seit Jahrhunderten bekannt – dank ihrer wertvollen Inhaltsstoffe wie freier Aminosäuren, Saponine, Gerbstoffe, ätherischer Öle, Flavonglykoside, Schleimstoffe und Kohlenhydrate. In der Naturheilkunde werden ausschließlich die Blüten der Taubnessel verwendet, während sich für die Verwendung in der Küche auch fast alle anderen Teile eignen. Selbst die Wurzeln der neuen Triebausläufer lassen sich im Herbst genüsslich knabbern oder als knackige Überraschung in den Salat schnippeln. Auch lohnt es sich, die Blütensamen zu sammeln, die sich in den Blütenkelchen befinden. Sie sind bestes Saatgut für frische Keimlinge, die nicht nur kerngesund, sondern auch noch ausgesprochen schmackhaft sind.

Doch nicht nur der Mensch greift traditionell zur Taubnessel, wenn er an Blähungen, Hautproblemen, Husten, Menstruationsbeschwerden, Sonnenbrand bzw. thermischen Verbrennungen leidet. Die heimische Wildstaude, die zur üppigen Ausbreitung neigt, ist eine beliebte Pollen- und Nektarpflanze für Honig-, Wildbienen und Hummeln. Deshalb ist sie auch unter dem Namen „Bienensaug“ bekannt. Auch Schmetterlinge laben sich an der Taubnessel. Und Ameisen wissen sie ebenfalls zu schätzen. Sie sammeln die Samen mit den nährstoffreichen Anhängseln und sorgen so für die Verbreitung der in ganz Europa – und sogar bis zum Himalaya – verbreiteten Pflanze, die im jungen Stadium der Brennnessel ähnelt. Wobei die Taubnessel eine sanftere Ausstrahlung hat, zumal sie auch keine Brennhaare besitzt – eine Eigenschaft, die ihr den Namen „zahme Nessel“ bescherte.

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