Die Pheasant Tail – prominenteste aller Fliegen?

| Text: Kim Trautmann |

HALALI-Autor Kim Trautmann ging schon als kleiner Junge auf die Fischwaid. Im Laufe der Zeit änderte sich manches – bis auf die Fliege, der er nahezu alle Erlebnisse als Fliegenfischer zu verdanken hat.

Die Frage, welchen Happen wir den Fischen nun servieren sollen, stellt sich wohl den meisten von uns zu Beginn eines jeden Fischtages – eben so häufig wie die Frage nach dem richtigen Pirschsteig oder dem perfekten Blattstand.

Sicherlich kommt dieser Frage nach dem perfekten Imitat Bedeutung zu. Doch ich wage die ketzerische These, dass die Fliege gleichsam der Wahl des Anstandes auf der Jagd nicht allein kriegsentscheidend für den Ausgang der Pirsch ist. So ließe sich dem Bach mit ein wenig Geschick und der entsprechenden Gewandtheit wohl mit vielerlei Täuschung Beute entlocken, und dennoch hat es mir im Laufe der Jahre ein Muster besonders angetan.

Als ich vor wenigen Wochen das Glück hatte, direkt vor der Haustür meine ersten bayerischen Fasanen erlegen zu dürfen, musste ich wieder und wieder an dieses unscheinbare kleine Insekt denken. Wie hatte ich mich als kleiner Bub abgemüht, ein solches aus den bereits in die Jahre gekommenen Stoßfedern, die ich auf dem Dachboden gefunden hatte, zu kreieren, um es anschließend am elterlichen Bach den rot getupften Forellen im jugendlichen Leichtsinn auf den Kopf werfen zu können. Mein kleiner Bruder und ich waren mit einem alten Kescher am Haselstecken und einem Kübel bewaffnet oft tagelang den kleinen Bach entlanggeschlichen, bis wir den scheuen Bachforellen auf die Schliche kamen, und oftmals folgte der passionierten Fischwaid ein eleganter Flossenschlag, der uns als zweite Sieger zurückließ.

Je älter wir wurden, desto ausgefeilter und gewiefter wurden unsere Versuche, und bald wurde auch der Bach am Fuße der Schwäbischen Alb zu klein – die Fliege, der ich nahezu all meine Erlebnisse als Fliegenfischer zu verdanken habe, begleitet mich jedoch bis heute.

Die Rede ist von der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Frank Sawyer, Riverkeeper am River Avon im englischen Wiltshire, für die britischen „chalk streams“ entwickelten Pheasant Tail Nymphe. Was genau sie im Nahrungsspektrum unserer Salmoniden imitiert, ist nach wie vor umstritten: Für mich ähnelt sie vielen unserer heimischen Insektenlarven und sieht ihnen doch nicht gleich. Ähnlich scheint es auch Salmo trutta fario zu sehen, da, aus welchen Gründen auch immer, im Menü einer jeden Forelle zu jeder Jahreszeit, und dies auch an den entlegensten Orten der Welt, doch immer noch Platz für eine Pheasant Tail zu sein scheint.

Nun kam diese Erkenntnis nicht von ungefähr, vielmehr hatte ich aus reiner Verzweiflung, auch wirklich an alles gedacht zu haben, auf eine Reise zum Forellenfischen in Neuseeland auch noch eine Handvoll besagter Nymphen eingepackt, obwohl ich bereits im Vorfeld der Reise von riesigen, Mäuse und Heupferdchen fressenden Bachforellen träumte. Im Land der Kiwis und großen Bachforellen angekommen, war ich bass erstaunt, um nicht zu sagen missioniert – die einzige Fliege, die fing und fing, was das Zeug hielt, war meine unscheinbare kleine schwäbische Variation der Pheasant Tail Nymphe.

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