Der gelbe Hustenstiller

| Text: Annette Feldmann |

Den Huflattich empfahlen bereits die Römer als Mittel gegen Husten, und auch heute noch wird er als Saft oder Tee zur Unterstützung der Atemwege eingesetzt. Seine leuchtend gelben Blüten kündigen als eine der ersten Pflanzen im Jahr den Frühling an.

Bei derart markant geformten Laubblättern konnte es ja nur ein Name werden: Huflattich. Der Wortteil „Lattich“ stammt aus dem Lateinischen (lapathum) und bezeichnet großblättrige Pflanzen. Bekannt ist die Pflanze in verschiedenen Regionen jeweils als Pferde- oder Fohlenfuß, Eselslattich, Hufblatt, Rosshuf oder auch Hufele. Weitere volkstümliche Namen beziehen sich auf die naturheilkundliche Wirkung des Huflattichs – in erster Linie wurde und wird er bei Husten und Bronchitis angewendet. So heißt er denn auch manchmal Brustlattich, Hustenkraut oder gar Doktorbliemli.

Der lateinische Name Tussilago farfara verweist ebenfalls auf die Wirkung des Huflattichs: „tussis“ bedeutet „Husten“, und „agere“ heißt „vertreiben“. Der Zusatz „farfara“ setzt sich wahrscheinlich aus der Kombination der Wörter „Mehl“ („far“) und „tragen“ („ferre“) zusammen – ein Hinweis auf den weißen, filzigen Überzug auf den Unterseiten der gezahnten, bis zu 20 Zentimetern breiten Laubblätter. Diese weiche Unterseite ist übrigens auch bei Wanderern beliebt, die im Wald ihr Geschäft verrichten und kein Toilettenpapier zur Hand haben.

Bereits die Römer und Griechen empfahlen Huflattich als Hustenarznei, ebenso viele Gelehrte und Naturheilkundler im Mittelalter, so etwa Paracelsus und Hildegard von Bingen. Pietro Andrea Mattioli, der im 16. Jahrhundert in Italien als Arzt und Botaniker tätig war, preist in seinem Werk „Kreutterbuch desz hochgelehrten vnnd weitberühmten Herrn D. Petri Andreae Matthioli“ die heilenden Vorzüge des Huflattichs: „Hufflattich dienet wider alle gebresten der Brust“. Einsetzen solle man ihn folgendermaßen: „Man mag die Bletter sieden / und die Brüe trincken / oder das Pulver in süssem Wein einnemen / oder auch die Bletter auff glüende Kolen werffen.“

Denn auch der Rauch des Huflattichs galt als heilsam und sollte das Atmen erleichtern. Ebenso wurden die Blätter als Tabakersatz genutzt und werden auch heute noch als Bestandteil für Kräutertabak geschätzt.

Huflattich enthält unter anderem Schleim-, Bitter- und Gerbstoffe sowie ätherische Öle. Er wirkt nicht nur schleimlösend, sondern auch entzündungshemmend und antibakteriell. Bei Hautproblemen, Furunkeln oder schlecht heilenden Wunden sollen Umschläge mit Huflattich-Sud helfen. Und wer mit Schuppen zu kämpfen hat, wäscht sich einfach mit Huflattich-Extrakt die Haare. Sebastian Kneipp schreibt in seinem ersten Werk „Meine Wasserkur“, das 1886 erschien, dass „die Blätter bei offenen Füßen, wenn die Stellen blau und schwarz, stark entzündet sind“, helfen sollen und auch schmerzlindernd seien. Umschläge mit Huflattich „ziehen die Hitze aus, hemmen Schwächen oder entfernen die Fieber“.

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