Brennen für den Moment
| Text: Theo Fischer |
Seit sechzig Jahren verbindet das Familienunternehmen Bimmerle handwerkliche Präzision mit unternehmerischem Weitblick, regionale Verwurzelung mit internationaler Markenwelt. Es ist die Geschichte über das Brennen – und über die Menschen, die dafür brennen.
1966 gründete Günter Bimmerle, selbst passionierter Jäger, sein Unternehmen. Doch seine ursprüngliche berufliche Heimat war das Küferhandwerk. Er baute Fässer, setzte Dauben ein, spannte Ringe und wusste, dass ein Fass mehr ist als nur ein Behälter. Holz arbeitet, es atmet, es formt den Inhalt mit. Wer Fässer baut, versteht Reifung. Wer mit Holz umgeht, lernt Geduld. Und vielleicht war es genau dieses Wissen um Material, Maß und Zeit, das ihn eines Tages bewogen hat, nicht mehr nur Gefäße zu fertigen, sondern deren Inhalt selbst zu erschaffen.
Die ersten Brände entstanden in einer Garage. Kein romantischer Mythos, sondern der nüchterne Beginn eines klaren Gedankens. Während viele Schwarzwälder Brennereien traditionell im Nebenerwerb arbeiteten und überschaubare Mengen produzierten, dachte Bimmerle größer. Er wollte Strukturen schaffen, Prozesse entwickeln, Qualität skalieren, ohne den handwerklichen Kern zu verlieren. Aus dieser Garage erwuchs über Jahrzehnte eine Organisation, die heute als größte Verschlussbrennerei Europas gilt – eine zentral organisierte, industriell arbeitende Brennerei mit eigener Abfüllung und geschlossener Produktionskette.

Bereits früh setzte man auf Expansion. 1985 wurde die Brennerei Sutterer übernommen, später kamen weitere Marken hinzu, darunter Lörch. Entscheidender als einzelne Namen war jedoch eine strategische Weichenstellung, die den Charakter des Unternehmens nachhaltig prägte: der Eintritt in den Private-Label-Bereich.
Private Label bezeichnet die Herstellung von Spirituosen für andere Unternehmen, die diese unter eigener Marke vermarkten. Der Verbraucher sieht das Etikett des Händlers, nicht den Namen des Produzenten. Doch hinter jeder Flasche stehen Rezeptur, Destillation, Abfüllung und Qualitätskontrolle aus Sasbach. Diese Form der Zusammenarbeit verlangt höchste Präzision, denn große Volumina müssen mit absoluter Konstanz produziert werden. Gleichzeitig erfordert sie innere Stärke, weil man Verantwortung für ein Produkt trägt, ohne selbst im Vordergrund zu stehen. Gerade in dieser verlässlichen Arbeit im Hintergrund zeigt sich unternehmerische Reife.
Der Schwarzwald blieb stets der originäre Bezugspunkt des Unternehmens. Nicht als Kulisse fürs Marketing, sondern als Herkunftsort – im rechtlichen wie im kulturellen Sinn. Schwarzwälder Obstbrände tragen eine gesetzlich geschützte Herkunftsbezeichnung. Die Früchte müssen aus der Region stammen, die Destillation und Abfüllung ebenfalls. Wo Schwarzwald draufsteht, ist auch Schwarzwald drin.
Bimmerle besitzt keine eigenen Streuobstwiesen. Die Früchte kommen von Obstbauern der Region. Kirschen mit dunkler, fast seidiger Süße. Mirabellen, die in der Sonne der Ortenau goldgelb gereift sind. Zwetschgen, deren Duft zwischen Mandelkern und reifer Pflaume schwingt. Diese Verbindung zwischen Landschaft, Landwirtschaft und Brennkunst ist natürlich gewachsen. Sie ist kein Marketingversprechen, sondern gelebte Praxis.

