Der Meister von Arriach

| Text: Theo Fischer |

Tief in den Bergen Kärntens liegt die außergewöhnliche Edelwaffenschmiede von Florian Unterköfler und seinem Bruder Pepi. Warum die beiden jungen Virtuosen so einzigartige Luxuswaffen in nahezu komplett eigener Fertigung herstellen, haben wir uns vor Ort am Rande der Alpen angesehen.

Saftige Bergwiesen umgeben den einsam gelegenen Berghof oberhalb des Ortes Arriach.

Noch vor wenigen Wochen tobte hier in dem schmalen Tal ein schweres Unwetter und riss alles mit sich. Zerstörung und Chaos säumen noch immer den Weg, der hinaufführt auf den Berghof. Heute jedoch strahlt wieder die Sonne über die schroffen Berggipfel und die sanften Almwiesen – hinein in die Räume der Werkstatt von Florian Unterköfler. Hier ist er aufgewachsen, und hier gehört er hin. Er ist sozusagen ein echtes Kärntner Heimatgewächs, genau wie die erlesenen Büchsen, die er fast ausschließlich selbst herstellt.

Gelernt hat Unterköfler sein Handwerk in Ferlach. Dort, an der weithin bekannten Fachschule für Büchsenmacher, verdiente er sich seine Sporen in der Handwerkskunst klassischer Ferlacher Jagdgewehre. Eine von nur wenigen hohen Schulen für hochfeine Waffen. Auch an seinen aktuellen Arbeiten erkennt man die stilechte Note der schlanken Bauart, die Florian Unterköfler mit seiner ganz eigenen Handschrift verfeinert hat.

Nach der Ausbildung sammelte er in einigen Edelschmieden Österreichs weitere Erfahrungen, was den Unterschied zwischen Serienwaffen, Einzelstücken und echten Kunstwerken ausmacht. So entstammen auch einige Unikate der Jagdwaffenmanufaktur Bartolot den anspruchsvollen Händen des virtuosen Meisters. Auch bei Karl Hauptmann wirkte Unterköfler ganze 13 Jahre und perfektionierte dort seine Passion für Stahl und Holz.

Im Jahr 2019 schließlich gründete er seinen eigenen Meisterbetrieb auf dem heimischen Hof. Doch dieses Unternehmen ist alles andere als eine gewöhnliche Büchsenmacherwerkstatt. Zumal man eine solche wohl eher mitten in der Innenstadt einer Großstadt erwarten würde. Doch um zur Werkstatt von Carinthia Gun Tec zu gelangen, fährt man eine schmale, einspurige und kurvige Bergstraße hinauf. Eigentlich ist es eher ein Bergsträßlein. Ursprünglich erhaltene Höfe, vor denen andere urige Heimatgewächse die Hand freundlich zum Gruß heben, säumen den Weg zur Büchsenmacherwerkstatt hinauf. Man könnte fast meinen, dieser Weg gehöre zur Geschäftsstrategie von Florian Unterköfler. Denn die steilen Anstiege und engen Kurven, die durch die Kärntner Bergwiesen und Höfe nach oben führen, lassen einen nicht nur gänzlich entschleunigt an der Werkstatt ankommen, sondern auch tief in die Lebensart und die Philosophie eintauchen, die jede einzelne der Jagdwaffen von Unterköfler ausstrahlt.

Es ist der Verzicht auf die Serien- und Massenfertigung, auf Controlling und Kommerz, der diese Gewehre so besonders macht. Schon der erste Eindruck beim Betreten der Werkstatt lässt einen staunen. Kein Chaos, keine schmierigen Werkbänke, keine herumliegenden Werkzeuge. Stattdessen sind die Räumlichkeiten klar wie die frische Bergluft der Alpen. Oder wie es Florian Unterköfler ausdrücken würde: „Mein Arbeitsplatz ist meine Visitenkarte“. Und diese Philosophie ist nicht einfach so dahingesagt, sondern man erkennt sie in jedem Detail seiner Arbeiten. Die Oberflächen der Schäfte und Baskülen sind in einer solchen Perfektion ausgeführt, dass jedes Staubkorn darauf auffällt.

Die Repetierbüchsen und Kipplaufgewehre von Carinthia Gun Tec sind ausnahmslos Einzelstücke und fernab von der Bezeichnung eines „jagdlichen Werkzeugs“ einzuordnen. Es handelt sich dabei vielmehr um stilvolle Kunstwerke, die jedes Jagderlebnis zu einer mystischen Erfahrung werden lassen. Denn diese Waffen, jede einzelne für sich, erzählen eine kleine Geschichte. Und diese Geschichte entsteht in den vielen Stunden der Herstellung jedes einzelnen Meisterwerks. Die Luxuswaffen der Firma Unterköfler können es nicht verbergen. Man sieht ihnen die vielen Hundert Stunden Arbeit an. Aber darauf kommt es nicht an, denn Perfektion braucht eben seine Zeit. Und so wachsen aus einer Kantel Wurzelholz und den selbst gefertigten Stahlrohlingen im Licht der Gipfel einzigartige Meisterstücke. Einzig der Lauf wird als Rohling zugekauft. Alle anderen Teile fertigt Florian Unterköfler zusammen mit seinem Bruder Pepi selbst. 

Aber wie kann das gelingen, auf einem einsam gelegenen, verwinkelten Berghof? Nun ja, das Geheimnis hinter dem perfektionierten Kunsthandwerk ist die hochpräzise Hightechfertigung sämtlicher Stahlteile auf der eigenen 5-Achs-CNC-Fräse. Industrie 5.0 auf der Alm?

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