Bilder vom Jagen

| Text: Gabriele Metz |

Aufgewachsen in einer Jäger- und Künstlerfamilie in Oberbayern, entwickelte Nikolaus Alexander Fegert schon früh seine Leidenschaft für Natur, Jagd und Hund – und für die Fotografie. In seinem Bildband „Waidwerk – Bilder vom Jagen“ erzählt er mit seinen Fotos, was es bedeuten kann, als Jäger die Natur zu erspüren.

Seine Fotos lassen den Betrachter innehalten. „Waidwerk – Bilder vom Jagen“ lautet der Titel des einzigartigen Bildbands, der all das widerspiegelt, was Nikolaus Alexander Fegert verspürt, wenn er gemeinsam mit seinem Deutsch-Langhaar-Rüden Josef mit Büchse, Rucksack und Kamera durch die Natur streift. Die Fotos gehen unter die Haut, machen die Kälte, den Wind, die Strapazen körperlich spürbar. Mal orientiert sich ein junger Terrier auf einer Drückjagd im Winter. Mal blickt der Betrachter ins Auge eines Europäischen Bisons. Dann zeichnet sich die Atemluft Josefs im kalten Morgennebel ab. Ungewöhnliche Perspektiven, spektakuläre Ansichten, hochemotionale Momente. „Waidwerk“ entführt in eine Welt, in der Liebe und Respekt die Hauptrolle spielen. Liebe und Respekt für die Natur, die uns umgibt, und für all die wunderbaren Lebewesen, die darin leben. Reisen Sie mit zur Jagd im Wald, im Feld und am Wasser, zur Jagd im Berg, erleben Sie Jagdhunde und die nasse Waid. Fegerts Fotos sind mehr als nur schöne Naturaufnahmen – sie sind Kunstwerke. Wir sprachen mit dem Mann, der die Magie der Jagd und der Wildnis so gekonnt mit seiner Kamera einfängt.

Die Liebe zu Hunden entwickelte sich bereits in der Kindheit mit Mischlingshündin Tilla, der erste Griff zur Kamera erfolgte erst viele Jahre später, die Jagdpremiere entpuppte sich als Sumpfwanderung, und das erste eigene Revier versetzte Nikolaus Alexander Fegert in wahre Euphorie. Der Sohn zweier Architekten wuchs in einem kunst- und naturverbundenen Umfeld auf. Der niederländische Maler und Zeichner Rien Poortvliet beeinflusst noch heute Fegerts Fotografie. Das Waidwerk erleben, eigene Grenzen austesten und mit der Kamera das einfangen, was die Leidenschaft des Jagens ausmacht. All das treibt den gebürtigen Oberbayern an, der seine emotionalsten Momente bei der Nachsuche mit seinem geliebten Deutsch-Langhaar-Rüden Josef erlebt und nichts auf der Welt eintauschen würde gegen dieses einzigartige Erspüren der Natur. Der bestätigte Nachsuchenführer und Jagdhundeausbilder verriet uns, weshalb er die Jagd im Wald für eine der anspruchsvollsten Aufgaben hält und warum die Stille im Wald, die er nach der Erlegung seines Weggefährten „Herzog“ erlebte, für immer unvergessen bleibt.

Wann hielten Sie die erste Kamera in Ihren Händen?

Fegert: Erst relativ spät. Auch wenn der Wunsch stets existierte, so blieb es lange nur ein Wunsch. Somit zeichnete ich erst einmal viel und tobte mich anderweitig kreativ aus. Erst zu meinem ersten Studium zum Mediendesigner bekam ich eine Kamera. Ab da begleiteten mich diese Kamera und ihre Nachfolger überallhin.

Wann ging es zum ersten Mal zur Jagd?

Fegert: Auch wenn die Jagd in meiner Familie nach wie vor allgegenwärtig ist, so war meine erste eigene jagdliche Erfahrung eine Wildschweinjagd auf Neuseelands Südinsel – vor über 15 Jahren. Diese Jagd stand in der Ausübung in absolutem Kontrast zu der waidmännischen Jagd, die ich heute ausführe und auch verehre.

Welche Eindrücke dieser ersten Jagd haben Sie noch heute vor Augen?

Fegert: Wir sahen nichts und erlegten folglich auch nichts. Dennoch bin ich froh, diese Art des Jagens kennengelernt zu haben. Erst vor etwa elf Jahren bot sich meinem Cousin, ein paar Freunden und mir die Chance eines eigenen Reviers. Das erste Stück im eigenen Revier zu erlegen war eine ganz besondere Erfahrung. Im Alter von 25 bis 30 Jahren erfasste uns glühende Leidenschaft.

Gab es Vorbilder – Hundeführer, Jäger, Fotografen –, die Ihre Leidenschaft für all das, was Sie heute beflügelt, entfachten?

Fegert: Besondere Menschen und Wegbegleiter bereicherten mein Leben und entwickelten sich auch zu Vorbildern. Ich fühle mich sehr mit Jägern verbunden, die auf technische Hilfsmittel bei der Jagd oder der Hundeausbildung verzichten und dies durch Wissen und Handwerk kompensieren. Im Tiroler Verwall durfte ich mit einem Dreigespann an Jägern über ein Jahrzehnt erfahren, was wahre Jagdkameradschaft bedeutet. Natürlich ist mein Onkel Bernd E. Ergert, der ehemalige Direktor des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums in München, jemand, der mir vorlebte, was es bedeutet, sein Leben dem Waidwerk zu verschreiben. Als weiterer Nachsuchenführer der Familie rückt er heute noch auf unzählige Nachsuchen aus und führt im hohen Alter seine Hündin Eibe auf der Hauptprüfung. Das künstlerische Vorbild ist Rien Poortvliet. Sein Buch „Rückwechsel“ verschlang ich schon als Kind, und seine Bilder sind gewaltig. Tatsächlich ist seine Farbgebung, auch wenn sie einem anderen Medium entstammt, eine große Inspiration für meine Fotografien.

Was fasziniert Sie besonders an der Jagd im Wald?

Fegert: Die Jagd im Wald ist sicherlich eine der anspruchsvollsten Jagden. Das Wild hält sich ungestört in seinen Einständen auf, und die meisten Menschen nehmen es so nicht einmal wahr. Abends und in der Früh erwacht dann der ganze Wald und macht sichtbar, was den ganzen Tag im Verborgenen lebt. Und gerade dieser Ablauf macht diese Jagd so anspruchsvoll, denn verhalte ich mich als Jäger falsch und bejage an den falschen Stellen zur falschen Zeit, wird das Wild immer heimlicher, und der Wald wirkt wie ausgestorben. Wer vernünftig im Wald jagt, erlebt aber eine ganz besonders mystische Jagd, fern von Hektik und Alltag. Was im Feld und am Berg zu bestimmten Zeiten oft sichtbar ist, muss ich im Wald erst sichtbar machen. Leider Gottes ist genau das auch der Grund für Entwicklungen, die mir persönlich keine Freude bereiten.

Welches sind die größten Herausforderungen der Jagd im Feld und am Wasser?

Fegert: Die Jagd im Feld und am Wasser ist sicherlich nicht das Steckenpferd der meisten Oberbayern. Somit ist es tatsächlich ein unglaublicher Luxus, dass sich bei uns im Revier auch ein großes Gewässer befindet. Toll und herausfordernd finde ich hier einfach die Arbeit der Hunde, die man dort vor und nach dem Schuss einsetzt. Anders als bei einem Ansitz ist die Jagd ohne den Hund einfach nicht durchführbar. Arbeiten die Hunde erfolgreich die Schilfgürtel durch, ist vom Schützen anschließend eine schnelle Reaktion gefordert, und er sollte zudem ein guter Flintenschütze sein. Auch gilt es – besonders bei der Jagd auf Gänse –, sehr auf Deckung zu achten. Und hat man getroffen, geht wieder die Arbeit der Hunde los. Ohne guten Hund sind diese Jagden einfach nicht durchführbar.

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