Ein Besuch bei der ältesten Waffenmanufaktur der Welt
| Text: Wolfgang von Brauchitsch |
Ein Unternehmen, das älter ist als viele Staaten. Eine Familie, die seit einem halben Jahrtausend Waffen fertigt. Und eine Marke, die für Jäger, Sportschützen und Sammler weltweit ein Symbol für Qualität, Verlässlichkeit und italienische Eleganz geworden ist: Beretta. Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums durfte HALALI einen exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen. Sowohl in die hochmoderne Fertigung in Gardone Val Trompia als auch in das Herzstück der Marke: das Pietro Beretta Custom Atelier. Der Besuch endet schließlich dort, wo alles zusammenfließt: in der historischen Villa Beretta, in der sich das hauseigene Waffenmuseum befindet, und mit einem persönlichen Gespräch mit Franco Gussalli Beretta, dem Präsidenten des Unternehmens. Ein Streifzug durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer einzigartigen Waffenmanufaktur.
500 Jahre Innovation
Beretta wurde im Jahr 1526 erstmals urkundlich erwähnt, und zwar in Form einer Rechnung für 185 Arkebusenläufe, ausgestellt an die Republik Venedig. Seitdem ist das Unternehmen ununterbrochen in Familienhand geblieben. Diese Kontinuität ist in der internationalen Industrie einzigartig. Heute ist Beretta Teil der Beretta Holding S.p.A., unter deren Dach auch Marken wie Sako, Tikka oder Steiner geführt werden. Doch der Kern bleibt Gardone Val Trompia, der Ursprung, das Zentrum, die Identität.
Präzision im Takt der Maschinen – Die industrielle Fertigung
Die industrielle Fertigung bei Beretta zeigt, wie moderne Produktionstechnologie und traditionelle Ansprüche zusammenfinden. In den weitläufigen Hallen in Gardone dominieren CNC-Anlagen, robotergestützte Systeme und automatisierte Prüfprozesse. Die Fertigung ist in klar getrennte Zonen unterteilt: Laufherstellung, Systembearbeitung, Montage von Flinten, Büchsen und Pistolen. Gefertigt werden hier unter anderem Jagdflinten wie die 686 Silver Pigeon, die DT11 für den Schießsport und die neue SL3, der Beretta Geradezug-Repetierer BRX1 oder Dienstpistolen der 92er-Serie. Besonders präzise erfolgt die Fertigung der Läufe, bei der sämtliche Maße im Hundertstelmillimeterbereich geprüft werden. Qualitätssicherung ist dabei kein abschließender Schritt, sondern Teil jedes einzelnen Prozesses. Trotz hoher Automatisierung bleibt der Mensch das Maß. Viele Fachkräfte sind seit Jahrzehnten im Unternehmen, einige bereits in zweiter oder dritter Generation. Die industrielle Fertigung bildet das technische Fundament der Marke, leistungsfähig, skalierbar und stets kontrolliert auf Qualität.
Schießstand Concaverde – Die Waffen in der Praxis
Am zweiten Tag führte uns der Weg zum Schießstand Concaverde in Lonato del Garda, einem der modernsten Wurfscheibenzentren Europas. Dort konnten aktuelle Modelle aus dem Beretta-Programm ausgiebig getestet werden, darunter die DT11, die elegante SL3 und verschiedene halbautomatische Flinten. Geschossen werden kann hier auf unterschiedlichen Ständen: Trap, Skeet und Jagdparcours. Die DT11 zeigte sich laufruhig und perfekt ausbalanciert, die halbautomatischen Modelle überzeugten durch schnelles Repetieren und angenehmes Rückstoßverhalten. Die SL3 beeindruckte durch exzellente Verarbeitung und klare Balance. Bei dieser Flinte werden handwerkliche und technische Qualitäten gleichermaßen spürbar. Die Tests machen deutlich, wie breit das Sortiment von Beretta aufgestellt ist, für den ambitionierten Sportschützen ebenso wie für den anspruchsvollen Jäger.
Kunstvolle Einzigartigkeit – Der Beretta Custom Shop
Der Besuch im Custom Shop offenbarte eine andere Seite des Unternehmens. Hier entstehen individuelle Einzelanfertigungen komplett in Handarbeit. Im Gravieratelier arbeiten spezialisierte Künstler an maßgefertigten Waffen, oft über Monate hinweg. Graviertechniken wie Bulino ermöglichen fotorealistische Darstellungen, andere Motive greifen florale oder klassische Designs auf. Der Kunde bestimmt Ausführung, Holzqualität, Schäftung, Gravur und sogar das Schussverhalten. Jede Waffe durchläuft alle technischen Prüfungen der Serienmodelle, ist aber ein Unikat. Das Ergebnis ist keine Massenware, sondern ein Objekt mit persönlicher Bedeutung und höchster Präzision. Der Custom Shop ist ein Rückzugsort handwerklicher Exzellenz, aber kein Museum. Hier wird täglich produziert, gestaltet und montiert. Die Verbindung aus Ästhetik, Tradition und Technik steht dabei im Mittelpunkt.



