Der Rückgang der Feldvögel

| Text: Dr. Johanna Maria Arnold |

Weltweit sind die Vögel der Agrarlandschaft stark rückläufig. Die moderne Landwirtschaft hat ihre Lebensumwelt verändert – und einige Arten an den Rand des Aussterbens gebracht. Rebhuhn und Fasan sind Charakterarten des Offenlandes – die Jägerinnen und Jäger können zu ihrem Erhalt beitragen.

Lange vor Beginn der Landwirtschaft entwickelten sich die Vögel der offenen Landschaften. Auch als die Menschen begannen, Landwirtschaft zu betreiben, konnten sich die allermeisten Vogelarten arrangieren und profitierten teilweise sogar von der menschlichen Bewirtschaftung. Durch die anthropogenen Störungen entstanden Hotspots an Samen- und Insektenvorkommen, Hecken und Feldgehölze schützten vor Fressfeinden. Seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts aber verändert die „Grüne Revolution“ der Landwirtschaft den Anbau von Nahrungsmitteln dramatisch (Pingali 2012).

In einer industrialisierten Welt verwandelte sich ursprüngliches Ackerland in mechanisch geformte Monokulturen, die mit Düngemitteln genährt und verbessert wurden und mit Herbiziden und Insektiziden vor schädlichen Einflüssen geschützt werden sollten. Um globalen Hunger zu vermeiden, wurde die landwirtschaftliche Produktion verdreifacht (Wik et al. 2008), während sich die Zahl der Menschen verdoppelte. Aber für die Vogelwelt der Agrarlandschaften bedeutete diese schöne neue Welt den beginnenden Niedergang. Damals unrentable Standorte, in denen einst viele Vögel nisteten, sind heute unwirtliche Mais- oder Weizenfelder. Großflächiger Maschineneinsatz tötet Tiere und zerstört Brutgelege. Herbizide und Insektizide vernichten Insekten und verringern die Samenproduktion von Pflanzen. Auf diese Umstände machte bereits die Biologin und Schriftstellerin Rachel Carson in ihrem Buch „Silent Spring“ („Der stumme Frühling“) im Jahr 1962 aufmerksam; darin beschreibt sie u. a., welche Konsequenzen Insektenvernichtungsmittel für Natur und Mensch haben können.

Das Verschwinden der Vögel

Einen dramatischen Rückgang bei den Feldvögeln dokumentierte auf europaweiter Ebene das European Bird Census Council im niederländischen Nijmegen. Für ein länderübergreifendes Monitoring haben Vogelexperten ihre Beobachtungen aus den Jahren 1980 bis 2017 zusammengetragen und ausgewertet: Die Daten zu den gemeinsamen europäischen Vögeln zeigen einen anhaltenden Rückgang der europäischen Offenlandarten. Während die Waldvögel in den letzten zehn bis 15 Jahren mehr oder weniger stabil geblieben sind, weisen die Feldvögel seit 1980 einen immensen Rückgang von 57 Prozent auf (EBCC 2020).
Auch einer aktuellen Veröffentlichung zufolge hält der deutliche Rückgang heimischer Vögel auf Wiesen, Weiden und Äckern in Deutschland weiter an (Gerlach et al. 2019). Im Wald hingegen nehmen die Vogelbestände wieder zu. Tausende von Ehrenamtlichen haben zum Vogelmonitoring
beigetragen. Die Auswertungen der Daten wurden vom Dachverband Deutscher Avifaunisten e. V., dem Bundesamt für Naturschutz sowie der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten vor Kurzem veröffentlicht. Insgesamt reduzierte sich der Bestand an Brutpaaren von 1992 bis 2016 um mehr als sieben Millionen Paare, das sind acht Prozent weniger Brutvögel in Deutschland als vor
24 Jahren.
In der Agrarlandschaft ging der Bestand an Brutpaaren in demselben Zeitraum um etwa zwei Millionen zurück; eine Umkehr der Trendwende ist nicht in Sicht. Einige Arten, insbesondere aus der Bodenbrütergruppe, sind besonders betroffen: Die Bestände von Rebhuhn (Perdix perdix) und Kiebitz (Vanellus vanellus) nahmen seit 1992 fast um 90 Prozent ab, sie gelten in Deutschland als vom Aussterben bedroht bzw. als stark gefährdet. Ähnlich dramatisch ist die Entwicklung bei Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Uferschnepfe (Limosa limosa) und Bekassine (Gallinago gallinago), charakteristische Arten der Feuchtwiesen und extensiv genutzter Weiden.
Auch der Vogel des Jahres 2020, die Turteltaube (Streptopelia turtur), ist so selten geworden, dass er in großen Teilen seines ehemaligen Verbreitungsgebietes fehlt. Auch die Feldlerche (Alauda arvensis), einst häufiger Bewohner der Agrarlandschaft, zeigt eine ähnliche Tendenz in ihrer Verbreitung auf. Die Zusammenschau zeigt aber auch, dass durch intensive Artenschutzprojekte wie z. B. für die Großtrappe (Otis tarda) oder die Wiesenweihe (Circus pygargus) ein Rückgang gestoppt werden kann. Allerdings bedarf es dabei eines frühzeitigen Engagements und eines hohen Einsatzes an Ressourcen.

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