Die Wiedergeburt

| Text: Bertram Graf von Quadt |

Es gibt Namen, Dinge, Hersteller, die den Menschen sein Leben lang begleiten – oder zumindest wünscht sich der Mensch das so. Endet eine dieser Konstanten, ist das traurig. Wenn sich aber eine solche Konstante auf die alten Werte rückbesinnt und sie wiederbelebt, dann ist das regelmäßig eine große Freude. HALALI-Autor Bertram Graf von Quadt berichtet von einem besonderen Glanzlicht.

„DER SPRINGER in Wien“. Das war schon in meiner Jugend ein stehender Begriff. Als ich noch Schüler war, war er ein beliebter Treffpunkt. „Wo find ich dich nachher?“ – „Beim Springer am Graben.“ Für mehr als eine oder zwei Schachteln Schrotpatronen reichte das Taschengeld regelmäßig nicht aus, aber man konnte sich lange und ungestört in dem verwinkelten Geschäft am Wiener Graben, Ecke Dorotheergasse, umschauen und davon träumen, sich hier später einmal ordentlich auszustatten. Und als Büchsenmacher war „der Springer“ sowieso ein Begriff. Wir alle hatten unseren Meran gelesen und wussten um seine Vorliebe für die Springer-Flinte seines Vaters, die die Russen aus dem elterlichen Schloss in Csákbereny gestohlen hatten und die dann irgendwann bei einem ungarischen Waffenhändler im Schaufenster stand, von dort zurückgekauft wurde und Philipp Graf Meran zeitlebens begleitet hat. Ich hatte das Glück, ihn noch einige Jahre erleben zu dürfen. Wir schrieben uns Briefe, und darin oder wann immer wir uns bei Jagden sahen, erzählte er Geschichten von damals, in denen unweigerlich von großen Flugwildjagden in Ungarn, im Nildelta, im Valle bei Venedig die Rede war, und stets war „die Springerin“ dabei.

Die Firma wurde 1856 gegründet. Johann Springer, gelernter Graveur und Büchsenmacher, hatte 15 Jahre lang für Mathias Nowotny gearbeitet, als ihm dessen Witwe das Geschäft verkaufte: sowohl die Handelsadresse am Stock-im-Eisen-Platz 5, unweit des späteren Springer-Geschäfts am Graben, als auch die Fabrik in der Josefstadt, die heute noch (oder besser wieder) im Besitz der Firma ist. Damals hieß sie noch „Johann Springer, vorm. Mathias Nowotny“. Johanns Söhne Rudolf und Gustav firmierten dann 1888 um in „Joh. Springer’s Erben“. So heißt das Unternehmen heute noch. Die Kundenliste liest sich wie ein k.u.k. Hofkalender: Esterházy, Coburg, Liechtenstein, selbstredend das Erzhaus Habsburg, Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Rudolf, der Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand, Kaiser Wilhelm II., das monegassische Fürstenhaus Grimaldi, der Afrikaforscher Ernst Zwilling, um nur einige zu nennen. Sie alle ließen sich dort ihre Waffen anfertigen, bis die Ära der Büchsenmacherei im Dezember 1956 endete.

Erst 2011, drei Jahre nach Übernahme durch den heutigen Chef Christian Johann Springer, wurden wieder eigene Springer-Gewehre hergestellt: Büchsen zunächst, genauer 98er-Repetierer, die preislich im mittleren fünfstelligen Bereich liegen. Das sind Kleinstserienwaffen, ein Dutzend stellt die Firma im Jahr her. Seit der Gründung sind überhaupt nur rund 11 000 genuine Springer-Gewehre gebaut worden. Springer ist nicht Masse. Springer ist Premium.

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